Automobile Nostalgie Als eine Ente noch viel zu teuer war

Uwe Prins
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Von Uwe Prins
| 28.01.2026 12:24 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Emder Ralf Brahms konnte sich als Student keine Ente leisten. Vor vier Jahren wurde er Rentner – und erfüllte sich mit dem Kauf eines topgepflegten Citroën 2 CV 6 Club (Baujahr 1986) seinen Jugendtraum. Foto: privat
Der Emder Ralf Brahms konnte sich als Student keine Ente leisten. Vor vier Jahren wurde er Rentner – und erfüllte sich mit dem Kauf eines topgepflegten Citroën 2 CV 6 Club (Baujahr 1986) seinen Jugendtraum. Foto: privat
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Ralf Brahms fährt als Rentner Citroën 2 CV 6 – ein Auto, das er sich als Student nicht leisten konnte.

Ostfriesland - Die Oldtimerszene steckt voller Geschichten. So war hier zuletzt eine Story über Matthias Ennen zu lesen. Der Moormerländer hatte nach 20 Jahren über eine Internet-Suchanzeige seinen getunten VW Passat Kombi in Bayern wiedergefunden und zurückgekauft. Viele Ostfriesen sind ähnlich gepolt und empfänglich für diese ausgesprochen sympathische automobile Nostalgie. Ralf Brahms zum Beispiel: Der Emder ist vor vier Jahren in Ruhestand gegangen und hat sich mit dem Kauf eines weißen Citroën 2 CV 6 Club als Rentner einen Jugendtraum erfüllt: „Mein erstes Auto war 1974 ein R 4. Für mich als Student waren die Enten damals zu teuer, deshalb wurde es ein Renault.“

Der 68-Jährige ist verheiratet und freut sich mit seiner Frau auf jede Tour. „Die Ente ist wunderschön, ich habe lange gesucht.“ Heute genießen die beiden ihre Ausflüge mit der „Deux Chevaux“. „Oft sind wir auf Oldtimertreffen. Das ist ein wunderschönes Hobby – und die Leute freuen sich immer wieder, wenn sie eine Ente sehen.“ Die automobile Nostalgie hat übrigens auch die Tochter infiziert: Die 39-jährige Antke fährt einen R 4 von 1989, jenes Renault-Modell, das das erste Auto des Vaters war.

Ralf Brahms besucht mit seiner weißen Ente oft Oldtimertreffen in der Region. Oft dabei ist auch seine Tochter Antke - die fährt einen Renault 4. Foto: privat
Ralf Brahms besucht mit seiner weißen Ente oft Oldtimertreffen in der Region. Oft dabei ist auch seine Tochter Antke - die fährt einen Renault 4. Foto: privat

Solch einen Franzosen hat sich auch Manfred Peters zugelegt. „Der R 4 war mein erstes Auto und ist eine Erinnerung an meine Studienzeit“, sagt der 76-Jährige aus Neermoor. Der „Quatrelle“ (übersetzt: Vierer) war der erste Großserien-Pkw (rund acht Millionen Exemplare von 1961 bis 1994) mit einer einteiligen, oben angeschlagener Heckklappe und darf als erster „richtiger“ Kombi bezeichnet werden. Als erster Renault hatte der Fünftürer zudem Frontantrieb, das Motörchen verfügte im Gegensatz zu den damaligen Mitbewerbern wie Ente und Käfer über eine Wasserkühlung. Diese moderne Errungenschaft änderte aber nix daran, dass die Leistung über den gesamten Produktionszeitraum von 33 Jahren überschaubar blieb.

Das rote Exemplar von Manfred Peters ist keine Ausnahme, obwohl es sich um ein Modell mit GTL-Ausstattung und der damit verbundenen Topmotorisierung handelt: 34 PS! Vor drei Jahren hat Manfred Peters den Wagen gefunden und gekauft. Der R 4 ist Jahrgang 1987 und hat tatsächlich erst 83.000 Kilometer auf dem Tacho.

Manfred Peters aus Neermoor nutzt seinen R 4 im Alltag – ein sogenannter Daily-Driver, der auch mal als Weihnachtsbaum-Transporter herhalten muss. Foto: privat
Manfred Peters aus Neermoor nutzt seinen R 4 im Alltag – ein sogenannter Daily-Driver, der auch mal als Weihnachtsbaum-Transporter herhalten muss. Foto: privat

217.000 Kilometer stehen inzwischen bei dem Mercedes von Johann Muschinski auf der Uhr. Die deutlich höhere Laufleistung sieht man dem gepflegten Coupé der Baureihe 124 jedoch nicht an: Schwarzer Lack und schwarzes Leder okay, graue Kunststoffplanken und -Stoßfänger ohne Risse und zeitgenössische Felgen ohne nennenswerte Bordsteinkontakte. Unter der mächtigen Haube arbeitet der legendäre Vierzylinder M 111 mit 2,2 Litern Hubraum und 150 PS.

Johann Muschinski aus Ockenhausen konnte sich das Mercedes-Coupé der Baureihe 124 als junger Mann nicht leisten. Jetzt fährt er ein gepflegtes Exemplar. Foto: privat
Johann Muschinski aus Ockenhausen konnte sich das Mercedes-Coupé der Baureihe 124 als junger Mann nicht leisten. Jetzt fährt er ein gepflegtes Exemplar. Foto: privat

„Als das Coupé im Sommer 1987 auf den Markt kam, fand ich sofort Gefallen daran. Als damals 25-Jähriger war der Wagen natürlich unerschwinglich für mich. Vor einigen Jahren habe ich mir meinen Traum gegönnt“, erzählt der 63-Jährige.

Mehrmals berichtet wurde bereits über den Vorsitzenden des Automobilclubs Leer, Peter Uelwer. Der Vater des Rechtsanwalts fuhr stets Audi, beließ es aber immer bei Vierzylinder-Modellen. Die Audi-Gene übernahm der Moormerländer von seinem Herrn, aber in den Fuhrpark kommen nur Fahrzeuge mit fünf Zylindern.

Peter Uelwer steht neben „Pablo“, seinem aus Madrid importierten Audi A6 5E. Zu Weihnachten grüßte er die Vereinsmitglieder des Automobilclubs Leer als "Santa Pablo“.
Peter Uelwer steht neben „Pablo“, seinem aus Madrid importierten Audi A6 5E. Zu Weihnachten grüßte er die Vereinsmitglieder des Automobilclubs Leer als "Santa Pablo“.

Jüngster Zugang des Juristen ist ein 2023 aus Spanien importierter Audi A 6 Avant der Baureihe C 4. „Pablo ist das trockene Klima in Madrid gut bekommen, der Wagen ist absolut gammelfrei und ungeschweißt.“ Und der 2,3-Liter-Fünfzylinder? „Der schnurrt!“