Bundeswehr an Schulen  So oft stehen Offiziere in Auricher Klassenzimmern

Christin Wetzel
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Von Christin Wetzel
| 28.01.2026 08:03 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Marinestützpunkt Wilhelmshaven, hier mit der Fregatte Bayern, ist einer der Anlaufpunkte der Bundeswehr, die Schüler aus dem Landkreis Aurich besuchen. Foto: DPA/Hauke-Christian Dittrich
Der Marinestützpunkt Wilhelmshaven, hier mit der Fregatte Bayern, ist einer der Anlaufpunkte der Bundeswehr, die Schüler aus dem Landkreis Aurich besuchen. Foto: DPA/Hauke-Christian Dittrich
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Die Debatte um die Wehrpflicht hat in den vergangenen Monaten die jungen Menschen bewegt. Wie präsent ist die Bundeswehr seitdem an Schulen im Landkreis Aurich?

Aurich - Gehen junge Menschen zur Bundeswehr oder nicht? Während alte Standorte wie die Kaserne in Aurich seit Jahren längst anderweitig genutzt werden, hat die Diskussion um die Wiedereinführung einer Wehrpflicht für ein verstärktes Bewusstsein bei den jungen Aurichern gesorgt. Es gab bundesweit und in Ostfriesland jüngst noch Demonstrationen gegen eine allgemeine Wehrpflicht. Wie präsent ist die Bundeswehr bei jungen Heranwachsenden? Ein Blick an die Schulen gibt zumindest einen kleinen Einblick.

Der Spiegel schrieb jüngst, dass die Besuche der Bundeswehr in den vergangenen fünf Jahren stark an den Schulen zugenommen hätten. Besonders in Niedersachsen habe es eine deutliche Zunahme gegeben. 776-mal sei in Niedersachsen die Bundeswehr vorstellig geworden. Hintergrund des Berichts war die Auswertung einer kleinen Anfrage der Linken im Bundestag, schreibt der Spiegel, der aus der Antwort darauf die Zahlen zieht. Eine Vermutung dahinter sei, dass die Bundeswehr in der Diskussion um die Wiedereinführung der Wehrpflicht mehr um Personal werbe. Wie sieht es im Landkreis Aurich aus? Wie häufig besucht die Bundeswehr die Schulen und was ist der Anlass? Die Redaktion hat bei den weiterführenden, allgemein bildenden Schulen im Landkreis Aurich nachgefragt. Etwa die Hälfte der angeschriebenen Schulen hat sich dazu geäußert. Von einigen kam gar keine Rückmeldung zum Thema.

Zwischen Pflicht und Freiwilligkeit

Seit dem 1. Januar gibt es Regelungen für den neuen Wehrdienst. Es gibt keine allgemeine Wehrpflicht. Dafür besteht eine verpflichtende Wehrerfassung. Junge Männer ab dem Jahrgang 2008 müssen einen Fragebogen ausfüllen und durch medizinisches Personal der Bundeswehr untersucht werden, erläutert die Bundeswehr auf ihrer Internetseite. Der Wehrdienst selbst beruhe aber weiterhin auf Freiwilligkeit, heißt es dort. Wer möchte, könne Wehrdienst leisten. Denn die Bundeswehr benötige mehr aktive Soldaten und Soldatinnen.

Aurich: Berufsorientierung oder Bildung zu Sicherheitspolitik sind zwei Gründe, die in Aurich von einigen Schulen als Grund für Besuche der Bundeswehr angegeben werden. Die Realschule Aurich besuche seit mehreren Jahren mit Schülerinnen und Schülern den Tag der offenen Tür des Marinestützpunkts in Wilhelmshaven, so Schulleiterin Kathrin Peters. Dazu komme einmal im Jahr der Karrieretruck der Bundeswehr für die Jugendlichen des neunten und zehnten Jahrgangs und informiere über zivile und militärische Ausbildungsmöglichkeiten. Auch im Rahmen der Ausbildungsmesse „Chance Azubi“ stelle die Bundeswehr Ausbildungsmöglichkeiten vor.

„Keine Rekrutierung von Soldaten“

Es sei aber immer Werbung für den Betrieb. „Es ging aber nie primär um die Rekrutierung von Soldatinnen und Soldaten“, so Peters. Auch am Gymnasium Ulricianum arbeite die Schule seit Jahren mit der Bundeswehr zusammen, sagt Schulleiter Rüdiger Musolf. Einmal im Jahr komme die Bundeswehr zum Berufsorientierungstag. Außerdem würden in unregelmäßigeren Abständen die Jugendoffiziere in den Unterricht der Oberstufe, etwa zu sicherheitspolitischen Themen eingeladen. Das geschehe dann aber auf individuelle Einladung der Lehrkräfte. In den vergangenen anderthalb Jahren, seien solche Gäste drei oder viermal in die Kurse gekommen. Für den Sommer ist geplant, dass Interessierte im Rahmen einer Projektwoche auch an einem Collegespiel der Bundeswehr zur Weltpolitik teilnehmen. Punktuell fahren Schülergruppen zu Bundeswehrstandorten in der Region, bevorzugt zum Marinestandort in Wilhelmshaven. Das würde dann aber nur von Schülerinnen und Schülern in Anspruch genommen, die von vornherein Interesse an einer beruflichen Laufbahn bei der Bundeswehr hätten. Es seien laut Musolf keine Werbeveranstaltung um Soldaten, sondern ein Teil der Berufsorientierung. Die Bundeswehr sei aber immer offen für die Schule, so Musolf.

Norden: Das Thema Sicherheitspolitik in Klasse 13 ist auch ein Grund, warum in Norden regelmäßig ein Jugendoffizier der Bundeswehr von Seiten der Schule eingeladen wird. Das teilt Schulleiterin Claudia Terstegen mit. Das seien keine Werbe-, sondern Informationsveranstaltungen, wobei auch kritische Aspekte zur Sprache kommen würden. Auf den Ausbildungsmessen in Norden und Oldenburg, die die Schüler besuchten, sei auch die Bundeswehr mit einem Stand vertreten. Die Schülerschaft nehme aber an keinen Werbeveranstaltungen teil, die von der Bundeswehr angeboten würden.

Nur in Begleitung von Lehrern

An der Oberschule Norden habe es in den vergangenen Schuljahren keine klassischen Informations- oder Werbeveranstaltungen der Bundeswehr gegeben, so Schulleiter Nico Rettcher. Die Schule habe aber dreimal an dem Projekt „Pole Position Bundeswehr“ teilgenommen. Dabei konnten die Schüler freiwillig teilnehmen und es wurde pädagogisch begleitet. Das Projekt sei im Bereich der Berufsorientierung eingebettet gewesen, inhaltlich sei es nicht um militärische Ausbildung oder Werbung für den Wehrdienst gegangen. Grundsätzlich gelte für die Schule, dass Anfragen externer Institutionen immer inhaltlich geprüft würden, egal um welche Organisation es sich dabei handele. Entscheidend sei dabei, ob die Veranstaltungen pädagogisch sinnvoll und altersgerecht seien und keine einseitige Beeinflussung der Schülerinnen und Schüler erfolge.

Ihlow: In Ihlow gab es an der IGS Ihlow noch keine konkreten Besuche, so Schulleiter Günter Tautz. Es gebe Hinweise auf Info-Veranstaltungen zum Thema „Karriere in der Bundeswehr, die aber nicht weitergegeben würden. Ähnlich verfahre auch die Polizei. Das sei im Grunde genommen ähnlich wie bei anderen Infoveranstaltungen zur Fachkräftegewinnung.

Mit Blick auf die Antworten der Schulen lässt sich zusammenfassend sagen, dass die Bundeswehr durchaus eine Rolle bei den Schülern spielt. Aber ein nachweislicher Anstieg im Zusammenhang mit der Diskussion um eine erneute Wehrpflicht lässt sich zumindest bei den Schulen, die sich geäußert haben zum Thema, nicht ablesen.

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