Osnabrück  Gesundheitsminister: „Das Problem lösen wir nicht, indem wir weitere Universitäten gründen“

Jonas E. Koch
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Von Jonas E. Koch
| 30.01.2026 05:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) ist skeptisch zur geplanten medizinischen Hochschule in Osnabrück. Foto: Sebastian Dannenberg
Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) ist skeptisch zur geplanten medizinischen Hochschule in Osnabrück. Foto: Sebastian Dannenberg
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Eine Medizinische Hochschule in Osnabrück brauche es eigentlich nicht, meint der niedersächsische Gesundheitsminister Andreas Philippi im noz-Interview. Er findet, das Land sei bei den Studienplätzen bereits „gut aufgestellt“.

Bislang reagierte die niedersächsische Landesregierung eher zurückhaltend auf die geplante Medizinische Hochschule in Osnabrück. Zwar sicherte das zuständige Wissenschaftsministerium seine Zusammenarbeit zu, stellte aber kurz nach der Vorstellung des Vorhabens bereits klar: Geld vom Land wird es nicht geben.

Das ist ein Aspekt, der Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) freut: Bei seinem Besuch des Neujahrsempfangs der IHK in Osnabrück lobte er, dass sich Osnabrücks Oberbürgermeisterin Katharina Pötter und Landrätin Anna Kebschull eben „nicht nur an das Land wenden und sagen: Wir brauchen Geld“, sondern selbst aktiv werden. Sein Parteikollege und Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) sieht das anders: Er findet nicht, „dass sich die Kommunen um dieses Problem kümmern müssen“ – und erklärt im noz-Interview, warum nicht.

Frage: Herr Philippi, braucht Osnabrück eine Medizinische Hochschule?

Antwort: Ich glaube, dass wir mit den drei medizinischen Universitäten, die wir im Land haben, gut aufgestellt sind. Wir haben mit rund 880 Studienanfängerplätzen eigentlich genug Medizinstudierende in Niedersachsen. In Oldenburg haben wir zuletzt 80 zusätzliche Studienplätze geschaffen. Pro Studierendem reden wir über 300.000 bis 350.000 Euro Ausbildungskosten. Ich glaube: Das vermeintliche Problem des Ärztemangels lösen wir nicht, indem wir weitere Universitäten gründen.

Frage: Wenn genug Menschen Medizin studieren wollen, warum mangelt es hier dann an Ärzten?

Antwort: Das Problem besteht darin, wo sie später arbeiten. Viele gehen nach dem Studium ins Ausland, in die Forschung, die Labormedizin oder in die Pharmaindustrie. Von 300 Studierenden im praktischen Jahr haben sich zuletzt nur 20 für einen Platz in der Allgemeinmedizin interessiert. Wenn alle, die wir ausbilden, auch als Mediziner arbeiten würden, würde das reichen. Das ist die teuerste Ausbildung in Deutschland. Mit der Landarztquote haben wir deshalb ein Programm aufgesetzt, das die Mediziner dazu verpflichtet, im Anschluss zehn Jahre an einer Stelle zu arbeiten, wo Ärztinnen und Ärzte am dringendsten gebraucht werden.

Frage: Und das funktioniert?

Antwort: Wir haben durchschnittlich vier bis fünf Bewerberinnen und Bewerber auf jeden Platz. Aktuell werden zum vierten Mal geeignete Kandidaten ausgewählt. In den vergangenen vier Jahren haben insgesamt 240 Studierende ihre Ausbildung begonnen. Aber ein Medizinstudium dauert sechs Jahre, die Facharztausbildung weitere fünf. Die Früchte der Landarztquote können wir also erst in einigen Jahren ernten. Aber deshalb glaube ich nicht, dass sich die Kommunen um dieses Problem kümmern müssen.

Frage: Hier in Osnabrück gab es unter den Kliniken lange eine Doppelung von Kompetenzen. Das soll sich jetzt ändern, weil die Krankenhäuser in einer neuen Holding zusammenarbeiten wollen. Eine gute Idee?

Antwort: Wir haben in Niedersachsen 5.000 Krankenhausbetten zu viel. Das bindet zu viele Ressourcen, deshalb wollen wir Leistungen konzentrieren und dadurch auch die Qualität verbessern. Ich bin als Gesundheitsminister angetreten, um diese Veränderungen im Gesundheitssystem auch umzusetzen. Eine bestimmte Leistung wird deshalb nur noch erbracht, wenn das Krankenhaus eine bestimmte Anzahl an Patienten und Ärzten hat. Diese Veränderung habe ich in 16 Veranstaltungen im gesamten Land immer wieder erklärt. Und Osnabrück hat extrem gut zugehört. Hier wurde ein Prozess angestoßen, in dem drei Akteure am Tisch saßen. Ich begrüße das und es läuft richtig gut.

Frage: Es gab und gibt auch Widerstände…

Antwort: Ja, es gab offene Briefe von Ärzten. Aber was Osnabrück hier macht, hat für viele Regionen im Land eine Vorbildfunktion. Wir wollen den Patientinnen und Patienten die beste Qualität bieten, deshalb müssen wir persönliche Befindlichkeiten und Eitelkeiten beiseitelegen, einige Kapazitäten abbauen und ärztliches Know-how bündeln, indem sich Standorte spezialisieren. Auch, damit die Krankenhäuser wirtschaftlich arbeiten können.

Frage: Sollte es dann nicht zu einer echten Fusion kommen?

Antwort: Das Ministerium bietet immer an, Prozesse zu moderieren. Wir sind ja hinterher auch verantwortlich, diese Systeme dann zu refinanzieren. Wenn in einer endoprothetischen Klinik 100 Endoprothesen gut gemacht werden, aber man davon wirtschaftlich nicht überleben kann, trägt sich das nicht auf Dauer. Wir können die geschäftlichen Entscheidungen natürlich nicht beeinflussen. Aber das Gesundheitsministerium ist immer ansprechbar.

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