Osnabrück  Eltern entsetzt: Kita Lüttenhütt in Osnabrück-Hellern schließt schon im Sommer für immer

Sandra Dorn
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Von Sandra Dorn
| 05.02.2026 11:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Kita Lüttenhütte in Osnabrück-Hellern soll zwei Jahre früher als geplant für immer schließen. Der Kita-Träger Internationaler Bund West gGmbH befindet sich in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Foto: Jörn Martens
Die Kita Lüttenhütte in Osnabrück-Hellern soll zwei Jahre früher als geplant für immer schließen. Der Kita-Träger Internationaler Bund West gGmbH befindet sich in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Foto: Jörn Martens
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Die Kita Lüttenhütt wurde 2019 in aller Eile in Hellern eröffnet, als in Osnabrück ein massiver Mangel an Kitaplätzen herrschte. Jetzt soll sie schon zwei Jahre früher als geplant schließen. Die betroffenen Eltern sind entsetzt. Was ist da los?

Dass die Kita Lüttenhütt in Hellern schließen soll, ist seit zwei Jahren bekannt. Doch nun haben die Eltern erfahren, dass diese Schließung zwei Jahre früher Realität wird als geplant – nämlich schon zum 31. Juli 2026. Eigentlich sollte erst im Sommer 2028 Schluss sein mit der Kita, die der Internationale Bund (IB) in Containern an der Großen Schulstraße betreibt.

Hintergrund ist das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, in dem sich der IB West befindet, schreibt der IB in einer Pressemitteilung. Sie wurde einen Tag vor einem kurzfristig angesetzten Elternabend verschickt. Am selben Tag erfuhren die Eltern, dass ihren Kindern in diesem Sommer ein Kita-Wechsel bevorsteht.

„Wir sind entsetzt“, schreibt uns Theresa Lampe im Namen der Elternvertreter der Kita Lüttenhütt – einerseits wegen der Kurzfristigkeit, andererseits auch mit Blick auf die betroffenen Erzieherinnen und Erzieher, die sich „mit Herzblut“ für ihre Kinder einsetzen würden. Im Jugendhilfeausschuss teilte Vorstand Wolfgang Beckermann mit, dass die Kita-Mitarbeiter am Vortag informiert worden seien.

„Allen 33 Kindern, die aktuell die Kita Lüttenhütt besuchen oder dort angemeldet sind, bietet die Stadt Osnabrück Alternativen in Wohnortnähe an“, schreibt der IB in seiner Pressemitteilung. Theresa Lampe schildert: „Da mein Kind ein Vorschulkind ist, sind wir zum Glück nicht direkt von der Schließung betroffen. Viele befreundete Familien sind jedoch betroffen, die sich auf das Bestehen der Kita bis 2028 verlassen haben.“

Da das Bewerbungsverfahren für Kitaplätze in Osnabrück gerade abgeschlossen war, seien ihnen alternative Plätze zugewiesen worden, weiß Lampe. Beckermann betonte im Jugendhilfeausschuss, dass bei der Umverteilung der 33 Kinder auch auf Geschwisterkinder und Freundschaften der Kinder geachtet werde.

Doch die Eltern beschäftigt auch der Umgang mit den Mitarbeitenden. Sie hätten ein sehr gutes Verhältnis zu den Fachkräften, die nun ihren Job verlieren, schreibt Lampe. „Das ist schwer auszuhalten, da sie uns und unsere Kinder schon so lange und herzlich begleiten.“

Schon 2024 waren die Eltern überrascht worden – und zwar von der Nachricht, dass die Kita schrittweise bis Sommer 2028 schließen soll. Erst 2019 war sie in aller Eile eröffnet worden. Damals herrschte in Hellern ein extremer Mangel an Krippen- und Kindergartenplätzen. Die Grundschule Hellern war gerade fertig saniert, die Container, die die Schule während der Bauzeit genutzt hatte, standen noch parat. Und der IB bot an, dort eine Kita aufzubauen.

Doch gerade mal fünf Jahre später war das Bild plötzlich ein ganz anderes. Die Stadt beschloss auf Basis einer neuen stadtteilbezogenen Bevölkerungsprognose, die Kita Lüttenhütt auslaufen zu lassen. Jedes Jahr sollte eine Gruppe schließen. Auch bauliche Gründe spielten eine Rolle, hieß es damals aus dem Stadthaus.

Trotz all der Unruhe in den vergangenen Jahren hätten sich die Fachkräfte „toll reingehängt“, betont Lampe. „Es ist so schade, dass man so ein gut laufendes System aufgibt.“ Zusätzliche Unruhe kam im Sommer 2025 auf, da die Martins-Kita wegen eines Wasserschadens vorübergehend die Container mitnutzen musste. Nach noz-Informationen kann die Martins-Kita Ende Februar zurück in ihr altes Gebäude ziehen.

Der IB West ist auch Träger mehrerer Horte in Osnabrück. Diese seien von der Regelung nicht betroffen, heißt es in der Pressemitteilung.

Wegen drohender Insolvenz hatte die „IB West gGmbH für Bildung und soziale Dienste“ bereits im November beim Amtsgericht Köln ein Schutzschirmverfahren beantragt, zurzeit läuft ein Verfahren in Eigenverwaltung.

Die gemeinnützige Gesellschaft beschäftigt nach eigenen Angaben rund 1.650 Mitarbeitende in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen und bietet soziale Dienstleistungen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe, der Familien- und Migrationsarbeit sowie Projekte der beruflichen Aus- und Weiterbildung für Jugendliche und Erwachsene an.

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