Osnabrück Anruf in New York: Darauf freut sich der Osnabrücker Musikpreisträger Elias Ackerley
Am Montag, 2. Februar, erhält der 24-jährige Pianist Elias Ackerley den Osnabrücker Musikpreis 2025. Das erste Gespräch mit ihm findet allerdings per Videoanruf statt: Da ist Ackerley noch an seinem derzeitigen Wohnort, in New York.
Das Klavierkonzert von Edvard Grieg liebt Elias Ackerley. Nicht wie ein Klassikenner, der die CD in den Player schiebt und die Musik genießt. Ackerley hat sich das halbstündige Werk am Klavier erarbeitet; das ist allerdings schon zehn Jahre her. „Deshalb war es jetzt so, als würde ich das Konzert neu einstudieren“, sagt Ackerley am Telefon.
Am Mittwoch ist der 24-jährige Pianist in seiner Wohnung in New York. Dort ist es kurz nach 11 Uhr vormittags, ein paar Stunden später wird Ackerley in den Flieger steigen, um am Donnerstag gegen Mittag in Osnabrück anzukommen – ein gehöriger Aufwand. Doch der lohnt sich: Musikalisch, weil er sich am Montag, 2. Februar, im Konzert mit dem Osnabrücker Symphonieorchester als Solist im Klavierkonzert von Grieg vorstellt.
Außerdem nimmt er den Osnabrücker Musikpreises 2025 entgegen, verbunden mit einem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro. Das stiftet nach dem Ausscheiden der Egerland Stiftung erstmals ein Verbund aus Bistum, Evangelisch-Lutherischem Kirchenkreis und Jüdischer Gemeinde.
In New York absolviert Ackerley gerade sein Studium an der Julliard Music School. Gleichzeitig kommt Dynamik in seine Pianistenkarriere, und das hat mit dem ARD Musikwettbewerb zu tun. Im vergangenen Herbst hat er in der Kategorie Klavier teilgenommen, und „das hat mein Leben verändert.“
Beim ARD Musikwettbewerb hat die Jury des Osnabrücker Musikpreises immer den Preisträger ermittelt. Gleichzeitig ist der Wettbewerb ein Katalysator für internationale Musikerkarrieren. Das Osnabrücker Publikum durfte deshalb beim Musikpreis-Konzert etliche junge Künstler erleben, die danach die Podien der Welt eroberten; ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist der Pianist Lukas Sternath.
Ackerley steht am Anfang der großen Karriere. Aber: „Der ARD-Wettbewerb hat mir Türen geöffnet“, sagt er. „Ich bekomme mehr E-Mails, und der Kalender wird zunehmend voller.“ Konzerte in den USA, in Asien, in Europa: Der junge Pianist ist auf der Karriereleiter zwei, drei Sprossen nach oben geklettert.
Geboren ist Ackerley 2001 in Shrewsbury, einer kleinen Stadt mit 76.000 Einwohnern westlich von Birmingham an der Grenze zu Wales. Bald nach der Geburt zog die Familie nach Südkorea; dort begann er Klavier zu spielen. 2019 ging er zum Studium nach Philadelphia, seit 2024 lebt er in New York. Ob er gern dort lebt? Ackerley antwortet ausweichend: „Die Stadt ist sehr betriebsam und lebendig.“
Das klingt nicht nach einem Menschen, der allzu tief eintaucht ins Leben dieser pulsierenden Stadt. Die letzten Wochen wird er sich ohnehin viel mit Griegs Klavierkonzert beschäftigt haben. Denn das ist, bei aller Schönheit, sehr fordernd. Es vereint rein pianistisch „viele Aspekte“, sagt Ackerley, und „es ist sehr bildhaft.“
Das dürfte ein Grund gewesen sein, warum Generalmusikdirektor Christopher Lichtenstein es aufs Programm des Preisträgerkonzerts gesetzt hat. Stand bei seinen Vorgängern zu Saisonbeginn bei der Position des Solokonzerts lediglich „Preisträger:instück“, hat Lichtenstein dort von Anfang an Griegs Klavierkonzert genannt, als Station auf einer musikalischen Reise durch Skandinavien.
Gesucht wurde also in jedem Fall ein Pianist oder eine Pianistin. Deshalb sind Lichtenstein und seine Mitjuroren Anita Schnitker, Vorsitzende des Osnabücker Musikvereins, und Burkhard Schmilgun, Programmchef beim Label cpo, aber diesmal nicht zum ARD-Wettbewerb nach München gefahren, sondern begnügten sich mit den Livestreams der Preisträgerkonzerte. Außerdem sahen und hörten sie sich die Streams vom Concours Reine Elisabeth an, einem ebenfalls sehr renommierten Wettbewerb in Brüssel – und votierten einstimmig für Elias Ackerley.
Was für ihn sprach, erklärt Lichtenstein: „Wir suchten jemanden, der Geschichten erzählt.“ Und den hat man in Elias Ackerley gefunden.