Hamburg  „Betrüger-Gen“: Warum Stefan Raabs Show Antisemitismus vorgeworfen wird

Matti Gerstenlauer
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Von Matti Gerstenlauer
| 05.02.2026 15:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die „Stefan Raab Show“ sorgt mit einem Einspieler über den jüdischen Musiker Gil Ofarim für Kritik. Was ist Satire, und was Antisemitismus? Foto: dpa/Jens Büttner
Die „Stefan Raab Show“ sorgt mit einem Einspieler über den jüdischen Musiker Gil Ofarim für Kritik. Was ist Satire, und was Antisemitismus? Foto: dpa/Jens Büttner
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Dschungelcamp-Teilnehmer Gil Ofarim wurde in der „Stefan Raab Show“ thematisiert. In der Sendung am Holocaust-Gedenktag kamen auch Klischees zum Ausdruck, die unter anderem für die „Jüdische Allgemeine“ klar antisemitisch sind.

Ein Einspieler in der „Stefan Raab Show – Die halbe Stunde nach der Stunde danach“ sorgt für einen kleinen Eklat. Die Sendung, die sich derzeit thematisch stark an der aktuellen Staffel des Dschungelcamps orientiert, befasste sich am Holocaust-Gedenktag ausgerechnet mit dem jüdischen Musiker Gil Ofarim. Einige Aussagen über ihn seien antisemitisch gewesen, wie die „Jüdische Allgemeine“ dem Sender RTL nun vorwirft. So reagiert die Mediengruppe.

2021 machte Musiker Gil Ofarim Schlagzeilen durch Antisemitismusvorwürfe gegen ein Hotel, in dem er mutmaßlich diskriminiert worden sei. Später stellte er die Vorwürfe selbst als unwahr dar. In Raabs Show erklärte die Stimme aus dem Off, auch bekannt durch die Sendung „TV total“, zunächst, dass Ofarim das musikalische Talent von seinem Vater Abi Ofarim habe, „der in Wirklichkeit kein Abi hatte“. Anschließend zeigte der Einspieler einen Marktbeschicker, der Äpfel in eine Tüte wirft und einige von ihnen unterschlägt.

Dazu kommentierte die Stimme: „Das bringt uns zum Betrüger-Gen von Gil, das er seinem Onkel Samuel zu verdanken hat.“ In Ofarims Familie existiert jedoch laut Informationen verschiedener Medien kein „Onkel Samuel“. Weiterhin hieß es in dem Beitrag: „Trotz des großen Skandals ist er natürlich ein Ausnahmetalent, das vor allem in der jüdischen Gemeinde einen Hit nach dem anderen landet.“ Unterlegt wurde diese Szene mit Bildern von tanzenden, ultraorthodoxen Juden.

Ralf Balke von der „Jüdischen Allgemeinen“ schreibt dazu: „Die Aussage, Jüdinnen und Juden wären per se betrügerisch oder betrügerischer als andere Menschen, gehört ebenso zum Grundbestand antisemitischer Zuschreibungen wie das Negativbild vom geldgierigen Juden.“ Auch Ayala Goldmann, ebenfalls von der „Jüdischen Allgemeinen“, kritisierte die Ausstrahlung scharf. Sie schrieb: „Es signalisiert: Antisemitismus am Holocaust-Gedenktag im deutschen Fernsehen ist normal. Und sogar lustig. Das dürfen wir Juden uns nicht gefallen lassen.“ Sie forderte RTL auf, Konsequenzen zu ziehen.

Und dieser reagiert prompt. In einem Statement entschuldigt sich der Sender zwar nicht direkt für den Inhalt, räumt allerdings mangelnde Sensibilität ein: „RTL weist jede Form von Antisemitismus entschieden zurück. Zugleich sehen wir ein, dass der Einspieler zu Missverständnissen führen konnte. Vor diesem Hintergrund nehmen wir den Beitrag offline und werden künftige Inhalte noch sensibler daraufhin prüfen, welche Deutungen sie ermöglichen.“

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