Osnabrück  Vor 75 Jahren gewann der VfL Osnabrück das größte stadtinterne Derby aller Zeiten

Harald Pistorius
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Von Harald Pistorius
| 04.02.2026 14:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In der erstklassigen Oberliga Nord fanden acht Derbys zwischen dem VfL und dem SV Eintracht statt; hier eine Szene aus dem ersten Oberliga-Ortsduell 1950 an der Brinkstraße. Dazu kommen zwei Vergleiche 1945/46 und 1946/47 - alle zwölf Spiele gewann der VfL. Foto: NOZ-Archiv/Walter Nordmann
In der erstklassigen Oberliga Nord fanden acht Derbys zwischen dem VfL und dem SV Eintracht statt; hier eine Szene aus dem ersten Oberliga-Ortsduell 1950 an der Brinkstraße. Dazu kommen zwei Vergleiche 1945/46 und 1946/47 - alle zwölf Spiele gewann der VfL. Foto: NOZ-Archiv/Walter Nordmann
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Zwei Osnabrücker Vereine in der höchsten Spielklasse: Der VfL und der SV Eintracht waren in vier Saisons der Oberliga Nord Ortsrivalen. Die meisten Tore und die größte Kulisse der achtteiligen Derby-Geschichte gab es vor 75 Jahren, am 4. Februar 1951. Dazu ein mehrfacher Torwartwechsel, seltsame Hosen und ein Elfmeter, der mit Absicht verschossen wurde.

Es war bitterkalt, als sich am 4. Februar 1951 20.000 Menschen an der Bremer Brücke drängten. Zum zweiten Mal trafen sich der VfL Osnabrück und der SV Eintracht 08 Osnabrück zum Derby in der Oberliga Nord – und nicht nur die schon damals fußballbegeisterte Region schaute hin, sondern der ganze Norden: Der VfL Osnabrück war mit Werder Bremen erster Verfolger des Favoriten Hamburger SV – und der hatte drei Wochen zuvor beim SV Eintracht mit 0:1 verloren – eine Sensation, die sich in ganz Deutschland herumsprach.

Die Rivalität war groß zwischen den Lila-Weißen von der Brücke und den „Gelben“ von der Brinkstraße, die diesen Farbtupfer aus der Geschichte ihres Vorläufervereins TSV 97 übernommen hatten. Im Gegensatz zum VfL, der so schnell wie möglich den Namen 1. FSV Osnabrück ablegte und den Traditionsnamen wieder annahm, blieben die TSVer nach dem Krieg bei dem Namen, den ihnen die britischen Besatzungsbehörden zugewiesen hatten: SV Eintracht 08.

Schon vor Gründung der Oberliga 1947 hatten sich die Rivalen aus der Neustadt und aus dem Schinkel im Kampf um Punkte getroffen. Das erste Duell hat historischen Wert: Am 28. Oktober 1945 – ein knappes halbes Jahr nach dem Kriegsende – eröffneten der VfL (als FSV) und der SV Eintracht (früher TSV 97) auf dem OKD-Sportplatz an der Schlachthofstraße das Spieljahr 1945/46 um die Stadtmeisterschaft Osnabrück. Die Eintrachtler siegten 4:3, verloren aber das Rückspiel mit 0:6.

Bald zeichnete sich ab, dass die Ortsrivalen auf dem Weg zu einer ersten Blüte waren. Der Aufstieg der Eintrachtler in die erstklassige Oberliga Nord im Sommer 1950 steigerte das Interesse. Im ersten Oberliga-Derby – am 29. Oktober 1950 vor 15.000 Zuschauern an der Brinkstraße – verlor der Neuling mit 2:5.

Im Rückspiel am 4. Februar 1951 trafen die Neustädter an der Bremer Brücke vor 20.000 Zuschauern auf einen VfL in Hochform. Im Sturmwirbel der spielfreudigen Mannschaft von Trainer Fred Harthaus ging die Eintracht unter, der VfL siegte mit 8:2. Torwart „Rudel“ Bock ging angeschlagen ins Spiel und wurde zweimal zur Behandlung herausgenommen; Hölscher und Konrad vertraten den Schlussmann, der die Nummer zwei hinter dem verletzten Horst Borcherding war.

„Hauptfigur des Fußball-Lehrfilms: Addi Vetter“, überschrieb das „Sportmagazin“ seinen Bericht. Zwei Tore erzielte der gelernte Weber Ewald Nienhaus, neben Hannes Haferkamp und Heina Fiening einer von drei Ex-Eintrachtlern beim VfL, für den außerdem Addi Vetter (2), Hansi Alpert (2), „Spitze“ Gleixner und Hannes Haferkamp trafen. Die beiden Tore für die Eintrachtler erzielte Willi Gebhardt; ein vielseitiger Offensivspieler der Extraklasse, der sich im Gegensatz zu manch anderem nie zum Wechsel zur Brücke überreden ließ.

Um Gebhardt rankt sich auch eine Anekdote: Weil sich der temperamentvolle Angreifer ebenso wie Zuschauer, Mitspieler, Gegner und Journalisten über die vielen falschen Pfiffe des Hamburger Schiedsrichters Feldmann geärgert hatte, verschoss er in der letzten Minute einen Handelfmeter – mit Absicht.

Leider gibt es keine Originalfotos von einer Kuriosität, die der Osnabrücker Reporter Heinz Niemeier als „einzig und allein dastehende Novität auf deutschen Sportplätzen“ beschrieb. Die Eintrachtler liefen zu blauen Trikots in Hosen aus kariertem Hemdenflanell auf; klar zu erkennen auf den Bildern in den Zeitungen von damals. „Schottenröckchen“ nannte der Schreiber den Dress und fragte sich und seine Leser: „Wer kam eigentlich auf diese Idee? War der Karneval schuld?“ Er bekam keine Antwort.

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