Osnabrück  Komponist mit Osnabrücker Spuren: Die Lortzing-Biografie von Stefan Lüddemann

Ralf Döring
|
Von Ralf Döring
| 24.02.2026 15:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Launiger Biograf: Stefan Lüddemann stellt in der Freimaurerloge „Zum Goldenen Rade“ seine Biografie über Albert Lortzing vor. Foto: Thomas Osterfeld
Launiger Biograf: Stefan Lüddemann stellt in der Freimaurerloge „Zum Goldenen Rade“ seine Biografie über Albert Lortzing vor. Foto: Thomas Osterfeld
Artikel teilen:

Es ist nicht leicht für Albert Lortzing: Der Komponist ist, als biedermeierlich verschrien, in der Versenkung verschwunden. Doch der Kulturjournalist und Autor Stefan Lüddemann hat nun eine Biografie geschrieben – als Ehrenrettung.

Der große Saal im ersten Stock des Lortzinghauses dient diesmal gewissermaßen als Theaterarena. Die Gäste sitzen links und rechts an den Wänden, die Bühne aber gehört Stefan Lüddemann. Am akustisch optimalen Punkt des Saales steht er und liest ein Kapitel aus seinem neuesten Buch „Albert Lortzing – Freimaurer und Freiheitssucher“, nämlich den Abschnitt über den Künstler Lortzing.

Lüddemann will dieses Buch weniger als Biografie verstanden wissen, als vielmehr als Plädoyer für einen zu Unrecht vergessenen Komponisten und Künstler. So betreibt Lüddemann eine Art Ehrenrettung für den Schauspieler, Sänger, Komponisten und Librettisten. Vor allem aber war Lortzing zeitweilig ein Wahl-Osnabrücker, der mit seiner Theatertruppe aus Detmold in der Stadt gastierte und regelmäßig die Osnabrücker Freimaurer-Loge „Zum Goldenen Rade“ besuchte.

Seine Opern datieren allerdings aus Lortzings Zeit nach Osnabrück: Mit „Zar und Zimmermann“, „Der Wildschütz“ oder „Der Waffenschmied“ schrieb er Werke, die eine Zeitlang durchaus als Repertoire-Hits galten Doch in den letzten Jahren ist es still geworden um Lortzing: Zu eingängig und zu biedermeierlich, lauten die Vorwürfe.

Hier setzt Lüddemanns Buch an: Der ehemalige noz-Kulturchef holt ihn aus der biedermeierlichen Ecke und macht ihn, wie es der Untertitel seines Buches sagt, zum „Freiheitssucher“, zum Protagonisten des deutschen Vormärz. Unter besonderer Berücksichtigung der freimaurerischen Aktivitäten.

Deshalb ist es auch kein Zufall, dass Lüddemann das Buch in seiner Loge vorstellt: Für sie hat Lortzing acht Lieder und eine Kantate komponiert – die originalen Handschriften Lortzings zählen zum wertvollsten Besitz der Osnabrücker Loge.

Im Gespräch mit Thorsten Westhoff, Meister zum Stuhl der Loge, also deren Vorsitzender, erläutert Lüddemann zunächst seine Beweggründe, dem vergessenen Komponisten eine Biografie zu widmen. „Lortzing hat nichts Eingestaubtes“, sagt Lüddemann da, „er steht nicht auf dem Sockel, sondern war ein Praktiker, den man auf der Straße treffen könnte.“

Eine „Blickumkehr“ habe er vorgenommen, um Lortzing aus der „Puppenstube des Biedermeier“, jener angeblich so unpolitischen Epoche, herauszuholen. Ein „Barrikadenkämpfer“ sei er zwar nicht gewesen, so Lüddemann. Aber Lortzing habe die Ideale einer Bürgergesellschaft vertreten, die adlige Autoritäten nicht mehr brauche. Lortzing habe seine persönliche Freiheit gesucht, wobei Freiheit gleichzeitig „Verantwortung füreinander“ bedeute.

Ein „Genie im Sinne von Beethoven“ war Lortzing auch nicht; überhaupt bediene er nicht die „Erwartungen von einer Künstlerfigur“, stellt Lüddemann fest. Stattdessen war er der Praktiker, der sein Geld, unter anderem, als Kopist verdiente und eben als Schauspieler und Sänger. Und da es Mitte des 19. Jahrhunderts noch kein Urheberrecht im heutigen Sinne gab, gab es für seine Opern keine Einnahmen aus Tantiemen für Wiederaufführungen.

Dabei arbeitet Lüddemann heraus, wie wegweisend Lortzings Ideen waren – bis heute. So schreibt Lüddemann von „Zar und Zimmermann“ als der „Werft-Oper“, als sei Lortzing ein Vorläufer der Agit-Prop-Oper des 20. Jahrhunderts. Er nennt den „Wildschütz“ die „Gender-Oper“, „Regina“ die „Reform-Oper“.

So unterstreicht Lüddemann, wie zeitlos Lortzing als Mensch und Musiker ist – und wie richtig es ist, dass seine Werke in Leipzig und Berlin auf die Bühne zurückfinden, passend zum Lortzing-Jahr 2026, in dem die Musik- und wohl auch die Freimaurerwelt den 225. Geburts- und den 175. Todestag begeht. Der Beginn einer Lortzing-Renaissance? Verdient hätte er es – sagt Stefan Lüddemann und überzeugt damit seine Zuhörer im Lortzinghaus.

Ähnliche Artikel