Verkehr Wie geht es beim Parken in der Emder Innenstadt weiter?
Fast alle öffentlichen Parkplätze in der Innenstadt Emdens sind jetzt kostenpflichtig. Wann ist Faldern dran? Und wann das Behördenviertel? Wie geht es mit dem Parkhaus Pottgießerstraße weiter?
Emden - „Dann parke ich in der Osterstraße“, sagt ein Bekannter, der zu Besuch in Emden ist und nichts fürs Parken bezahlen möchte. Seit April 2025 werden in der Innenstadt Stück für Stück alle öffentlichen Parkplätze kostenpflichtig – nur in Groß und Klein Faldern sowie an der Ringstraße können Sparfüchse noch Glück haben. Ob das zu vermehrtem Parkdruck und Suchverkehr in den Bereichen führt, ist unklar. Denn: Hier war laut Gutachter-Bericht schon vor Einführung der anderen Parkzonen der Parkdruck mit am größten. Wie geht es hier weiter?
Wir haben mit Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) darüber gesprochen. Als Nächstes sei das Behördenviertel dran, sagt er. Hier gibt es 339 unbewirtschaftete, also noch kostenlose Parkplätze mit einer regelmäßigen Vollauslastung insbesondere durch Mitarbeitende der umliegenden Behörden. Teilweise nutzen diese auch in den angrenzenden Wohnstraßen den Parkraum, der eigentlich Anwohnern vorbehalten sein soll. Besonders chaotisch: das Parken auf dem Mittelstreifen der Ringstraße. Ein „Anarchie-Parken“ nennt Kruithoff es.
Ab wann ist das Parken im Behördenviertel kostenpflichtig?
Ab dem Frühjahr 2026 soll im Behördenviertel das kostenpflichtige Parken eingeführt werden, sagt er. Auf einen genauen Startzeitraum will er sich noch nicht festlegen. Im September 2025 war im Stadtentwicklungsausschuss des Emder Rats noch vom 1. März 2026 die Rede. Ob das klappt, ist aber offenbar noch offen. Das sei auch abhängig unter anderem davon, wie schnell die Parkscheinautomaten und Hinweisschilder aufgestellt werden können, so Kruithoff.
Auch dem „Anarchie-Parken“ soll dann Stück für Stück ein Riegel vorgesetzt werden. Wie genau, sagt er noch nicht. Klar ist: Der Umbau des Mittelstreifens, der langfristig nicht mehr beparkt und für Fußgänger mit mehr Aufenthaltsqualität umgestaltet werden soll, ist erst einmal in die Ferne geschoben. Denn: Erst einmal müsse der Umbau der Neutorstraße und rund um den Delft erfolgt sein, so Kruithoff. Zeitgleich könne nicht auch die Ringstraße eine Baustelle werden. Der Umbau von Neutorstraße, Stadtgarten, Hafentorplatz und rund um den Delft soll 2030/31 beendet sein.
In diesem Kontext erklärt er, dass beispielsweise die Neutorstraße natürlich schon vorher fertig sein werde – der große Umbau soll hier im April 2026 starten –, aber die Baustelle dann wandere und daher die Neutorstraße bis zum Ende aller Arbeiten wohl nicht von Autos befahren werden kann. „Wir wollen niemanden in eine Sackgasse leiten“, sagt er. Dabei begegnet er auch Gerüchten, die in Emden kursieren, wonach die Neutorstraße gar nicht mehr für den Autoverkehr geöffnet werden könnte. „Die Neutorstraße bleibt einspurig befahrbar“, sagt er.
Wo parken die Behörden-Mitarbeiter dann?
Auch war zunächst geplant, dass für die Mittelstreifen-Parker in der Nähe an der Fürbringerstraße eine Alternativfläche geschaffen wird. Bis zu 90 Parkplätze sollten hier entstehen. Allerdings hat sich das aufgrund großer baurechtlicher Probleme als nicht umsetzbar erwiesen, wie es im September 2025 hieß. Wo sollen die Behördenmitarbeiter dann parken? Oder kommen plötzlich alle mit dem Fahrrad?, hatte Ratsvorsitzender Gregor Strelow (SPD) am 16. Januar 2026 in einer Mitteilung gefragt. Strelow hatte reagiert, weil Tim Kruithoff in seiner Neujahrsansprache überraschend mitgeteilt hatte, dass das geplante Parkhaus für genau diese Behördenmitarbeiter an der Medmannstraße nicht mehr gebaut werden soll.
Kruithoff räumt im Gespräch mit dieser Redaktion ein, dass er gedacht habe, die Entscheidung gegen ein Parkhaus im Behördenviertel bereits im vergangenen Jahr gegenüber der Emder Politik angesprochen zu haben. Das war aber nicht der Fall. Mit Gregor Strelow habe er die Sache im Nachgang der Neujahrsrede aber schnell klären können, so Kruithoff. Die Stadtverwaltung habe die Pläne zum Parkhaus aufgegeben, weil sich unter anderem herausgestellt habe, dass das Parkhaus am Wasserturm gar nicht so stark mit Firmen-Parkplätzen ausgelastet ist wie zunächst kommuniziert.
Es sei offenbar sehr schwer gewesen, mit dem Parkhaus-Betreiber ins Gespräch zu kommen, so Kruithoff. Das Parkhaus und der Gebäudekomplex am Wasserturm mit Kino und Fitnessstudio gehören der Berliner Gesellschaft FFire. Nun sei aber klar: Das Parkhaus sei nur zu 25 Prozent ausgelastet, was Monatskarten für Mitarbeiter von Emder Firmen betrifft. Ob die Stadt nun für ihre Mitarbeiter dort ein Kontingent bucht, ist aber noch offen. Im Stadtentwicklungsausschuss im März 2025 soll unter anderem das Thema Parken wieder angesprochen werden.
Wie geht es mit dem Parken in Faldern weiter?
Das Bestreben der Stadtverwaltung war es von Anfang an, dass das öffentliche Parken in allen Stadtteilen im Wallring kostenpflichtig wird. Damit soll der Suchverkehr vermieden werden, den es gab, als noch ein Großteil der Parkplätze kostenlos war. Gleichzeitig hofft die Stadt auf Mehreinnahmen. 2025 waren 370.680 Euro eingenommen worden durch Parkgebühren, Tickets für Falschparker und Anwohner-Parkausweise. Für 2026 wird mit einer Summe von 465.460 Euro gerechnet.
Es ergebe keinen Sinn, nicht auch in Faldern das kostenpflichtige Parken einzuführen, sagt Tim Kruithoff. Gleichzeitig nennt er noch kein konkretes Datum für die Einführung. Ursprünglich hätte hier schon im vergangenen Jahr das Parken etwas kosten sollen. Im September 2025 hieß es dann, dass beide Bereiche erst einmal ausgenommen worden seien, weil zunächst eine neue Verkehrsuntersuchung erfolgen solle. Es solle geprüft werden, wie viele Fremdparker aus anderen Quartieren dazugekommen sind und wer dort alles parkt. Das Ergebnis wurde noch nicht vorgestellt.
Was ist mit dem Parkhaus Pottgießerstraße?
Dafür seien die ersten Vergabeverfahren auf dem Weg, sagt Kruithoff. Im zweiten Quartal 2026, also möglicherweise ab April, soll mit den Tiefbauarbeiten, also mit der Schaffung des Baufelds, begonnen werden, hieß es im September 2025. Erste Vorarbeiten sind schon jetzt sichtbar geworden: Die rückwärtigen Fenster am OLB-Gebäude sind zugemauert. Im dritten Quartal 2026 sollen die Aufträge für die Hochbauarbeiten erteilt werden. Ein Betreiber soll ab dem zweiten Halbjahr 2026 parallel gesucht werden. Fürs dritte Quartal 2027 ist die Fertigstellung geplant.