Osnabrück  „Ich lebe eine jahrelange Midlife-Crisis“: Oliver Mommsen über Stilsünden und Sportwahn

Dr. Philipp Ebert
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Von Dr. Philipp Ebert
| 19.02.2026 01:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Oliver Mommsen radelt und rennt auf dem Deich herum: garantiert mit wild kombinierter Kleidung. Foto: ARD Degeto Film/Radio Bremen/Michael Ihle
Oliver Mommsen radelt und rennt auf dem Deich herum: garantiert mit wild kombinierter Kleidung. Foto: ARD Degeto Film/Radio Bremen/Michael Ihle
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Früher war er Bremer „Tatort“-Kommissar, heute hetzt er im Hawaii-Hemd herum: Oliver Mommsen spricht im Interview über das Älterwerden im Rampenlicht, warum er sein Tee-Thermometer liebt und warum er trotz aller Gerüchte seine Haare nicht färbt.

Oliver Mommsen ist nach seiner langjährigen Rolle als Bremer „Tatort“-Kommissar Nils Stedefreund dieser Tage häufig in komödiantischen Rollen zu sehen. In der ARD-Reihe „Mord oder Watt“ verkörpert er den Schauspieler Tim Seebach, der in Cuxhaven mit eigenwilligem Modestil in Kriminalfälle gerät.

Im Gespräch verrät Mommsen (57), wie herausfordernd das Älterwerden in der Filmbranche ist und warum er ein wahrer Tee-Enthusiast ist. Zudem nimmt der gebürtige Düsseldorfer Stellung zum modischen Erscheinungsbild von Nordsee-Urlaubern und zum Erbe seines berühmten Vorfahren Theodor Mommsen.

Frage: Herr Mommsen, Ihr Ur-Ur-Großvater war Literatur-Nobelpreisträger, der Historiker Theodor Mommsen. Nach einem der letzten Gespräche mit unserer Redaktion wollten Sie endlich mal seine „Römische Geschichte“ lesen. Hat das mittlerweile geklappt?

Antwort: Nein, es hat immer noch nicht geklappt! Tatsächlich spreche ich ja nur in Interviews über diesen berühmten Vorfahren, ich kenne auch nur zwei oder drei Anekdoten. Was mir gut gefällt: Er war wohl ein Sturkopf und hat sich mit Bismarck angelegt. Gegen Autoritäten rebellieren, da hatte ich schon immer Respekt vor!

Frage: In Ihrem neuen Film „Mord oder Watt: Die wilde Hilde“ findet Rebellion subtil statt, nämlich ein Aufstand gegen Regeln des guten Modegeschmacks. Sie kleiden sich darin durchaus, sagen wir, extravagant …

Antwort: … meine Rolle Tim Seebach ist eine einzige laufende Stilsünde! Wir haben einen Riesenspaß daran, hemmungslos Hawaii-Hemden und alle Farben miteinander zu kombinieren.

Frage: Auch die Funktionskleidung von Nordseeurlaubern wird auf die Schippe genommen. Welche Stilsünden begehen Sie, wenn Sie Urlaub machen?

Antwort: Was einem in Cuxhaven und Umgebung auf dem Rad entgegenfährt – vor allem diese Leidenschaft zum Pärchen-Look in Funktionskleidung –, ist schon speziell. Leuchtgrün und Magenta scheinen da sehr beliebt zu sein. Ich selbst bin aber ein geborener Düsseldorfer und ehemaliger Profi-Schnösel, ich bin Modesünden gewohnt!

Frage: Dafür begeht Ihre Rolle auch noch einen Tee-Fauxpas, und das in Norddeutschland: Tee aus dem Teebeutel. Geht’s noch?

Antwort: Das ist volle Absicht! Ich bin privat leidenschaftlicher Teetrinker, habe auch auf Reisen mindestens fünf Sorten losen Tees dabei. Ich habe sogar, kein Scherz, ein Tee-Thermometer, um den Jasmintee bei 70 Grad zubereiten zu können. Aber meine Rolle Tim Seebach ist Hektiker. Der hat keine Zeit für Kännchen, Kandis und die Sahnewolke.

Frage: Ich war überrascht, wie offensiv der Film damit spielt, wie schwierig es insbesondere für Schauspieler ist, alt zu werden.

Antwort: Ich finde, die Qualität der Reihe „Mord oder Watt“ ist, dass wir auch solch ernste Themen mit einem Augenzwinkern behandeln. Altern in der Filmindustrie ist auf jeden Fall knallhart, besonders für Frauen ab 40, die im Fernsehen kaum noch vorkommen. Und mir geht es natürlich genauso: Wenn ich in den Spiegel gucke, weiß ich: Der Romeo ist durch. Irgendwann hatten viele meiner Filme das Wort „Papa“ im Titel. Aber mir macht es Spaß, vor der Kamera alt zu werden. Gönnt uns das doch!

Frage: Haben Sie sich schon mal freiwillig unters Messer gelegt?

Antwort: Bisher nicht, ich halte es wie meine Rolle Tim Seebach: Ich versuche es erst mal mit Sport. Auch jetzt gerade: Mein Fuß steht auf einer Faszienrolle, ich habe mein Springseil und die Rollschuhe im Gepäck. Ich lebe ja eine jahrelange Midlife-Krise. Nennen Sie irgendein Sportgerät – ich habe es oder ich will es haben.

Frage: Und Ihre immer noch so schwarzen Haare?

Antwort: Eine Sandkastenfreundin ruft mich nach jedem Film an und sagt: „Du färbst!“ Und ich sage: „Nein!“ Das verdanke ich den Genen meiner Eltern. Nur morgens in der Maske schummeln wir ein bisschen Farbe auf den Drei-Tage-Bart, das macht frischer.

Hinweis: „Mord oder Watt: Die wilde Hilde“, 20. Februar, 20.15 Uhr, Das Erste

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