Osnabrück Können Osnabrücker Eltern die Grundschule wechseln, wenn ihnen die Abholzeiten nicht passen?
Osnabrücker Eltern hatten eine zusätzliche Abholzeit an den Grundschulen gefordert, und die Stadt macht das ab Sommer 2026 möglich. Die Schulen können die dritte Abholzeit anbieten, müssen aber nicht. Können Familien im Zweifel aus ihrem Schuleinzugsbereich ausscheren?
Die Stadt Osnabrück hat sich kürzlich dem Elternwillen gebeugt und ermöglicht ab dem Schuljahr 2026/27 eine zusätzliche Abholzeit an den städtischen Grundschulen gegen 14 Uhr. Nun sind die Schulen am Zug. Sie dürfen so eine zusätzliche Abholzeit 90 Minuten nach Unterrichtsende einführen – müssen es aber nicht. Die Entscheidung obliegt den einzelnen Schulvorständen.
Aber was geschieht, falls ausgerechnet die Schule im Schuleinzugsbereich einer Familie nicht die passende Abholzeit anbietet? Können Eltern dann auf eine andere Grundschule ausweichen? Diese Frage kam jetzt im Osnabrücker Schulausschuss auf.
Und die Antwort von Fachbereichsleiterin Andrea Butke ist so kurz wie klar: Nein, können sie nicht. „Das ist kein Grund nach dem Schulgesetz, den Bezirk zu wechseln“, so Butke.
Wie viele Grundschulen ab dem kommenden Schuljahr eine zusätzliche Abholzeit anbieten werden, darüber habe die Stadt noch keinen Überblick. Aber so viel konnte Butke sagen: „Die Schulen signalisieren schon, dass der Elternbedarf gemeldet wird.“
Mathis Krtschil, Lehrervertreter im Schulausschuss, sagte: „Ich gehe davon aus, dass die überwältigende Mehrheit der Grundschulen das anwenden wird.“ Er gab aber auch zu bedenken, dass es dann kaum möglich sein werde, bis zur Abholzeit gegen 14 Uhr vier Klassenstufen durch das Mittagessen durchzuschleusen und dann auch noch eine Lernzeit anzubieten.
Bedenken bezüglich der Qualität im Ganztag äußerte Ratsmitglied Loreto Bieritz (Grüne). Gerade kleinere Schulen könnten Probleme durch die zusätzliche Abholzeit bekommen. „Wenn es dort diese Unterbrechung gibt, kann man kein gutes pädagogisches Konzept aufbauen“, befürchtet sie.
Die Stadt war bislang aus ähnlichen Gründen gegen eine zusätzliche Abholzeit. Ein Erlass des Landes Niedersachsen macht das grundsätzlich möglich, aber nur, wenn der Schulträger – in diesem Fall die Stadt Osnabrück – dabei mitzieht.
Unter dem Strich gab es im Schulausschuss aber viel Lob dafür, dass die Stadtverwaltung auf den Wunsch der Eltern eingegangen ist. Die Verwaltung habe „sehr viel guten Willen gezeigt“, sagte etwa die Ausschussvorsitzende Petra Knabenschuh (CDU).
Auch SPD-Ratsmitglied André Klekamp begrüßte „ausdrücklich“ diese Möglichmachung. Seine Vermutung: „Ich bin sicher, dass nun mehr Kinder in den Ganztag gehen werden.“ Er finde gut, dass die Stadt nun erst einmal schauen wolle, wie sich das Anmeldeverhalten entwickelt.
Der Stadtelternrat hatte das Thema Abholzeiten schon vor längerer Zeit bei der Verwaltung platziert. Einen kräftigen Schub hat die Forderung der Eltern nach mehr Flexibilität durch die Online-Petition der Osnabrückerin Eva-Maria Gersch erhalten, die mehr als 1200 Menschen unterzeichneten.
Unserer Redaktion hatte Gersch erläutert, wie das bisherige Modell ihr die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erschwert. An der Schule ihrer Tochter gibt es bislang nur zwei Abholzeiten: entweder nach Unterrichtsende um 12.45 Uhr – oder erst um 15.30 Uhr nach Ende des Ganztags. Die erste Zeit ist für sie beruflich zu früh, die zweite zu spät, weil sie ihrer Tochter in der zweiten Klasse keine Acht-Stunden-Tage zumuten will. Theoretisch könnte die Schule nun ab August 2026 eine dritte Abholzeit um 14.15 Uhr einführen. Ob sie das tut, darüber hat Gersch noch keine Infos.