Osnabrück Musikpreis-Gewinner Elias Ackerley beschert Osnabrück eine musikalische Sternstunde
In der Geschichte des Osnabrücker Musikpreises gibt es eine Reihe herausragender Musiker. Der Preisträger des Jahres 2026, der Pianist Elias Ackerley, gehört da auf jeden Fall in die Spitzengruppe.
Nach der Preisverleihung setzt sich Elias Ackerlay nochmal an den Flügel. Denn der junge Engländer bedankt sich nicht mit Worten für den Osnabrücker Musikpreis, sondern mit Musik: Er spielt die faszinierend virtuose, einnehmend charmante „Soirée de Vienne“ des Pianisten und Komponisten Alfred Grünfeld. Der war seinerseits Freund von Johann Strauss Sohn und hat in dieser Soirée Motive aus der Operette „Die Fledermaus“ verarbeitet.
Eine ganze Menge lässt sich aus dieser Zugabe über den Gewinner des Osnabrücker Musikpreises 2025 heraushören und herauslesen. Zum einen: Der 2001 in Shrewsbury in der Nähe von Birmingham geborene Ackerley ist ein brillanter Pianist und ein fantastischer Musiker. Zum anderen: Er spricht lieber durch seine Musik als mit Worten zum Publikum. Zum Dritten: Ackerley spielt so souverän und so musikalisch, dass er keine Show braucht. Er tritt diskret und zurückhaltend auf, als Mensch und als Pianist. Und genau das macht ihn so faszinierend.
Mit dem Klavierkonzert von Edvard Grieg hat er sich vorgestellt, gemeinsam mit dem Osnabrücker Symphonieorchester unter seinem Chef Christopher Lichtenstein. Und so vorsichtig man mit Superlativen sein muss, wenn es um Musik jenseits der großen Metropolen, der großen Orchester und der großen Maestri geht: Solist, Dirigent und Orchester bescherten dem Publikum im Europasaal der Osnabrückhalle eine Sternstunde.
Das hat natürlich mit dem Solisten zu tun. Ackerley kann kräftig hinlangen; gleich die ersten Momente verlangen zwei starke Hände. Aber er verzichtet auf jede Kraftmeierei, auf die triumphale ich-zeige-euch-was-ich-kann-Geste. Stattdessen herrschen Eleganz und Noblesse, ja, und bei aller Dynamik auch eine gewisse Nachdenklichkeit in Ackerleys Spiel vor.
Gleichzeitig fügt sich der Musikpreisträger perfekt in den Orchesterklang ein. Er spielt so, dass er knapp über dem Tutti schwebt, ohne es zu dominieren. In seiner Solopassage am Ende des ersten Satzes dehnt er die Zeit, als müsste er jeden Gedanken von verschiedenen Seiten beleuchten, und schafft das Magische, nämlich trotzdem die Musik im Fluss zu halten.
Wo es dann pianistisch ans Eingemachte geht, im Tanz des Finales zum Beispiel, entwickelt Ackerley mit großer Lässigkeit mitreißenden Drive. Er veranstaltet keine Show, sondern spielt einfach: locker, selbstverständlich und hochmusikalisch.
Im Osnabrücker Symphonieorchester unter Christopher Lichtenstein hat er dafür die perfekten Partner. Ohnehin hat sich das Orchester in den letzten Monaten klanglich rasant gewandelt, klingt durchhörbarer, inspirierter, ja: lustvoller. Gleichzeitig fungiert Lichtenstein als Schnittstelle für das Miteinander von Orchester und Solist. Und das gelingt an diesem Abend ganz hervorragend.
Den Preis überreichen anschließend Bürgermeisterin Eva-Maria Westermann als Vertreterin von Oberbürgermeisterin Katharina Pötter sowie die Vertreter der Preisstifter. Im letzten Jahr hat ja die Egerland Stiftung die Förderung des Osnabrücker Musikpreises nach mehr als vierzehn Jahren beendet. Für die Nachfolge ist tatsächlich ein kleiner Coup gelungen: Diesmal haben das Bistum, der evangelisch-lutherische Kirchenkreis und die Jüdische Gemeinde Osnabrück den Preis gestiftet.
An diesem Engagement wollen die Vertreter der Religionsgemeinschaften festhalten. Denn, so sagt Joachim Jeska, der evangelische Superintendent als Vertreter der Stiftergemeinschaft, „Kultur hilft, Gräben zu überwinden“, und das braucht unsere Zeit mehr denn je. Vor allem aber bringt der Musikpreis fantastische junge Künstler nach Osnabrück, und das ist ein Gewinn für die Musikliebhaber in dieser Stadt. Die übrigens an diesem Abend außergewöhnlich zahlreich erschienen sind.
Vielleicht trägt hier die Arbeit und die Art des neuen Generalmusikdirektors Lichtenstein erste Früchte: Der Dirigent begeistert sein Orchester, und das überträgt sich aufs Publikum. Ja, und dann verleiht er jedem Konzert eine besondere Note. In diesem Fall ist es der Cantus Arcticus aus dem Jahr 1972 des finnischen Komponisten Einojuhani Rautavaara. Der Komponist hat dafür Vogelstimmen aufgenommen, die über Tonband zugespielt werden.
Lichtenstein lässt dafür das Licht im Saal herunterdimmen und die Bühne in ein blaues Licht tauchen – allein das erzeugt schon eine meditative Stimmung. Das Tirilieren und Jubilieren, das Gekrächze und Geschrei aus der finnischen Vogelwelt zaubern ein Lächeln auf die Gesichter der Zuhörer, und dazu rollt das Orchester Rautavaaras akustische Yogamatte aus – so kann man in einen Abend einsteigen, der nordische Klanglandschaften beschwört.
Von da aus geht es mit Grieg nach Norwegen und schließlich nach Dänemark: Dort hat Hakon Børresen von 1876 bis 1954 gelebt und komponiert – und dabei alle Strömungen seiner Zeit gepflegt an sich vorüberziehen lassen. Deshalb klingt seine dritte Sinfonie nicht nach den musikalischen Umbrüchen seiner Zeit, sondern als wäre sie nicht 1923, sondern fünfzig Jahre vorher entstanden.
Egal: Das Werk steckt voller Einfälle, ist toll instrumentiert und macht einfach gute Laune. Dem Orchester und seinem Dirigenten bereitet das offenbar genauso viel Vergnügen wie dem Publikum. Und das weckt doch Vorfreude aufs nächste Konzert mit dem Osnabrücker Symphonieorchester.