Kolumne „Frau am Freitag“ Wifey-Material statt Wintersport-Queen

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Eine Kolumne von Kristina Groeneveld
| 20.02.2026 09:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Bei den Olympischen Winterspielen werden bewundernswerte Leistungen gezeigt. Peter Kneffel/dpa
Bei den Olympischen Winterspielen werden bewundernswerte Leistungen gezeigt. Peter Kneffel/dpa
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Bei den Olympischen Winterspielen zeigen Athletinnen wie Einkunstläuferin Anastasia Gubanova starke Leistungen. Und trotzdem geht‘s um ihren Beziehungsstatus. Ein Unding, findet die Frau am Freitag.

Wintersport ist nicht so mein Ding – dachte ich jedenfalls. Doch in diesem Jahr bleibe ich öfter als erwartet bei der Übertragung der Olympischen Winterspiele hängen. Mein bisheriger Favorit der Wintersportdisziplinen, die ich bisher nicht kannte: Ski Freestyle Big Air.

Auf der Olympia-Webseite wird diese Disziplin wie folgt beschrieben: „Beim Big Air fahren die Athletinnen und Athleten eine Piste hinunter zu einer riesigen Schanze, von der aus sie in die Luft springen, Tricks ausführen und landen.“

Ich schaltete ein, als eine Athletin dabei war, auf ihren Skiern rückwärts die Rampe hinunterzurasen, im Flug mehrere Salti zu machen und dann – wieder rückwärts – auf ihren Skiern zu landen. Wer wäre da bitte nicht beeindruckt?

Leider, so musste ich feststellen, sind manchen männlichen Kommentatoren bei der Berichterstattung der Frauen-Wettbewerbe neben der Leistung noch ganz andere Dinge wichtig. Nehmen wir das Beispiel Eiskunstlauf. Die Georgierin Anastasia Gubanova erreichte mit ihrer Kür fabelhafte 71,77 Punkte und damit ihre persönliche Bestleistung. Und wer sich ein wenig mit Eiskunstlauf auseinandergesetzt hat, weiß, wie viele Jahre hartes Training nötig sind, um so eine Leistung abrufen zu können. Das weiß der Kommentator des Wettbewerbs vermutlich auch, für ihn zählt aber etwas anderes: „Meine Herren, sie ist leider bereits vergeben. Sie ist mit einem finnischen Eiskunstläufer verheiratet“, verkündet er – und zeigt damit, welchen Stellenwert diese Ausnahme-Eiskunstläuferin für ihn als Mann hat. Was soll uns diese Information sagen? Dass Männer seiner Meinung nach nur bei den Eiskunstlauf-Wettbewerben der Frauen einschalten, um heiße junge Frauen in knappen Kleidchen übers Eis flitzen zu sehen? Ein Armutszeugnis, nicht nur für den Kommentator.

Und ja, natürlich sind nicht alle Kommentatoren so. Aber es zeigt mal wieder, wie Frauen auch im Jahr 2026 von vielen Männern gesehen werden: Wifey-Material (Ehefrauen-Material) statt Wintersport-Queen. Und bis sich daran etwas ändert, heißt es wohl weiterhin: tapfer bleiben!

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