Recke  Nach Lanz-Kontroverse: Daniel Günther begeistert Bierzelt mit Söder-Sticheleien

Sophie Handl
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Von Sophie Handl
| 19.02.2026 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hauptredner und Stargast beim 23. politischen Aschermittwoch in Recke war Daniel Günther. Foto: Jakob Rüter
Hauptredner und Stargast beim 23. politischen Aschermittwoch in Recke war Daniel Günther. Foto: Jakob Rüter
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Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther servierte beim politischen Aschermittwoch in Recke norddeutschen Klartext – humorvolle Seitenhiebe an Unionskollegen und subtile Spitzen gegen Markus Lanz inklusive.

Im Bierzelt hinter dem Rathaus in Recke in Nordrhein-Westfalen ist es kuschelig – 1200 Stühle hat die CDU aufgebaut. Der Geruch von Bratwurst und Bier begrüßt die Gäste, der Musikverein Blau-Weiß Recke-Espel spielt ein Medley aus klassischen Volksliedern und modernen Klassikern.

Die örtliche CDU hat zum 23. Aschermittwoch geladen. 1600 Menschen sind gekommen. Als die Musik aufhört, ist klar: Gleich geht es los – und es wird sofort wieder laut.

Zum „Steigerlied“, der Hymne der Bergmänner, marschiert die CDU-Politprominenz ein. Allen voran der Hauptredner des heutigen Abends: Daniel Günther, Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzender von Schleswig-Holstein.

„Ihn kennen viele aus Funk und Fernsehen. Dort ist er präsent und meinungsstark“, sagte Martin Attermeyer, Fraktionschef der CDU Recke, beim Pressetermin im vergangenen Dezember, bei dem Daniel Günther als Hauptredner verkündet wurde, wie damals die örtliche Lokalzeitung berichtete.

Das war noch vor seinem Auftritt bei Markus Lanz im Januar dieses Jahres. Günther löste mit seinen Aussagen zu Medien eine Welle der Empörung aus. Der Ministerpräsident bezeichnete Online-Medienportale wie „Nius“ als Feinde und Gegner der Demokratie – man müsse sich gegen sie wehren. Auf Lanz’ Nachfrage, ob er damit auch Regulierungen, notfalls Zensur oder im Extremfall Verbote meine, antwortete der Ministerpräsident: „Ja“.

Tage später erklärte er sich in einem Facebook-Post: Sein „Ja“ sei auf das Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige bezogen gewesen: „Ein Verbot oder eine Zensur von Medienportalen habe ich zu keinem Zeitpunkt thematisiert“, schreibt er in dem Beitrag.

Einige Besucher sind nur für Günther gekommen. Wer sie konkret nach den Erwartungen an seine Rede fragt, hört: Etwas zu Nius, zu Lanz, zum Skandal. Der Ministerpräsident wird nicht enttäuschen.

Als Erster ans Rednerpult tritt der Recker Fraktionsvorsitzende Christian Tasche. Er begrüßt die gesamte Politprominenz – die Bühne ist gut besetzt – und hält sich kurz: „Keiner ist heute gekommen, um mich zu hören, außer vielleicht meine Frau.“

Moderieren wird zum letzten Mal Sebastian Goeke. Erst vor Kurzem hat er sein Amt an Tasche abgegeben. Der erste Redebeitrag kommt von Christina Schulze Föcking, Vorsitzende des Kreisverbands Steinfurt. Sie lobt die Erfolge der CDU in NRW in den Bereichen Bildung und Sicherheit und findet, Günther passe als Schleswig-Holsteiner „richtig gut“ zu den Westfalen: „Wir sind nicht für große Worte bekannt, aber wenn wir etwas sagen, dann gilt das. Du bist heute hier unter mentalen Landsleuten.“

Der Hauptredner und Stargast eröffnet seine Zeit am Rednerpult: „Für mich ist es ein besonderer Moment in diesem großen Festsaal sprechen zu dürfen. So viele Einwohner haben wir bei uns in Schleswig-Holstein gar nicht, wie hier sind“, sagt Günther. Begeisterter Applaus, die ersten Lacher hat er sich gesichert.

Der Aschermittwoch läutet die Fastenzeit ein – und Günther ruft zum Fasten auf, auf Basis des achten Gebots: Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Es wäre doch schön, wenn sich der Umgang untereinander wieder verbessern würde. Es gebe eine „absolute Rückwärtsentwicklung“, wie man miteinander umgeht.

„Alle sollen sich die Mühe machen, nichts Falsches über ihre Mitmenschen zu sagen, einander nicht gegenseitig misszuverstehen. Man sollte in Deutschland wieder in einen positiven Dialog miteinander kommen“. Ein Verweis auf seinen Talkshow-Auftritt? Im Anschluss an die Veranstaltung sagt Günther der Redaktion, dass Lanz sicher ein „gutes Beispiel“ für diese Empfehlung sei.

Richtig politisch wurde es in seiner Rede allerdings nicht. Den einzigen richtigen Seitenhieb verpasste er Markus Söder und seiner Partei: „Als die CSU noch erfolgreich war“, seien Politiker zum politischen Aschermittwoch nach Passau gepilgert. „Heute muss Markus Söder nach Schleswig-Holstein kommen, damit er endlich wieder das Gefühl hat, in einem Land zu sein, wo die Union über 40 Prozent erzielt.“

Verabschiedet wird er trotzdem mit großem Beifall und rhythmischem Klatschen. Sein Auftritt scheint begeistert zu haben – mit klassischem norddeutschen Klartext.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann greift in seiner Redezeit das Thema Krankschreibung auf. „Krankfeiern und nicht krank sein ist Betrug und eine Sauerei“, sagt das CDU-Urgestein. Einem Kumpel, der das mache, müsse man „mal unter vier Augen deutlich die Ohren durchpusten“ – das gehe auch ohne Ohrenarzt.

Laumann stellt sich mit seinen Aussagen hinter Bundeskanzler Friedrich Merz und betont seine Unterstützung für den Kanzler. Kleiner Fakt am Rande: Merz war vor 22 Jahren der Hauptredner beim ersten politischen Aschermittwoch der CDU in Recke.

Am Ende der 23. Ausgabe stehen die Politiker ordentlich in einer Reihe auf der Bühne und singen begeistert die Nationalhymne, „wie es bei uns Tradition ist“, sagt Goecke. Begleitet vom Musikverein erheben sich alle im Saal.

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