Olympische Winterspiele Peking-Drama überwunden: Gold-Rodlerin Taubitz lacht wieder

Frank Kastner und Christoph Lother, dpa
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Von Frank Kastner und Christoph Lother, dpa
| 11.02.2026 12:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Nach dem Sturz-Drama in Peking kann Julia Taubitz mit Olympia-Gold wieder lachen. Foto: Robert Michael
Nach dem Sturz-Drama in Peking kann Julia Taubitz mit Olympia-Gold wieder lachen. Foto: Robert Michael
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„Man muss mal auf die Fresse fallen“, sagt Taubitz. Der Sturz bei Olympia 2022 habe sie stark gemacht, die Erfahrungen möchte sie weitergeben. Ihr Gold feiert sie mit Hits ihrer besonderen Playlist.

Mit dem Song „Die immer lacht“ tanzte Rodel-Königin Julia Taubitz durchs Spalier und klatschte alle ab. Das ansteckende Lächeln auf ihren Lippen war dabei nicht zu übersehen. Die Sächsin aus Annaberg-Buchholz strahlt wieder. Vergessen die bitteren Tränen von Peking, wo sie 2022 als Topfavoritin im zweiten Lauf stürzte. „Ich habe viel gewinnt heute, vor Glück. Der Sturz damals hat mich viele Jahre begleitet, aber er hat mich stärker gemacht. Wenn man immer nur gewinnt, lernt man nichts dazu“, meinte die 29-Jährige.

Diese Botschaft gab Taubitz auch an ihre 22 Jahre alte Oberhofer Trainingskollegin Merle Fräbel weiter, die nach ihrem folgenschweren Patzer die sicher geglaubte Medaille verlor und nach vielen Tränen erst mit einem gewissen Abstand gegen Mitternacht wieder lächeln konnte.

Taubitz überwindet Negativ-Erfahrungen

Sie sehe sich nach den eigenen Negativ-Erfahrungen nun mit Gold gekrönt „als Vorbild“, sagte Taubitz. Auch bei Fräbel, „der die Rodel-Zukunft gehört“, könne sie sich eine Rolle als Mentorin vorstellen. Doch lange wollte sie sich mit dem Rückblick auf das Erlebte nicht mehr aufhalten. „Ich habe richtig Durst auf so einen kühlen Aperol“, meinte die Weltmeisterin, Olympiasieger Max Langenhan kümmerte sich im proppenvollen Deutschen Haus als Kellner höchstpersönlich.

Mit Familie und ihrem Fanclub ließ es die passionierte Motorradfahrerin, die im Sommer statt auf zwei Kufen auf zwei Rädern auf die Rennstrecke möchte, bis nach Mitternacht krachen. „Nur Halbgas wegen der Teamstaffel, danach können wir vielleicht Vollgas geben“, sagte sie.

Ihre Spalier-Hymne „Die immer lacht“ von Kerstin Ott ist übrigens auch in einer besonderen Playlist enthalten, die die Rodlerin Anfang des Jahres für den „Deutschlandfunk“ zusammengestellt hatte, um von ihrer Musik zu erzählen. Darunter waren Hits wie „I want it that way“ von den Backstreet Boys, „Extreme“ von Roland Kaiser, „Großer Bruder“ von Zlatko & Jürgen, „Erfolg ist kein Glück“ von Kontra K und natürlich das „Steigerlied“ aus ihrem geliebten Erzgebirge.

„Man muss auch einfach mal auf die Fresse fallen“

Auch nach einer recht schlaflosen Nacht konnte Taubitz den erträumten Gold-Coup noch nicht glauben. Zu viele „Tage der Trauer und Zweifel“ musste sie verarbeiten. Nach dem Patzer ihrer Landsfrau Fräbel im dritten Durchgang waren alle Erinnerungen wieder hochgekommen. „Vor dem vierten Lauf hatte ich die Hosen voll, echt Kopfkino. Man hat ja bei Merle gesehen, wie schnell alles gehen kann im Rodeln“, sagte sie.

Taubitz behielt die Nerven - und hat ihre größte Niederlage nun überwunden. „Man muss auch einfach mal auf die Fresse fallen. Dass es sich so ausgeht mit Gold, hatte ich mir erträumt. Aber dass es jetzt so gekommen ist, ist unreal“, sagte die Gold-Rodlerin.

Lobende Worte für den „Raketen-Schlitten“

Ohne ihren Schlitten wäre es nicht gegangen. „Danke an unseren Robert Eschrich, der uns einfach Raketen-Schlitten hingestellt hat“, sagte Taubitz. Der Oberhofer Chefmechaniker arbeitet eng mit Heimtrainer Andi Langenhan sowie dem Berliner Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) zusammen. Mitte Januar 2024 wurde zwischen der Hochschule Mittweida und dem Olympia-Stützpunkt Oberhof ein Kooperationsvertrag geschlossen. Da spiele vor allem die Optimierung der Materialeigenschaften der Kufen mit Werkstoffauswahl und deren Bearbeitung zur Optimierung der Gleitreibung eine wichtige Rolle.

Cheftrainer Patrik Leitner dachte inmitten der Feierlichkeiten an einen Moment seiner Vorzeige-Athletin zurück, der ihm „wirklich im Gedächtnis geblieben“ sei. Es war der Moment nach ihrer größten Niederlage. „Als Natalie Geisenberger und Anna Berreiter vor vier Jahren ins olympische Dorf gekommen sind, ist sie draußen gestanden und hat geklatscht und sich für ihre Kolleginnen gefreut. Manch andere hätten sich, ich selber glaube auch, ins Zimmer eingesperrt und drei Tage geweint. Das fand ich wahnsinnig sportlich.“

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