Krasse Fälle der Tierärzte Animal-Hoarding, verwaiste Katzen und kranke Hunde
Was die Tierärzte der Veterinärämter jedes Jahr bei Tierschutzkontrollen erleben, lässt einem die Haare zu Berge stehen. Oft kommen die Hinweise aus der Bevölkerung.
Roffhausen - Das Veterinäramt Jade-Weser hat im vergangenen Jahr 2025 wieder zahlreiche Tierhaltungsverbote ausgesprochen. Zwar sank die Zahl mit 17 im Vergleich zum Vorjahr (26), dennoch sind die Beispiele einmal mehr erschreckend: Es geht um viel zu viele Katzen auf engstem Raum, um eine aus dem Ruder gelaufene Hundezucht, um vernachlässigte Rinder und Pferde. Ein großes Problem, sagt Veterinäramtsleiterin Melanie Schweizer, sei die tierärztliche Betreuung; oder vielmehr der Mangel dieser Betreuung.
Das Veterinäramt Jade-Weser deckt ein großes Verbandsgebiet ab: im Westen den Landkreis Wittmund, dann Richtung Osten die Kreise Friesland und Wesermarsch, sowie die Stadt Wilhelmshaven. Schweizer und ihr Stellvertreter Michael Bucher stellten den Jahresbericht 2025 am 12. Februar 2026 vor, am Sitz der Behörde in Roffhausen (Friesland). Zur Einordnung der Fälle: Insgesamt gab es 966 Tierschutzkontrollen. Aufgeteilt nach Tierarten entfiel etwa ein Drittel dieser Kontrollen auf Hunde und Katzen (32 Prozent). Auf Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen entfielen etwa gleich viele Besuche (36 Prozent).
Krasse Tierschutzfälle – Katzen
In Wilhelmshaven gab es gleich zwei der krassesten Tierschutzfälle: In einem Fall hatten zwei Personen annähernd 50 Katzen in einer kleinen Wohnung gehalten. Die Tiere seien vernachlässigt und zu wenig gefüttert gewesen, berichtet Schweizer. In der Wohnung seien beim Eintreffen der Tierärzte außerdem große Mengen Katzenkot und Urin sichtbar gewesen. Die Tierärzte nahmen den beiden Personen die Tiere weg und brachten sie in ein Tierheim. 50 Katzen auf engem Raum – so etwas wird auch mit dem englischen Begriff „animal hoarding“ bezeichnet. Damit ist das Sammeln und Horten von Tieren gemeint.
In dem zweiten Fall hatte eine Frau beim Auszug aus ihrer Wohnung ihre vier Katzen einfach dort zurückgelassen. Offenbar lebten die Tiere mehrere Wochen allein in der Wohnung. Nach Auskunft von Schweizer war dieser Fall besonders folgenreich, da nicht nur die Tiere selbst stark verfloht waren, sondern der Flohbefall sich schon auf andere Wohnungen in dem Mehrparteienhaus ausgedehnt hatte. Das Gesundheitsamt wurde eingeschaltet und der Hausbesitzer musste einen Kammerjäger beauftragen, um das Gebäude reinigen zu lassen.
Krasse Tierschutzfälle – Hunde
In der Wesermarsch entzog das Veterinäramt einer gewerblichen Hundezucht die Genehmigung. Es habe viel zu viele Zuchthunde gegeben, so das Veterinäramt. Tatsächlich seien es zwischenzeitlich mit mehr als 120 Tieren dreimal so viele gewesen wie erlaubt. Die Folge: viel zu wenig Platz für die Tiere, mangelnde Hygiene und mangelnde Sozialisation der Hunde. Der Bestand, sagt Schweizer, musste stark reduziert werden. Konkret heißt das: Die Hunde wurden weitervermittelt oder kamen in ein Tierheim.
In einem weiteren Fall in der Wesermarsch haben Urlauber abends im Dunkeln eine ältere und völlig abgemagerte Hündin mit einem Strick um den Hals gefunden. Das Tier war seiner Besitzerin entlaufen. Und kam nach der Entdeckung auch nicht mehr zu ihr zurück. Tatsächlich, schreibt das Veterinäramt, sei die Hündin mittlerweile gut in ihrem neuen Zuhause angekommen, habe zugenommen und tobe schon wieder durch den Schnee.
Krasse Tierschutzfälle – Tierarztpreise
Alles keine Sonderfälle, betont Amtsleiterin Schweizer bei der Vorstellung des Berichts. Und: In fast allen Fällen gebe es ein Problem mit der mangelnden Betreuung durch Tierärzte. Auf die Frage, ob das vielleicht auch mit den steigenden Tierarztkosten zu tun haben könnte, entgegnet sie: „Die neue Gebührenordnung kann die Lage vielleicht verschärft haben, aber das ist nicht das Grundproblem.“
Schweizer appelliert an das Verantwortungsgefühl von Tierhaltern: „Jeder, der sich ein Tier anschafft oder hält, muss sich darüber Gedanken machen, ob er sich das leisten kann.“ Je nach Erkrankung eines Hundes etwa könnten schnell mehr als 1000 Euro Tierarztkosten zusammen kommen.
Auch im Kreis Wittmund mussten die Veterinäre 2025 übrigens mehrfach einschreiten: In einem Fall wurde einer Rinder- und Pferdebesitzerin die Haltung und Betreuung ihrer Tiere wegen erheblicher Mängel untersagt. Und in einem weiteren Fall war den beiden Besitzern von Rindern, Pferden und Katzen die Haltung ihrer Tiere einfach über den Kopf gewachsen. Laut Veterinäramt konnten die Menschen den Tieren nicht mehr gerecht werden. „Die eigenen Lebensumstände waren dabei auch sehr schwierig“, heißt es weiter. Und: Mängel beim Tierschutz würden eben oft auch mit menschlichem Leid einhergehen.