Osnabrück  Fünf Jahre „Rest der Republik“ – ein Rückblick

Burkhard Ewert
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Von Burkhard Ewert
| 11.02.2026 16:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die erste Ausgabe „Rest der Republik“ erschien noch während der Corona-Pandemie. Angela Merkel war Kanzlerin und Masken aus dem öffentlichen Raum nicht wegzudenken. Foto: IMAGO/Bildgehege
Die erste Ausgabe „Rest der Republik“ erschien noch während der Corona-Pandemie. Angela Merkel war Kanzlerin und Masken aus dem öffentlichen Raum nicht wegzudenken. Foto: IMAGO/Bildgehege
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Perspektiven und Gegenreden außerhalb der Berliner Blase, Wertschätzung, Kritik und Dialog – all das vereint die Kolumne „Rest der Republik“. Nun feiert sie fünfjähriges Jubiläum. Chefredakteur Burkhard Ewert blickt zurück auf die brisantesten Themen, Lob und Kritik.

Fünf Jahre. In der Newsletter-Zeitrechnung ist das eine kleine Ewigkeit. 2021 ging der „Rest der Republik“ als wöchentliche Mail und wenig später als Kolumne an den Start – mitten in einer Pandemie, mitten im politischen Dauerstreit, mitten in der Frage, ob dieses Land eigentlich noch weiß, wie es sich selbst organisiert.

Heute, 2026, lesen außer Ihnen Tausende weitere Menschen diesen Newsletter. Aus Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein und weit darüber hinaus – eben aus dem ganzen Rest der Republik. Schön, dass Sie dabei sind, jeder Einzelne von Ihnen.

Der „Rest der Republik“ war von Anfang an kein Hauptstadt-Format, im Gegenteil. Ich wollte nie die Politik dem Land erklären, sondern das Land der Politik. Zu den Zielen zählt es deshalb unvermindert, Perspektiven aufzuzeigen, die berechtigt, aber zu selten gehört oder die sogar zu Unrecht verhöhnt werden. Gegenpositionen einzunehmen, denn wenn alle dasselbe meinen, läuft etwas verkehrt.

Und immer auch dafür zu werben, wertschätzend mit anderen, auch widerstreitenden Überzeugungen und individuellen Lebensentwürfen umzugehen, wie sie sich außerhalb von Mainstream-Vorstellungen in all ihrer Vielfalt finden.

Ich habe auf die Politik geblickt, auf Menschen, auf Macht, auf Alltag. Auf das, was funktioniert – und auf das, was immer mal wieder nicht funktioniert. Geschrieben habe ich über Corona und Föderalismus, über einzelne Politiker und strukturelle Probleme, über Energiepreise, über Migration, über kulinarische Themen, über Russland und den Frieden – und auch über Bushaltestellen. Also über das Große im Kleinen und das Kleine im Großen.

Zum Geburtstag habe ich einen kleinen Rückblick vorbereitet auf fünf Ausgaben aus jeweils einem „RdR“-Jahr, die besonders viele von Ihnen gelesen, geteilt und kommentiert haben:

2021 – „Corona und die Länder: Ihr Widerstand ist gut“: Gleich die erste Ausgabe zog viel Aufmerksamkeit auf sich. Während Bund und Länder um Zuständigkeiten rangen und die Kleinteiligkeit kritisiert wurde, habe ich gefragt: Ist wirklich der Föderalismus das Problem? Denn der Blick auf Corona war mir viel zu autoritär und zu ängstlich. Das vermeintliche „Wirrwarr“ in den Ländern wirkte da noch als Schutz und bremste eine allzu totale Regelungswut („Rote Zonen“).

2022 – „Lieber Stromkunde: Sie werden verarscht – und wir auch“: Energiekrise, explodierende Preise, viel politische Rhetorik. Im Zentrum dessen brachte ich die Perspektive eines Windkraftbetreibers ein, der sagte: So teuer müsste Strom gar nicht sein. Es war ein Versuch, einen komplizierten Markt ein wenig verständlicher zu machen – und die richtigen Fragen zu stellen.

2023 – „Silvestergewalt: Benennt das Problem!“: Nach den Ausschreitungen zum Jahreswechsel ging es um etwas, das Politik und Gesellschaft gern vermeiden: etwas klar zu benennen. Und um die Frage, warum Wegsehen weder tolerant noch gerecht ist. Ich war jedenfalls einigermaßen fassungslos, dass nicht wenige Menschen und Medien schon bei der Kölner Silvestergewalt so taten, als geschehe diese im luftleeren Raum und hinge nicht auch mit problematischen migrantischen Gruppen zusammen. Hier wiederholte sich diese Vernebelung, was ich nicht gutheißen konnte.

2024 – „Die überflüssigste Behörde des Landes?“: Das Bundesinstitut für Risikobewertung vertritt interessante und gut begründete Standpunkte – nur hört niemand auf diese nicht sonderlich bekannte Behörde und ihren ausgewiesen sachkundigen Präsidenten. Das könnte daran liegen, dass er für Alarmismus nicht zu haben ist, obwohl (oder weil) Risiken sein Fachgebiet darstellen. Was Politik und Medien oft schäumen lässt, sehen die Experten hier ausnehmend gelassen, bis hin zu Kernkraft oder Glyphosat.

2025 – „Staatsversagen an der Bushaltestelle“: Zerstörte Wartehäuschen überall im Land. Eine Frage lautet, wieso das geschieht. Die andere, wieso es Kommunen für eine gute Idee halten können, trotzdem immer teure Glaswände zu montieren, zumindest, bis sie das nächste Mal zerstört worden sind. Geht das nicht schlauer? Interessiert es niemanden, was hier an Geld verschleudert wird? Und was sagt das aus über unseren Staat?

All diese Texte und mehr als 200 weitere Beobachtungen aus dem Rest der Republik hatten und haben eines gemeinsam: Sie leben von Ihrer Reaktion und Inspiration. Von Mails, Kommentaren, Widerspruch, Zustimmung, Ergänzungen. Der „Rest der Republik“ ist kein Monolog, sondern ein Gespräch – manchmal ein Selbstgespräch, mal eine Wutrede, manchmal eine Debatte, mal auch eine leise Liebeserklärung.

Danke an alle, die diesen Newsletter abonniert haben. Danke für Lob und Kritik, für Zustimmung und Gegenrede. Zuweilen gab es auch Hass und Drohungen, Verdrehungen und Verleumdungen. Das gehört wohl dazu, wenn man sich aus der Deckung wagt. Wer austeilt, muss auch einstecken können.

Mir jedenfalls macht dieses Format nach fünf Jahren ungebrochen Spaß. Und ich freue mich darauf, weiterhin den einen oder anderen Zwischenruf aus dem „Rest der Republik“ zu formulieren. Neue Themen kommen bestimmt. Ärger auch. Stoff genug gibt es ohnehin.

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