Osnabrück  Zwei Facharztpraxen und 15 Wohnungen: Neubau am Berliner Platz in Osnabrück ist fast fertig

Wilfried Hinrichs
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Von Wilfried Hinrichs
| 20.02.2026 05:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Neubau am Berliner Platz in Osnabrück soll im Sommer bezugsfertig sein. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss ziehen Arztpraxen ein. Foto: Wilfried Hinrichs
Der Neubau am Berliner Platz in Osnabrück soll im Sommer bezugsfertig sein. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss ziehen Arztpraxen ein. Foto: Wilfried Hinrichs
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Ein Investor hat der Baukrise getrotzt und sein Neubauprojekt am Berliner Platz in Osnabrück unbeirrt durchgezogen. Der Neubau soll im Sommer bezugsfertig sein. Wer dort einziehen wird.

Es gibt große Pläne für den Berliner Platz in Osnabrück, umgesetzt werden sie in kleinen Schritten. Ein nächster Schritt steht bevor: Der Neubau an der Flanke zum Hannoverschen Bahnhof ist fast fertig und wird ab Sommer bezogen. Fachärzte eröffnen dort ihre Praxen.

Der Ibbenbürener Bauunternehmer Uwe Lehmkuhl und seine Kinder hätten sich kaum einen schlechteren Zeitpunkt für den Baustart aussuchen können. Zum Jahreswechsel 2022/2023 ächzte die Wirtschaft noch unter den Corona-Folgen, Putin ließ die Ukraine beschießen, Baupreise und Zinsen explodierten.

Lehmkuhl macht keinen Hehl daraus, dass er mit Glück auf den letzten Drücker noch günstige Zinssätze einfahren konnte. Vier Millionen Euro stecken in dem Bau, sagt Lehmkuhl.

2023 begann der Bau des fünfstöckigen Wohn- und Geschäftshauses auf dem früheren Tankstellengelände an der Ecke Wittekindstraße/Karlstraße. Die offizielle Adresse lautet Wittekindplatz 8. Die Außenanlagen werden in diesen Wochen vollendet, in einem halben Jahr wird auch der Innenausbau erledigt sein. Zum Juli und August werden die Ankermieter einziehen.

Im Erdgeschoss wird das Augenzentrum Bad Rothenfelde eine Augenarztpraxis eröffnen. Sie zieht von der Lortzingstraße in den Neubau am Wittekindplatz um. Auf einer Nutzfläche von gut 280 Quadratmetern entstehen vier Behandlungszimmer mit einer „hochwertigen apparativen Ausstattung auf höchstem Niveau“, wie das Augenzentrum auf Anfrage mitteilt. Mit dem Umzug werde ein „klares Zeichen für eine zukunftsorientierte Patientenversorgung mitten in der Stadt“ gesetzt.

Das erste Obergeschoss wird ein Facharzt für Mund- und Kieferchirurgie besetzen. Den Namen gibt Investor Lehmkuhl noch nicht preis.

Ab September 2026 will Lehmkuhl mit der Vermarktung der Wohnungen beginnen. 15 Wohnungen und ein Penthouse mit jeweils 60 bis 80 Quadratmetern stehen dann bereit.

Das Wohn- und Geschäftshaus hat der Ibbenbürener Architekt Werner Lürwer entworfen. Dass der Neubau fünf Geschosse hat, ist das Ergebnis eines Gutachterverfahrens, das die Stadt 2015 veranstaltete, um dem Quartier am Berliner Platz neue Impulse zu geben. Eine der Vorgaben war, dass die Sichtachse auf den ehemaligen Hannoverschen Bahnhof erhalten bleibt. Deshalb springt die Gebäudekante an der Straßenecke etwas zurück. Die Tiefgarage des Hauses reicht dagegen bis unter den Gehsteig.

Städtebauliches Ziel ist es auch, die Baulücke zwischen Lehmkuhls Neubau und dem Eckhaus am Berliner Platz Nr. 1 zu schließen. Vor allem der frühere Stadtbaurat Frank Otte hatte auf den Lückenschluss gedrängt, konnte die Investoren aber nicht überzeugen.

Das Haus am Berliner Platz 1 ist inzwischen teilsaniert. Die einst grüne Fassade ist durch eine weiße, wärmedämmende Fassade ersetzt worden. Im unsanierten Urzustand zeigt sich dagegen noch das Erdgeschoss, in dem einst Matratzen-Concord und später die „Mobile Zukunft“ der städtischen Verkehrsabteilung untergebracht waren. Wir haben beim Eigentümer aus Münster mehrfach angefragt, wie die weiteren Pläne sind. Eine Antwort blieb aus.

 

Das spektakulärste Projekt am Berliner Platz ist ein elfstöckiger Geschäfts- und Wohnturm, den die Depot Metropolis Grundbesitz GmbH aus Osnabrück an der Ecke Goethering/Wittekindstraße errichten will. Der vorhabenbezogene Bebauungsplan ist rechtskräftig. Der Durchführungsvertrag sieht vor, dass das Objekt spätestens 54 Monate nach Rechtskraft des Bebauungsplans (15. Dezember 2024) fertiggestellt sein muss. Das wäre im Juni 2029.

Für das Erdgeschoss und erste Obergeschoss sind Einzelhandel, Büros oder Praxen vorgesehen. In den Geschossen zwei bis vier soll ein Boardinghouse mit Mikrowohnungen entstehen. In den Geschossen fünf bis zehn im Turm sind Mietwohnungen in verschiedenen Größen geplant.

Der Masterplan Innenstadt, den die Stadt 2019 entwickelt hat, bezeichnet den Berliner Platz ausdrücklich als sogenannten „Hochpunkt“. Das sind Orte, die stadtplanerisch geeignet sind, die Häuser in die Höhe wachsen zu lassen. Weitere Hochpunkte wären laut Masterplan auf dem Stresemann-Platz – der Parkplatz zwischen Goethering und Möserstraße – sowie auf der dreieckigen Fläche vor dem Gewerkschaftshaus in der Nähe des Bahnhofs denkbar.

Ein weiteres Großprojekt am Berliner Platz liegt dagegen weiterhin auf Eis. Die Osnabrücker Parkstätten-Betriebsgesellschaft (OPG) hatte geplant, auf dem Parkplatz ein Parkhaus sowie ein Wohn- und Geschäftshaus zu errichten. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hatten sich nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine 2022 aber so dramatisch verschlechtert, dass die OPG die Pläne in die Schublade legte. Dort liegen sie immer noch.

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