Osnabrück Trauer um Professor Jörn Ipsen: Eine Ikone des Staatsrechts forscht nicht mehr
Professor Jörn Ipsen ist tot. Der Staatsrechtler gehört zu den Gründern des Fachbereichs Rechtswissenschaften der Universität Osnabrück und war ein gefragter Experte in Hörfunk und Fernsehen.
Wenn es einer erklären konnte, dann Professor Ipsen. Der Staats- und Verwaltungsrechtler von der Universität Osnabrück war viele Jahre ein beliebter Gesprächspartner der Medien, wenn es um Verfassungsfragen ging. Prof. Dr. Jörn Ipsen, ehemaliger Präsident des Niedersächsischen Staatsgerichtshofes in Bückeburg, ist am 31. Januar 2026 im Alter von 81 Jahren gestorben.
Jörn Ipsen, geboren 1944 in Weihe, hat die juristische Fakultät der Uni Osnabrück mitaufgebaut und war von 1989 bis 2012 Dekan des Fachbereichs Jura. „Mit seinem unermüdlichen und klugen Einsatz hat er nicht nur das öffentliche Recht sowohl am Fachbereich Rechtswissenschaften als auch in Niedersachsen, sondern auch unsere Universität als Ganze über Jahrzehnte geprägt“, wird Universitätspräsidentin Susanne Menzel-Riedl in einer Mitteilung zitiert.
Jörn Ipsen blieb der Universität Osnabrück auch nach seiner Pensionierung 2012 verbunden. Als sogenannter „Niedersachsen-Professor“ trieb er die staatsrechtlichen Betrachtungen voran und inspirierte angehende Juristen in Osnabrück. Exzellente Forschung kenne halt keine Altersgrenze, sagte man damals über ihn.
Spätestens als 2005 der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder mit einem zweifelhaften Misstrauensvotum Neuwahlen erzwang, wurde Prof. Ipsen zur staatsrechtlichen Instanz in Deutschland. Fernseh- und Hörfunksender, politische Magazine und Tageszeitungen holten dazu seine Einschätzung ein. Ipsen sah in Schröders Winkelzug übrigens keinen Verstoß gegen das Grundgesetz.
Auch in der Lehre setzte Ipsen Maßstäbe. Sein Werk „Staatsorganisationsrecht“, das inzwischen in der 36. Auflage vorliegt, gilt in Juristenkreisen als Lehrbuch-Klassiker.
Ipsen lebte in Bramsche. Er genoss zusammen mit seiner Frau Dorothea und den zwei Kindern die Übersichtlichkeit der Kleinstadt und die Nähe zur Natur: „Nur ein paar Schritte, und ich bin im Wald“, sagte er einmal im Gespräch mit den „Bramscher Nachrichten“.
Anfang der 90er-Jahre entdeckte Ipsen seine Leidenschaft für das südliche Afrika. „Es macht unheimlich Spaß, mit einem Geländewagen auf eigene Faust durch den afrikanischen Busch zu fahren“, sagte Ipsen, der seine Erlebnisse in Reiseberichten niederschrieb. Unterwegs in Botswana oder Namibia sei er ein ganz anderer Mensch, der neue existenzielle Erfahrungen sammle. Einige Strecken legte der passionierte Reiter auch auf einem Pferd zurück.
„Wir verdanken Herrn Professor Ipsen unermesslich viel“, so der Dekan des Fachbereichs Rechtswissenschaften der Uni Osnabrück, Steffen Lampert. Als Wissenschaftler des Verfassungs- und Verwaltungsrechts, Verfassungshistoriker, Gründer des einstigen Instituts für Kommunalrecht, Präsident des Niedersächsischen Staatsgerichtshofs und Lehrer des öffentlichen Rechts habe Ipsen Generationen von Studierenden geprägt.
Pascale Cancik, Ipsens Nachfolgerin im Institut, sagt über ihren Vorgänger: „Wir haben einen norddeutsch aufrechten, im besten Sinne streitbaren Kollegen und klugen Begleiter verloren. Seine Umsicht, seine Fürsorge und sein Humor werden uns fehlen.“