Osnabrück Schließung der St.-Wiho-Kirche in Osnabrück: Emotionaler Abend in der Gemeinde in Hellern
Wo die Gläubigen fehlen, werden Gotteshäuser aufgegeben, verkauft oder gar abgerissen. Auch in Osnabrück ist die Kirche auf dem Rückzug: Zum Februar 2029 schließen Kirche und Pfarrheim St. Wiho. Bei einer Gemeindeversammlung in Hellern gab es Tränen.
Sogar an diesem trüben Februartag strahlt St. Wiho in Osnabrücks Stadtteil Hellern. Von der Einweihung des markanten Baus im Jahr 1956 bis heute ragt der dunkle Turm als Orientierungspunkt zwischen den Wohnhäusern an den Straßen „Im Rott“ und „An der Wihokirche“ auf. Seit sieben Jahrzehnten hallen hier Glocken- und Orgelklänge wider. Doch damit wird bald Schluss sein: Die St.-Wiho-Kirche samt Pfarrheim wird im Februar 2029 geschlossen.
Der gesellschaftliche Paradigmenwechsel, er ist auch hier zu spüren. Jahr für Jahr kehren immer mehr Menschen der Kirche den Rücken zu. Zu Weihnachten ist das Gotteshaus gut besucht, zu Ostern auch. Für den Rest des Jahres gilt das nicht. Hinzu kommt, dass die kirchliche Immobilie saniert werden müsste – und dafür fehlt das Geld.
„So schwierig und schmerzhaft die Entscheidung ist, sie bedeutet nicht, dass es ab 2029 kein Gemeindeleben in St. Wiho mehr geben wird“, betonte Pfarrer Dr. Coffi Akakpo Anfang Februar. Und dennoch löste die Ankündigung über die bevorstehende Schließung bei vielen Kirchenmitgliedern Emotionen aus.
Am Donnerstagabend, 19. Februar, fand ein „Runder Tisch“ statt. Um sich zu informieren, Fragen zu stellen oder mitzudenken über Profanisierung, Verkauf oder Abriss. Etwa 40 Helleraner waren der Einladung gefolgt und hatten einige Fragen. „Warum ausgerechnet St. Wiho? Wir haben doch alles gegeben, mehr als manch andere Gemeinde, die alles behalten darf. Zählt das denn alles nicht? Wo bleibt die Solidarität?“ Viele der Redner sprachen mit tränenerstickter Stimme, manche waren wütend, andere traurig oder einfach nur sprachlos.
Kein Wunder, war doch schon so mancher beim Bau des Gebäudes dabei. Oder hat mitgefeiert bei den legendären Partys im Jugendkeller. In der Kirche geheiratet oder viel Geld gespendet. „Zwei Wochen vor Bekanntgabe der Schließung erhielt ich noch einen Brief mit der Aufforderung, einen Beitrag zum Gemeindeetat zu leisten“, berichtete ein Anwesender und gestand, die Wut sei da bei ihm schon hochgekocht. Nun wünsche er sich, dass die Kirche als Anlaufpunkt erhalten bleiben wird. „Es ist doch schade, wenn so ein Gebäude über die Wupper geht“, resümierte er und erhielt Beifall.
Beklagt wurde auch die fehlende Unterstützung des Bistums, das eher auf die Kosten schaue und nicht darauf, dass die Kirche samt der Gemeinde für so manchen zur Heimat geworden ist. Aber es war auch Optimismus und Hoffnung zu spüren. „Negativität bringt uns nicht weiter. Wir müssen nach vorne schauen und nicht Räumlichkeiten, sondern die Gemeinde erhalten“, warf eine junge Frau ein. Auch sie erhielt Applaus.
Denn Fakt ist: Auch wenn die Kirche auf dem Rückzug ist, die Gemeinde bleibt – und entwickelt sich vielleicht zu einer neuen Gemeinschaft weiter. Ökumenisch mit der Emmaus-Gemeinde. Oder katholisch mit der Pfarrei St. Elisabeth Osnabrück. Die Rückertstraße ist 2,4 Kilometer von St. Wiho entfernt.
Vielleicht brachte es ein älterer Herr nach 90-minütiger Diskussion auf den Punkt: „Trauer braucht seine Zeit. Und dennoch sollte man sich fragen: Wo geht es weiter und was kann ich selbst dafür tun?“ Und dann zitierte er Hermann Hesse: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Bei dem ein oder anderen blitzte sie klein und unsicher auf: die Hoffnung, dass es weitergehen und man es gemeinsam schaffen kann.
Zwei Arbeitsgemeinschaften sollen nun gebildet werden. Sie befassen sich damit, wie man weiterhin katholisch in Hellern sein und wie die Nachnutzung des Gebäudes aussehen kann. Wer Ideen hat oder helfen möchte, darf sich gerne im Pfarrbüro melden.