Messe Ambiente in Frankfurt Schmähpreis rückt auf Messe Fälschungen ins Rampenlicht

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Von dpa
| 06.02.2026 14:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Konsumgütermesse Ambiente findet derzeit in Frankfurt statt. (Archivbild) Foto: Roland Holschneider/dpa
Die Konsumgütermesse Ambiente findet derzeit in Frankfurt statt. (Archivbild) Foto: Roland Holschneider/dpa
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Die Konsumgüterbranche befasst sich auf der Messe Ambiente in Frankfurt mit Trends, Designs und Dekorationen. Verliehen wird auch ein Preis für Produktpiraterie.

Zum Start der Messe Ambiente in Frankfurt sieht sich die Konsumgüterbranche unter großem Druck. Das Umfeld sei geprägt von geopolitischen Spannungen, neuen Zollregimen, steigenden Anforderungen und hoher Kostenunsicherheit, hieß es von der Messe Frankfurt Exhibition GmbH zum Auftakt der Fachmesse. Bis Dienstag (10. Februar) präsentieren auf der Ambiente sowie den parallel laufenden Messen Christmasworld und Creativeworld insgesamt 4.636 Aussteller aus mehr als 170 Ländern Trends und Innovationen, das sind fast ebenso viele Aussteller wie im Vorjahr.

Anlässlich der Messe wird neben Designpreisen auch der Schmähpreis „Plagiarius“ verliehen. Zum 50. Mal stellt er hochwertige Originalprodukte besonders dreisten Fälschungen gegenüber, um auf unseriöse Geschäftsmethoden aufmerksam zu machen und Industrie, Politik sowie Verbraucher zu sensibilisieren.

Schmähpreis für dreiste Fälschungen

So steht beim diesjährigen Preis die Produktsicherheit im Fokus - es handelt sich um ein Flaschenset für Neugeborene. Der niederländische Hersteller Koninklijke Philips biete das Originalprodukt namens „AVENT“ aus BPA-freiem Kunststoff an, erklärten die Initiatoren. Die irreführenden Fälschungen stammten aus China und seien online, über Social Media sowie in Lateinamerika, Nigeria und Südostasien vertrieben worden. Auch sie sollen BPA-frei sein - doch ließen der niedrige Preis sowie Fotos aus den „Fabriken“ der Fälscher an Eignung und Qualität des Kunststoffs zweifeln, hieß es. 

Auch ein Waschtischmischer von Hansgrohe aus Schiltach in Baden-Württemberg wurde in China kopiert. Nach langer Recherche des deutschen Originalherstellers sei in Zusammenarbeit mit einer lokalen Polizeibehörde ein großes chinesisches Fälscher-Netzwerk zerschlagen worden. Kopiert wurden den Angaben zufolge neben geschützten Designs der deutschen Firma vor allem die auch in China eingetragenen Marken „hansgrohe“ sowie „Axor“. Die Fälschungen aus minderwertigen Materialien seien auf Online-Plattformen mit Originalfotos beworben und zu „Spottpreisen“ angeboten worden.

Plagiate bei Besteck-Sets

Weitere Schmähpreise wurden für Billig-Plagiate einer Stapelliege sowie eines Besteck-Sets vergeben. Ein Sonderpreis ging an einen komplett gefälschten Online-Shop, dessen nicht zu ermittelnde Betreiber mit günstigen Angeboten lockten, Geld kassierten, jedoch keine Waren lieferten.

Die Ambiente gilt als Weltleitmesse der Konsumgüterbranche. Zusammen mit Christmasworld und Creativeworld stehen Lifestyles, Dekoration und Do-it-yourself-Produkte im Mittelpunkt. Die Branche stehe für ein Marktvolumen von rund 190 Milliarden Euro allein in der EU, hieß es. Trotz des Drucks blickten viele der Unternehmen vorsichtig optimistisch auf die eigene Entwicklung, erklärte Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung in Köln. „Entscheidend wird sein, wie konsequent Geschäftsmodelle weiterentwickelt und Wertschöpfungsketten gestärkt werden – unterstützt durch stabile politische Rahmenbedingungen und mehr unternehmerischen Handlungsspielraum.“