Landwirtschaft Vogelgrippe bei Kuh in den Niederlanden
Welche Folgen hat der Nachweis von H5N1 bei einer Kuh auf einem Hof im Nachbarland für Ostfrieslands Milchviehhalter und die Verbraucher?
Den Haag/Ostfriesland - Das Vogelgrippe-Virus ist in den Niederlanden in einer Kuh nachgewiesen worden. „Das hat man natürlich sehr genau im Auge“, sagt Manfred Tannen, Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland. In der Milch des Tieres wurden Antikörper gegen den Erreger H5N1 gefunden, wie aus einem Schreiben der niederländischen Agrarministerin an das Parlament hervorgeht. Welche Folgen hat eine solche Infektion für Ostfrieslands Milchhalter und die Verbraucher?
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Der Fall in den Niederlanden ist der erste außerhalb der USA. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) bei Greifswald ist bislang kein anderer solcher Nachweis weltweit bekannt. „Es hat ja bisher auch keine Ansteckung von Rind zu Rind gegeben“, sagt Tannen. Es müssten deshalb auch keine besonderen Vorkehrungen in den Ställen oder auf den Weiden getroffen werden.
„Wir beobachten das seit drei Jahren in Amerika. Da kann es niemanden überraschen, dass es jetzt auch einen Fall hier gibt“, sagt Peter Habbena, Landesvorsitzender Niedersachsen im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM). „Das ist nichts, wo man jetzt kollabieren muss.“
Besteht Gefahr durch die Milch eines infizierten Tieres?
Der Landwirt aus der Krummhörn warnt vor einer Verunsicherung der Verbraucher: „Wir haben starke Lebensmittelkontrollen. Die Verbraucher müssen sich keine Sorgen um die Qualität unserer Milch machen.“ Das Vogelgrippe-Virus wird bei Kühen hauptsächlich über die Milch ausgeschieden. Ein Risiko gibt es dennoch nicht: Kommerzielle Milchprodukte gelten als sicher, da Hitze und Pasteurisierung das Virus eliminieren. Vom Verzehr von Rohmilch wurde bereits im Zuge des Vogelgrippe-Ausbruchs unter Milchkühen in den USA deutlich abgeraten. Milch von H5N1-infizierten Kühen darf in Europa nicht verkauft werden. Zudem ist die Milchproduktion bei erkrankten Tieren vermindert, die Milch selbst dickflüssig und verfärbt. Die meisten Milchkühe erholen sich von der Erkrankung.
Was weiß man über die Ansteckung mit Vogelgrippe?
Weltweit gibt es Experten zufolge etwa 1,5 Milliarden Rinder. Trotz des weltweiten Handels mit Tieren und Lebensmitteln waren H5N1-Infektionen bisher nur von Kühen in den USA bekannt. Dem Bericht der Agrarministerin zufolge war auf dem Hof in der niederländischen Provinz Friesland am 26. Dezember eine Katze gestorben, bei ihr wurde eine H5N1-Infektion nachgewiesen. Wie sich Katze und Kuh angesteckt haben, war zunächst unklar. Laut FLI könnte der Erreger durch Kontakt mit infizierten Vögeln weitergegeben worden sein oder über kontaminierten Kot, Futter, Wasser oder Melkgeschirr.
In den USA waren im März 2024 erstmals mit Vogelgrippe infizierte Milchkühe entdeckt worden – erste Tiere waren aber wohl schon im Herbst 2023 erkrankt. Rasch waren hunderte weitere Betriebe betroffen, es folgten Nachweise bei Haustieren wie Katzen und dutzenden Menschen, meist Farmarbeiter oder Tierärzte. Experten schätzen die Dunkelziffer nicht erfasster Fälle als sehr hoch ein. Experten gehen davon aus, dass ein großer Teil der US-Betriebe inzwischen durchgeseucht ist.Die Lage in den USA
Am 15. Januar wurden die Milchkühe des Betriebs untersucht. Symptome hatte zu diesem Zeitpunkt keines der Tiere. In den Proben fanden sich bei einer Kuh Antikörper gegen die Vogelgrippe H5N1. Antikörper entstehen während einer Infektion durch die Immunantwort des Körpers.
Die infizierte Kuh hatte dem Bericht zufolge im Dezember eine Euterentzündung und Atemprobleme gehabt – typische Symptome bei einer Milchkuh mit Vogelgrippe. Weitere am 22. Januar genommene Proben von anderen Kühen des Hofes blieben unauffällig. Es gebe keinen Hinweis auf eine aktive Virusverbreitung der Vogelgrippe unter den Milchkühen des Betriebs, hieß es. Für fünf Proben wurden allerdings Nachtests angeordnet.
Mit Material von DPA