Osnabrück Freiheit für die Ukraine: Osnabrücker Künstler parkt zerschossenes Auto vor Freiheitsstatue
Am vierten Jahrestag des Überfalls Russlands auf die Ukraine hat der Osnabrücker Künstler Volker-Johannes Trieb in Colmar in Frankreich ein stilles Zeichen gesetzt. Ein vom Krieg gezeichnetes Auto parkt zu Füßen der Freiheitsstatue. Was es damit auf sich hat.
In den frühen Morgenstunden des 24. Februar hat der Osnabrücker Aktionskünstler Volker-Johannes Trieb die Menschen in Colmar überrascht. Auf einer Verkehrsinsel platzierte Trieb ein zerschossenes ukrainisches Auto vor einer Nachbildung der New Yorker Freiheitsstatue. Er wolle damit am Jahrestag des Überfalls Russlands auf die Ukraine ein „stilles, aber eindringliches Zeichen für die Freiheit Europas“ setzen, teilte Trieb mit.
Der Osnabrücker Künstler hat das Fahrzeug bereits zu vorangegangenen Jahrestagen als automobiles Mahnmal eingesetzt. Am zweiten Jahrestag 2024 stand es am Denkmal der sowjetischen Toten des Zweiten Weltkrieges in Berlin und am dritten Jahrestag 2025 vor der russischen Botschaft, ebenfalls in Berlin.
Nun lud das Trieb-Team das von Kugeln durchsiebte Auto vor der Freiheitsstatue in Colmar, Frankreich, ab. Der Bildhauer der „Statue de la Liberté“, Frédéric-Auguste Bartholdi, ist in Colmar geboren. In Erinnerung an den Schöpfer der weltberühmten Figur stellte die Stadt 2004 eine verkleinerte Kopie in die Mitte einer wichtigen Verkehrsinsel.
Auch dieses Mal hatte Trieb die Aktion nicht angekündigt und auch keine Genehmigung eingeholt. Den künstlerischen Eingriff in den öffentlichen Raum will er als „stillen Appell an Politik und Gesellschaft“ und Zeichen der Solidarität mit der Ukraine verstanden wissen. Die französischen Behörden schritten nicht ein. Sie erlaubten es Trieb, das Auto bis Samstag vor der Freiheitsstatue stehen zu lassen.
Frankreich hat die Freiheitsstatue den USA zum hundertsten Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung von 1776 zum Geschenk gemacht. Sie wurde 1886 in der Hafeneinfahrt von New York enthüllt. „Als französisch-amerikanisches Gemeinschaftswerk steht sie bis heute nicht nur für die Freiheit der USA, sondern für ein transatlantisches Freiheitsversprechen, das Europa nach 1945 geprägt hat und dessen Verteidigung heute erneut herausgefordert ist“, heißt es in einer Erklärung, die Volker-Johannes Trieb am Dienstag verbreitete.
Im Innern des zerschossenen Autos befinden sich Spiegel. Wer in das Fahrzeug blickt, sieht sich selbst. Damit werde jede Betrachterin und jeder Betrachter ein Teil der Installation und müsse sich die Frage stellen, was Freiheit heute bedeute und wer bereit sei, diese zu verteidigen, so Trieb weiter. Ein Trauerkranz in den Farben der Ukraine ergänzt die Installation und erinnert an die Opfer des Krieges.
„Die Freiheit, in der wir heute leben, ist keine Selbstverständlichkeit“, so Trieb. „Sie wurde uns nach 1945 von den Alliierten zurückgegeben und sie wird heute in der Ukraine verteidigt. Wer in dieses Auto schaut und sich selbst sieht, soll begreifen: Diese Freiheit geht uns alle an.“
Das Fahrzeug wurde mit Unterstützung des Vereins „Meckenheim hilft“ aus der Ukraine nach Deutschland gebracht und jetzt nach Frankreich transportiert.