Osnabrück  Mit Boomern zu Billy Idol tanzen: Der Tanztee im Osnabrücker Hyde Park verbindet Generationen

Thomas Wübker
|
Von Thomas Wübker
| 07.02.2026 16:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auf Billy Idol können sich Mutter und Tochter einigen: Sina (links) und Sandra Sandkühler gehen gern gemeinsam sonntags Tanzen im Hyde Park in Osnabrück. Foto: Thomas Wuebker
Auf Billy Idol können sich Mutter und Tochter einigen: Sina (links) und Sandra Sandkühler gehen gern gemeinsam sonntags Tanzen im Hyde Park in Osnabrück. Foto: Thomas Wuebker
Artikel teilen:

Sonntagabend, 19 Uhr. Früher saß man zu dieser Zeit vor dem Fernseher und guckte „Lindenstraße“. Die Generation, die mit dieser Serie groß geworden ist, tanzt nun zu dieser Uhrzeit im Osnabrücker Hyde Park – zu Musik aus der Lindenstraßen-Ära.

An jedem ersten Sonntag im Monat zeigt sich vor dem Hyde Park am Fürstenauer Weg in Osnabrück seit etwa zwei Jahren das gleiche Bild: Eine lange Schlange begehrt Einlass in die Diskothek, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Es sind überwiegend Menschen über 50, die zum Tanztee kommen. Die Boomer freuen sich: Endlich können wir auch mal wieder feiern gehen.

Eine von ihnen ist Sandra Sandkühler. Die 57-Jährige ist regelmäßig Gast beim Tanztee, diesmal hat sie ihre Tochter Sina mit dabei. Die 22-Jährige mag die Musik der 80er-Jahre, sagt sie. „Gut erzogen“, kommentiert die Mutter lachend. Sina steht aber auch auf Rock und Metal – da steigt ihrer Mutter aus. Beim Tanztee werden sie sich aber schnell einig: Zur Musik von Billy Idol oder Katrina and the Waves stürmen sie die Tanzfläche

Eigentlich ist der Tanztee eine Erfindung aus dem England des 19. Jahrhunderts. Gemeint waren damit meist private gesellschaftliche Veranstaltungen, bei denen es – genau, Tanz und Tee gab. Tee wird am Sonntagabend im Hyde Park zwar nicht getrunken, allerdings auch wenig Alkohol.

Der geringe Alkohol-Pegel der Gäste sei erfrischend, sagt Linda Marx, die im Hyde Park hinter der Theke arbeitet. „Die Veranstaltung ist klasse.“ Und deshalb hat die 37-Jährige auch versucht, ihre Eltern mal von einem zu Besuch zu überzeugen. Das hat bislang allerdings nicht geklappt. Aber die Schwiegermutter, die kam schon einmal in den Hyde Park.

Mit der Familie in den Hyde Park – der Tanztee macht‘s möglich. Bei den Jakoblinnerts ist es altersmäßig aber ungewöhnlich: Klara ist erst 13, im Hyde Park sitzt sie mit ihrem Vater Maik bei Mineralwasser und Malzbier auf einem Sofa. „Meine Frau und ich sind mit dem Hyde Park groß geworden“, sagt der 40-Jährige. „Durch den Tanztee wollen wir Klara die Musik der damaligen Zeit schmackhaft machen.“

Auch ein regelmäßiger Besucher des alten Circus Hyde Parks war Jan-Sven Perse aus Lengerich. Was dem 61-jährigen am Tanztee gefällt: „Man trifft viele Leute von früher hier.“ Neue Leute treffen möchte hingegen Axel Sommer. Der 59-Jährige ist Single und „zum Gucken“ gekommen, wie er sagt. Er lege es nicht darauf an, eine Frau kennenzulernen, würde sich aber auch nicht wehren, sagt er. Die Chancen stehen nicht schlecht: Beim Gucken hat er festgestellt, dass das Geschlechterverhältnis 50:50 ist.

Sein Kumpel Detlef Mitschke ist verheiratet und kommt regelmäßig, um Musik in „authentischer Atmosphäre“ zu genießen, wie er sagt. „Der Hyde Park ist der einzige Laden, wo die Atmosphäre so wie früher ist.“ Im Atmosphäre schaffen kennt Mitschke sich aus: Für die hat er als DJ bei der Rizz Revival Party im Dezember im Hyde Park gesorgt.

Mitschkes Kollege Stefan Pihl befeuert am Sonntag die Luft mit zahlreichen Hits aus der 70er- und 80er-Jahren. Er schafft den Übergang von Alphaville bis Led Zeppelin spielend. Beim Tanztee sind vor allem Lieder von Iggy Pop, Foreigner oder Simple Minds gefragt.

Pihl kennt den Hyde Park gut: Von 1996 bis 2016 hat er dort als DJ gearbeitet. „Ich bin mit der Musik der damaligen Zeit und John Peel groß geworden“, sagt der 62-Jährige. Peel war ein legendärer Radio-DJ, der viele unbekannte Bands groß gemacht hat. Independent Musik, das war auch immer ein Markenzeichen des Hyde Parks. Die alten Underground-Hits spiele er aber erst spät am Abend, sagt Pihl. Dann allerdings sind viele Gäste schon wieder zu Hause: Die meisten verlassen den Hyde Park schon gegen 22 Uhr. Sie müssen schließlich am Montag wieder arbeiten.

Ähnliche Artikel