Osnabrück 20 Monate Vollsperrung der Mindener Straße – Stadt Osnabrück: Geht halt nicht anders
Im Sommer dieses Jahres beginnt die Sanierung der Mindener Straße in Osnabrück. 20 Monate wird die Straße hierfür abschnittsweise voll gesperrt. Einige Anwohner meinen weiterhin: Das müsse doch auch anders gehen.
Sieben Jahre. So lange soll die Sanierung der Mindener Straße in Osnabrück dauern. Allein für den ersten der drei Bauabschnitte wird die Straße 20 Monate abschnittsweise voll gesperrt. Bei einem Pressegespräch erläuterte die Stadt jetzt ein weiteres Mal, warum das unumgänglich sei. Denn weiterhin befürchten Anwohner Gefahren und Chaos auf Schleichwegen.
In drei Bauabschnitten erfolgt die Sanierung. Der erste erstreckt sich vom Stadtweg/Burg Gretesch bis Auf dem Winkel. Im Sommer sollen diese Arbeiten starten und 20 Monate dauern – also bis ins erste Quartal 2028.
Wozu das Ganze? Die Stadtwerke tauscht nahezu alle Versorgungsleitungen sowie die Straßenbeleuchtung aus. Die Stadt erneuert die marode Fahrbahn und möchte die Bedingungen für den Fuß- und Radverkehr verbessern.
Der erste Bauabschnitt wird wiederum in Unterbauabschnitte unterteilt, damit Anlieger und Gewerbetreibende weitestgehend zu ihren Grundstücken kommen.
Für Autofahrer wird sich nicht viel ändern. Ihre Fahrbahn wird von aktuell sieben Metern auf 6,50 Meter reduziert.
Der Stadt zufolge würden die Bedingungen für Radfahrer und Fußgänger „optimiert“. Für sie werden mindestens 2,50 Meter breite gemeinsame Geh- und Radwege gebaut. Aktuell gibt es dort getrennte Geh- und Radwege. Für Radfahrer bedeutet das künftig im Zweifelsfall: Schrittgeschwindigkeit. Viele Radfahrer dürften darin keine „Optimierung“ erkennen.
Volkmar Seliger (Grüne) etwa hatte deswegen im Dezember im Stadtentwicklungsausschuss für Gehwege mit „Fahrrad frei“ plädiert. Radfahrer dürften dann auf der Fahrbahn fahren, Piktogramme sollten auf sie hinweisen.
Seligers Wunsch bleibt ein Wunsch: Der angekündigte gemeinsame Geh- und Radweg werde kommen, bestätigte jetzt René bei der Sandwisch, Leiter des Fachdienstes Verkehrsanlagen.
Platz für abgetrennte Radwege hat die Stadt nicht. Anwohner wollten Teile ihrer Grundstücke hierfür nicht verkaufen – teilweise aufgrund lächerlich geringer Angebote, ist von diesen zu hören.
Im jüngsten Bürgerforum forderten Anwohner ein weiteres Mal, die Vollsperrung zu vermeiden. Auch der Bürgerverein Darum-Gretesch-Lüstringen schlägt vor, den Verkehr einspurig an der Baustelle vorbeizuführen. „Uns leuchtet nicht ein, warum [...] keine ampelgeregelte einspurige Verkehrsführung möglich sein soll“, schreibt der Verein Stadtbaurat Thimo Weitemeier. Das Schreiben liegt unserer Redaktion vor.
Die Stadtverwaltung hatte das vielfach erklärt, Heiko Wellmeyer vom Fachdienst Straßenverkehr und ‑verwaltung tat dies jetzt ein weiteres Mal. Die Kurzform: Dafür ist nicht genug Platz. Drei Meter sollte die eine Spur dann breit sein, doch das sei praktisch nicht möglich.
Theoretisch hingegen schon, gäbe es da nicht Arbeitsschutzrichtlinien. Die untersagen, den Verkehr zu dicht an der Baustelle vorbeizuführen. Würde er die einspurige Führung an der Baustelle vorbei unterschreiben, säße er „schon mit einem Bein im Knast“, versicherte Wellmeyer.
Weiteres Problem bei nur einer halbseitigen Sperrung: Es würde sich ein „riesengroßer Rückstau“ bilden, erläuterte Bauleiterin Monika Kruse. Und im Bereich des Bahnübergangs könnte das durchaus gefährlich werden. Nicht zuletzt sei es „fachlich nicht umsetzbar“, derart viele Autos an einer 80 Zentimeter tiefen Baugrube vorbeifahren zu lassen.
Überdies würden die Bauarbeiten bei einer halbseitigen Sperrung noch länger dauern, hatte die Verwaltung bereits vor Monaten erklärt.
Mit Sorge betrachtet der Bürgerverein die „verkehrlichen Auswirkungen“. Bei 15.000 Fahrzeugen täglich auf der Mindener Straße sei „weiterhin ungeklärt, wohin sich tausende Fahrzeuge verlagern werden“.
Offiziell wird der Kfz-Verkehr über die Darumer und Belmer Straße umgeleitet – ein acht Kilometer langer Umweg. Anwohner befürchten daher, dass viele Autofahrer Schleichwege nutzen werden, insbesondere in die Wohnstraßen mit Schule, Kindergarten und Seniorenheim.
Die Stadt sei sich des Problems möglicher Verkehrsverlagerungen auf Schleichwege bewusst. Und auch: Den betroffenen Anwohnern „tut das weh“, sagte Wellmeyer.
Er versicherte: „Wir werden das im Blick behalten und gegebenenfalls eingreifen.“ Denkbar seien verkehrsberuhigende Maßnahmen durch etwa Schikanen und Temporeduzierungen. Wellmeyer weiß aber auch: Ein gewisses Maß sei von den Anwohnern zu dulden.
In einer Zahl bedeutet dieses Maß: Als oberer Richtwert gelten in Wohnstraßen rund 400 Fahrzeuge pro Stunde in der Spitzenzeit als grundsätzlich noch verträglich.
Die Stadt versicherte noch, alles daran zu setzen, die Bauarbeiten möglichst kurz zu halten. Vorgesehen sind eine Sechstagewoche, das Ausnutzen des Tageslichts sowie ein Bonus bei vorzeitiger Fertigstellung, erläuterte bei der Sandwisch.
Dann wäre da noch das Informationsbedürfnis: Einige Anwohner und Gewerbetreibende fühlten sich schlecht informiert, berichtete Stadtsprecher Simon Vonstein. Die Stadt weist diesen Vorwurf entschieden zurück. Auf diversen Kanälen habe sie über die Baustelle informiert. Im November habe es ferner drei Informationsveranstaltungen gegeben – eine gesondert für Unternehmer –, für die die Stadt 1700 Briefe an Anlieger verschickt habe.
Nach der Baustelle ist vor der Baustelle: Für alle drei Bauabschnitte sind insgesamt sieben Jahre vorgesehen. Ob auch die beiden anderen Bauabschnitte unter Vollsperrung erfolgen, ist noch nicht ausgemacht.