Hamburg  Hinter Scholz und Habeck: Das sind die unbeliebtesten Politiker Deutschlands

Matti Gerstenlauer
|
Von Matti Gerstenlauer
| 17.02.2026 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Eigentlich bekommen Amtsinhaber eine Art Vertrauensvorschuss. Friedrich Merz scheint diesen bereits verspielt zu haben. Er rangiert im Beliebtheitsranking auf einem der letzten Plätze. Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Eigentlich bekommen Amtsinhaber eine Art Vertrauensvorschuss. Friedrich Merz scheint diesen bereits verspielt zu haben. Er rangiert im Beliebtheitsranking auf einem der letzten Plätze. Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Artikel teilen:

Laut verschiedenen Rankings ist Friedrich Merz noch unbeliebter als sein Vorgänger Olaf Scholz. Wer die Liste der Unliebsamen wirklich anführt und warum Umfragen zur Sympathie von Politikern nicht immer das widerspiegeln, was man denkt.

Sympathie ist in der Politik ein gern gesehener, aber auch flüchtiger Gast. So schnell wie bei Friedrich Merz hat er jedoch noch nie seine Koffer gepackt. Kaum ein Jahr im Amt, befindet sich der CDU-Bundeskanzler bereits im Umfragekeller – ganz im Gegenteil zu einigen Ministern. Welche Politiker in den vergangenen zwei Jahrzehnten punkten konnten und wer es nicht schaffte, die Menschen auf seine Seite zu ziehen.

Mit Werten von bis zu -1,1 auf der Skala der Forschungsgruppe Wahlen, die eine Punkteverteilung von -5 bis +5 ermöglicht, rutscht der amtierende Regierungschef nicht nur ins Minus, sondern bleibt sogar hinter Olaf Scholz (SPD) zurück, der sogar kurz vor dem Aus der Ampel noch bessere Werte (-0,7) aufweisen konnte.

Selbst Robert Habeck (Grüne), der in bürgerlichen und konservativen Kreisen während seiner Amtszeit immer wieder als Reizfigur gezeichnet wird, steht in der persönlichen Glaubwürdigkeit über die Zeit stabiler da als der aktuelle Kanzler, während Boris Pistorius mit Werten von bis zu +2 weiterhin der beliebteste Politiker Deutschlands ist. Auf diesem Platz hält sich der SPD-Minister trotz Regierungswechsel seit mehreren Jahren.

Ein Blick in die „Hall of Shame“ der vergangenen zwei Jahrzehnte zeigt, dass Merz sich dort in prominenter Runde wiederfindet. Den Allzeit-Negativrekord der Ära Merkel hält weiterhin Ex-Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), dessen Maut-Debakel ihn auf bis zu -1,9 abstürzen ließ. Auch Philipp Rösler (FDP) musste 2012 bei Werten um -1,8 erfahren, wie kalt die Berliner Luft sein kann, wenn die Wirtschaft nicht läuft.

Dass Merz jedoch als amtierender Kanzler bereits im ersten Jahr so massiv an Rückhalt verliert, ist ein politisches Novum. Wo Angela Merkel (CDU) über 16 Jahre hinweg fast dauerhaft Werte zwischen +1,5 und +2,5 hielt – während der Finanzkrise gab es Dämpfer –, scheint der „Kanzlerbonus“ heute eine sehr viel kürzere Halbwertszeit zu haben als jemals zuvor.

Noch vor Olaf Scholz, der sich ebenfalls nicht auf den „Kanzlerbonus“ stützen konnte, galt eigentlich eine unausgesprochene Regel in der Wissenschaft: Amtsinhaber, in diesem Fall der Bundeskanzler, haben einen gewissen Vertrauensvorschuss der Bevölkerung, die sie selbst in der vergangenen Wahl in das Amt gewählt hat.

Warum gerade Friedrich Merz in den Umfragen einen so schnellen Niedergang erlebt, könnte eine für den Sender „RTL“ in Auftrag gegebene Umfrage von Forsa offenbaren. Mehr als 1000 Menschen wurden gefragt, warum sie unzufrieden mit dem Kanzler sind. Fast die Hälfte führte gebrochene Wahlversprechen und Ankündigungen als Grund an, aus denen keine Resultate entstanden seien. Doch sind Beliebtheitsrankings von Politikern wirklich aussagekräftig?

Wissenschaftler wie der Soziologe Armin Nassehi von der LMU in München oder der Kommunikationsexperte Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim kritisieren vor allem den Umgang der Medien mit den Rankings. Auch Politologen warnen davor, dass solche Beliebtheitslisten oft mehr über die mediale Präsenz und die reine Bekanntheit aussagen als über tatsächliche politische Kompetenz oder Beliebtheit. Auch eine zunehmende Personalisierung und Stimmungsmache durch Persönlichkeitsrankings steht immer wieder in der Kritik.

Wer polarisiert, landet automatisch weiter unten, selbst wenn er eine loyale Stammwählerschaft hinter sich weiß. Ein neuer, kaum bekannter Politiker könne rechnerisch beliebter wirken als ein Kanzler, den viele kennen und an dem sich zwangsläufig die Geister scheiden. Umfragen, so das wissenschaftliche Credo, würden nicht nur Stimmungen messen, sondern erst selbst erzeugen.

Auch die Fragestellungen und Punktegewichtung spielen eine Rolle. Wenn etwa neben positiven auch negative Werte verteilt werden können, fallen die Listen oft anders aus als bei Rankings mit null als schlechtestem Wert. Wie beliebt Politiker wirklich sind und welche Auswirkungen das auf die Politik wirklich hat, ist unklar. Denn wenn man die Deutschen nach der Kompetenz von Politikern fragt, sehen die Antworten in vielen Fällen wieder anders aus.

Ähnliche Artikel