Osnabrück  Wochenmarkt ohne Imbissstand: Im Schinkel hilft man sich selbst – mit Thermoskannen

Thomas Wübker
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Von Thomas Wübker
| 19.02.2026 11:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Auf dem Wochenmarkt im Schinkel gibt es seit Ende 2025 keinen Imbissstand mehr. Aber die Marktbesucher sind erfinderisch: Sie bringen Thermoskannen und belegte Brötchen selbst mit – und etablieren so einen neuen Treffpunkt.

„Willste auch nen Kaffee?“ Herzlich werden Neuankömmlinge am Stehtisch auf dem Wochenmarkt im Schinkel begrüßt. Der ist eigentlich eine Notlösung: Seit Marktbeschickerin Claudia Geist zum Jahreswechsel ihren Imbiss aufgegeben hat, sitzen die Marktbesucher auf dem Trockenen.

Doch eine Gruppe Schinkelaner macht aus der Not eine Tugend: Jeden Mittwoch ab 11 Uhr bauen sie nun einen Stehtisch auf dem Markt auf. Dort gibt es selbst geschmierte Brötchen mit Wurst und Käse sowie Thermoskannen mit Kaffee und Tee.

„Wir sind hier total lost“, klagt die 67-jährige Marita Gerdes, die mit zehn weiteren Marktbesuchern am Tisch steht. Ähnlich sieht es Angelika May-Johann: „Wir haben das Gefühl, dass der Schinkel-Markt abgehängt wird“, sagt die 70-Jährige. Tatsächlich ist es an diesem Mittwoch leer auf dem VIP-Parkplatz des VfL Osnabrück. Dorthin wurde der Markt vorübergehend verlegt, solange der Pastor-Karwehl-Platz saniert wird. Erst ab Frühjahr 2027 steht dieser wieder für den Wochenmarkt zur Verfügung.

Beim Imbiss Geist, erinnert sich Harald Heine, war mittags der Erbseneintopf ein Renner. Doch er vermisst nicht nur diesen, sondern vor allem den Treffpunkt: „Früher gab es im Schinkel ja noch Kneipen mit Frühschoppen.“ Auch Thomas Tscherner (65) findet: „Das Wichtigste ist das Miteinander.“ Er kann der Gruppe von einem Gespräch mit der Stadt berichten: Man habe versprochen, dass ein Ersatz für den Imbiss Geist komme.

Das bestätigt eine Nachfrage bei Stadtsprecher Simon Vonstein: „Die Stadt behält bei dem Thema Augen und Ohren offen und würde sich freuen, wenn wieder ein ähnlicher Anlaufpunkt wie zuvor dort entstehen würde.“ Auch Quartiersmanager Tom Herter erklärt, man suche weiter nach einer Nachfolge für Claudia Geist.

Eine Nachfolgerin ist für die Wochenmärkte am Ledenhof (donnerstags) und am Riedenbach (freitags) bereits gefunden: Dort ist nun Madu Hasekamp mit ihrem Imbisswagen vertreten, der ein beliebter Treffpunkt für Marktgänger ist. Der Standort auf dem Schinkel-Markt sei ihr von der Stadt ebenfalls angeboten worden: „Aber ich bin mittwochs anderweitig tätig“, erklärt Hasekamp, die auch in der Nachmittagsbetreuung im Graf-Stauffenberg-Gymnasium und als Spanisch-Dozentin an der Universität arbeitet. Sie lässt ein Engagement aber offen: „Vielleicht klappt es nächstes Jahr.“

Möglicherweise müssen die Schinkelaner gar nicht so lange warten: Christine Gerlach von der Bäckerei stellt in Aussicht, Stehtische aufzustellen und dort Kaffee, belegte Brötchen und Gebäck anzubieten. Eine Voraussetzung braucht es dafür aber noch, sagt Gerlach: Es muss erst einmal wärmer werden.

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