Washington Todesdrohung und Belästigung: Wie Epstein-Opfer unter den neuen Datensätzen leiden
Das US-Justizministerium hat mehr als drei Millionen neue Daten über Jeffrey Epstein und dessen Taten veröffentlicht. Doch neben den Namen bekannter Persönlichkeiten tauchen, bereits zum wiederholten Mal, auch die Namen vieler Opfer auf – mit tragischen Folgen.
In den juristischen Nachwehen des Skandals um Jeffrey Epstein ist es zu einer schwerwiegenden Panne bei der Veröffentlichung von Ermittlungsakten gekommen. Wie das US-Justizministerium (DOJ) einräumen musste, wurden Dokumente ins Internet gestellt, in denen die Namen und persönlichen Daten zahlreicher Opfer nicht geschwärzt waren. Es ist nicht das erste Mal, dass der US-Justizministerin Pam Bondi dieser Fehler unterlaufen ist. Die Folgen für die Opfer sind weitreichend.
Bereits bei der vergangenen Veröffentlichung großer Pakete der Epstein-Akten hatte das US-Justizministerium viele Namen von Opfern und mutmaßlichen Opfern von Jeffrey Epstein veröffentlicht – die Namen der Täter blieben geschwärzt. Wie der US-Sender „ABC News“ berichtete, stehen Anwälte der Geschädigten diesbezüglich bereits seit den ersten Veröffentlichungen im Kontakt mit dem Ministerium.
Dieses habe sich für die Panne entschuldigt und Besserung gelobt. Doch daraus scheint nichts geworden zu sein: Am 30. Januar 2026 veröffentlichte das Haus der umstrittenen Justizministerin Pam Bondi erneut Datensätze mit den ungeschwärzten Namen von mehreren Dutzend Betroffenen.
Die Folgen der ungeschützten Veröffentlichung sind für viele der Überlebenden unmittelbar spürbar. Laut Berichten von „ABC News“ und der „Welt“ geben die Anwälte der Opfer an, dass ihre Mandantinnen seit dem Bekanntwerden ihrer Identitäten massiven Einschüchterungen ausgesetzt sind. Es ist demnach zu Todesdrohungen, Belästigungen in sozialen Netzwerken und der unerwünschten Kontaktaufnahme durch Fremde gekommen.
Viele der Frauen, die jahrelang anonym bleiben wollten, sehen ihre Sicherheit und Privatsphäre durch das Handeln der Behörden fundamental verletzt. Laut einem Schreiben der Anwälte, das dem Sender „ABC News“ vorliegt, stelle diese erneute Datenpanne „den möglicherweise schwerwiegendsten Verstoß gegen die Privatsphäre von Opfern an einem einzigen Tag in der Geschichte der Vereinigten Staaten“ dar.
Die Anwälte repräsentieren etwa 200 mutmaßliche Opfer von Jeffrey Epstein und seinen Komplizen. Laut eigener Aussage rügten sie innerhalb von nur 48 Stunden „tausende von Schwärzungsfehlern zulasten von fast 100 einzelnen Überlebenden, deren Leben durch die jüngste Veröffentlichung des Justizministeriums auf den Kopf gestellt wurde“.
In dem Schreiben werden laut „ABC News“ Beispiele von Dokumenten genannt, in denen die vollen Namen von Opfern auftauchen. Frauen, die zu dieser Zeit noch minderjährig waren, werden genannt. Andere Beispiele zeigen, dass neben Namen auch Bankdaten und Adressen veröffentlicht wurden – eine Mail mit den Namen von 32 minderjährigen Opfern sei fast gar nicht geschwärzt worden.
Auch einige Zitate von Opfern, die weiterhin nicht erkannt werden wollen, seien Teil des Schreibens. „Ich habe mich nie gemeldet! Jetzt werde ich von den Medien und anderen belästigt“, schrieb ein Opfer. Und weiter: „Das ist verheerend für mein Leben. … Bitte entfernen Sie meinen Namen sofort, denn jede Minute, die diese Dokumente mit meinem Namen online sind, schadet mir mehr. … Bitte, ich flehe Sie an, meinen Namen zu löschen!!!“
In einem Antwortschreiben vom Montag, 2. Februar, gab das Justizministerium „technische oder menschliche Fehler“ zu. US-Staatsanwalt Jay Clayton teilte dem Gericht zudem mit, dass das Ministerium bereits tausende Dokumente vorübergehend offline genommen habe, um die Schwärzungen zu korrigieren.
Diese aktuellen Entwicklungen basieren auf dem „Epstein Files Transparency Act“, einem Gesetz, das Ende 2025 unter der Trump-Administration verabschiedet wurde und die Offenlegung fast aller Ermittlungsakten vorschreibt. Die Anwälte betonen jedoch, dass der Opferschutz laut Gesetz oberste Priorität hätte haben müssen. Mit der neuesten Veröffentlichung hatte das Justizministerium zudem die Frist für deren Veröffentlichung bereits um fast einen Monat überschritten – rechtswidrig.