Osnabrück Vogelgrippe-Verdacht im Osnabrücker Zoo: Müssen nach den Nandus jetzt weitere Tiere sterben?
Amtlicher Geflügelpest-Verdacht am Schölerberg: Drei Nandus sind tot, der Bereich wird desinfiziert. Der Zoo Osnabrück fiebert dem offiziellen Untersuchungsergebnis entgegen – bei rund 200 Vögeln steht viel auf dem Spiel.
Am Freitag, 20. Februar 2026, hat der Veterinärdienst für Stadt und Landkreis Osnabrück einen amtlichen Verdacht auf Vogelgrippe festgestellt. Ein verstorbener Nandu trug das Virus der Aviären Influenza in sich. Ob es sich um die hochpathogene Form der Geflügelpest handelt, prüft das Friedrich-Loeffler-Institut in Greifswald. Das Ergebnis soll in Kürze vorliegen.
Aus Gründen des Seuchenschutzes mussten die übrigen Nandus im Zoo Osnabrück noch am Freitag eingeschläfert werden. Unmittelbar danach leitete der Zoo Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen im betroffenen Bereich ein.
Zuletzt bestand die Nandu-Gruppe aus drei Tieren: zwei Weibchen (geschlüpft 2008 und 2020) und einem Männchen (geschlüpft 2020). Das älteste Tier lebte seit dem Jahr seiner Geburt im Zoo Osnabrück, die beiden jüngeren seit 2021 (sie) und 2023 (er). Insgesamt wurde die südamerikanische Laufvogel-Art seit mehreren Jahrzehnten gehalten.
Nandus leben in den Grassteppen und Weidelandschaften Argentiniens, Uruguays und Nordbrasiliens. Die Weltnaturschutz-Organisation IUCN stuft die Art als „potenziell gefährdet“ ein. Grund dafür ist der Verlust ihres natürlichen Lebensraums. Nandu-Bestände in menschlicher Obhut gelten als gesichert.
Seit Herbst 2025 bereitete sich der Zoo auf eine mögliche Einschleppung vor. Ein Teil des Vogelbestands wurde aufgestallt. Das heißt: Die Tiere zogen in Innenbereiche oder überdachte Anlagen um. Fütterungen gibt es nur noch im Stall. Einfliegende Wildvögel werden in Abstimmung mit dem Veterinärdienst tierschutzgerecht vergrämt.
Zudem teilte der Zoo gefährdete Bereiche in Abschnitte, sogenannte Kompartimente. Diese sollen eine Übertragung der Krankheit zwischen Tierarten verhindern. Mitarbeiter passieren Desinfektionsschleusen und tragen Schutzkleidung sowie Masken. Auch Futterwege und Abläufe trennte der Zoo klar, um eine Kreuzkontamination zu vermeiden.
Die genaue Ursache ist unklar. Als wahrscheinlich gilt ein Eintrag durch Wildvögel. „Trotz der umgesetzten Präventionsmaßnahmen kann ein Restrisiko leider nicht vollständig ausgeschlossen werden“, erklärt der Zoo Osnabrück.
Im Zoo Osnabrück leben zurzeit rund 200 Vögel aus 39 verschiedenen Arten. Mit Ausnahme des verstorbenen Nandus wurde bislang bei keinem weiteren Tier das aviäre Influenzavirus nachgewiesen. Eine Ausbreitung lässt sich allerdings nicht ausschließen. Es finden weitere Testungen der gehaltenen Vögel statt.
Dass der gesamte, artenschutzrechtlich bedeutsame Vogelbestand durchseucht wird oder vorsorglich getötet werden muss, hält der Zoo aktuell für unwahrscheinlich.
Ja. Eine unmittelbare Ansteckungsgefahr für Besucher besteht nach Angaben des Zoos nicht. Dennoch wurden vor einigen Vogelvolieren Wege gesperrt – „aus tierseuchenhygienischen Gründen“.
Auf die Einrichtung einer Schutz- und Überwachungszone rund um den Osnabrücker Zoo hat der Veterinärdienst nach amtlicher Risikobewertung bislang verzichtet. Für Geflügelhalter in der Nachbarschaft gelten daher keine zusätzlichen Auflagen.
Peta fordert, die Vogelhaltung am Schölerberg vollständig zu beenden. „Wären im Zoo Osnabrück keine Vögel eingesperrt, wäre es nie zur Tötung der beiden Nandus gekommen“, sagt Dr. Yvonne Würz von Peta.
Die Tierrechtsorganisation erinnert daran, dass das Friedrich-Loeffler-Institut schon im November 2020 vor einem erhöhten Risiko für Zoos und Tierparks gewarnt habe. Das Virus könne etwa über verunreinigte Schuhe oder Streu verbreitet werden. Beim Vogelgrippe-Ausbruch 2015 seien in Zoos in Mecklenburg-Vorpommern schätzungsweise 300 Vögel getötet worden.