Osnabrück  „Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen“ – warum liegt eine Leiche in der Badewanne?

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 15.02.2026 17:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Peter Kurth (l.) und Peter Schneider verabschieden sich mit dem letzten Teil der Halleschen Trilogie. Foto: © MDR/Felix Abraham
Peter Kurth (l.) und Peter Schneider verabschieden sich mit dem letzten Teil der Halleschen Trilogie. Foto: © MDR/Felix Abraham
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Nach nur drei Episoden in fünf Jahren beendet der MDR seinen wirklich großartigen „Polizeiruf“ aus Halle mit Peter Kurth und Peter Schneider. Schade. Eine Rezension.

Ein Leichenfund in „Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen“ (So., 15. Februar im Ersten und in der ARD Mediathek) in einer Mietwohnung wirft Fragen auf. Auf den ersten Blick sieht alles danach aus, dass die Rentnerin Frau Krüger durch ein Unglück in der Badewanne ums Leben gekommen ist. Das Kofferradio im Wasser ist noch mit der Steckdose verbunden. Aber etwas stimmt hier ganz und gar nicht.

Dummerweise hat der übereifrige Hausmeister Trojanowitz (Henning Peker) das Wasser abgestellt und dabei Spuren verfälscht. In der Gerichtsmedizin wird aber schnell klar, dass die Rentnerin nicht durch den Stromschlag gestorben sein kann, weil sie da schlicht und ergreifend bereits tot gewesen sein muss. Alles deutet auf einen Mord an der alleinstehenden Frau hin.

Der Fund einer Blüte, die vom Täter bewusst in der Wohnung der Toten hinterlegt worden sein muss, bringt Kriminalhauptkommissar Henry Koitzsch (Peter Kurth) auf die Spur eines alten, ungelösten Falles. Vor fünf Jahren haben sich Koitzsch und sein Kollege Michael Lehmann (Peter Schneider) am Mordfall Uwe Baude die Zähne ausgebissen. Vergeblich. Aber irgendwie scheint der aktuelle Fall mit dem Cold Case zusammenzuhängen.

Ist es da ein Zufall, dass jetzt mit Katrin Sommer (Cordelia Wege) eine alte Bekannte wieder bei Lehmann auftaucht und vorgibt, von einem unsichtbaren Unbekannten gestalkt zu werden? Sommer, die sich selbst als „bindungssüchtig“ bezeichnet, hatte einst eine Beziehung mit Baude. Aber nicht nur sie könnte im Visier des Mörders sein. Auch in Koitzsch wächst das ungute Gefühl, beobachtet zu werden.

Mit dem dritten „Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen“ verabschiedet sich das hallesche Team um die Kommissare Koitzsch und Lehmann nach nur drei Episoden leider schon wieder. Gestartet zum 50-jährigen Jubiläum der „Polizeiruf“-Reihe vor fünf Jahren mit der Episode „An der Saale hellem Strande“ sei diese Produktion von vornherein als Trilogie geplant gewesen, heißt es. Und jetzt zieht der federführende MDR in sturer Konsequenz den Stecker.

Die Episoden mit den Hauptdarstellern Kurth und Schneider gehören zu den sehenswertesten Produktionen, die man auf dem Programmplatz der ARD-Sonntagskrimis erwarten kann – oder besser gesagt: konnte. Hier stimmt einfach alles. Großartige Charakterdarsteller in dramaturgisch schnörkellos ausgearbeiteten Fällen und authentischen Kulissen.

Jetzt schließt sich der Kreis. Clemens Meyer (Buch) und Thomas Stuber (Buch und Regie) gelingt das Kunststück, die dritte Folge der Trilogie erzählerisch so zu gestalten und zu inszenieren, dass man als Zuschauer auch dann mitkommt, wenn man die vorherigen Episoden nicht mehr auf dem Schirm hat. Geschickt verbindet das finale Kapitel in kurzen Rückblenden Schlüsselmomente der ersten beiden Teile mit dem aktuellen Fall.

Insbesondere die Kinderleiche auf dem Seziertisch und der tragische Suizid des unschuldigen Tatverdächtigen aus der mittleren Episode „Der Dicke liebt“ haben Kommissar Koitzsch psychisch ordentlich zugesetzt. Aber nicht nur der Kommissar, auch die Nebenfigur der nur nach außen hin lebenslustig erscheinenden Frau Sommer glänzt durch geheimnisvolle Tiefe. Eine bemerkenswerte Charakterstudie, die Schauspielerin Cordelia Wege hier abliefert.

Am Ende wird es dann richtig düster und gruselig in einem Fall, der nach fünf Jahren und drei Episoden sein Ende findet. Wirklich schade, dass jetzt Schluss ist mit dem halleschen Ermittlerduo Koitzsch und Lehmann. So viel steht jedenfalls jetzt schon fest. Dieser „Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen“ dürfte in diesem Jahr nur von wenigen Sonntagskrimis im Ersten übertroffen werden. Wenn überhaupt.

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