Handel 25 Euro fürs Stöbern – kommt das auch nach Aurich?
Beratung vor Ort, Kauf im Internet. Für Einzelhändler ist das ein Problem, denn Beratung bringt kein Geld. Einige Läden ändern das nun mit einer Beratungsgebühr. Das sagen Auricher Einzelhändler dazu.
Aurich - Es ist ein bekanntes Problem für viele Einzelhändler: Kunden kommen in den Laden, lassen sich beraten und kaufen dann doch lieber für einen günstigeren Preis im Internet. Das kann gerade kleineren Geschäften mit der Zeit zusetzen, denn an der Beratung verdienen sie nichts. Ein Schulranzengeschäft in Hagen (Nordrhein-Westfalen) sagt diesem Problem mit einer simplen Lösung den Kampf an: Die Beratung ist eben nicht mehr kostenlos. 25 Euro kostet sie jetzt. Wer dann einen Ranzen kauft, bekommt das Geld wieder gutgeschrieben. Ist das auch eine Maßnahme für den Auricher Einzelhandel?
Das wohl bekannteste Schulranzengeschäft in Aurich ist Abag by Abegg in der Osterstraße. Geschäftsführerin Alexandra Schneemilch kennt sich in der Branche gut aus. Die Maßnahme des Hagener Geschäfts kann sie gut nachvollziehen. „Wenn dieses Problem eben wirklich häufig auftritt, dann finde ich das absolut gerechtfertigt“, sagt sie. „Aber bei uns kennen wir das zum Glück nicht.“ Da bei Abag viel mit Terminen gearbeitet wird, kommen die Kunden gezielter in den Laden, so Schneemilch. „Die Leute, die sich bei uns beraten lassen, kaufen in der Regel auch einen Ranzen.“ Und selbst wenn sie dieses Problem in ihrem Laden beobachten würde, käme so eine Gebühr in ihrem Laden für sie nicht infrage. „Ich respektiere das total, dass andere Läden das machen, aber ich würde das nie tun.“
Gebühr ist für viele Einzelhändler nachvollziehbar
Etwas anders sieht das Susanne Kranz, Inhaberin der Buchhandlung am Wall. Auch hier tritt dieses Kaufverhalten bisher noch nicht häufig auf, aber falls das passieren sollte, hält Kranz eine Gebühr für eine angemessene Lösung. „Ganz abwegig finde ich so eine Maßnahme nicht“, so Kranz. „Man tut dem Kunden ja nicht weh, wenn man das Geld am Ende wieder erstattet.“ Onlinehändler, so Kranz, müssen eben keine Mieten in der Fußgängerzone oder Schulungen von Personal bezahlen. Bücher sind zwar preisgebunden und kosten somit online und im Laden gleich viel. Doch der lokale Handel könnte trotzdem Schaden nehmen, wenn Kunden sich immer häufiger für das bequemere Online-Shopping entscheiden. „Die Beratung, die wir anbieten, ist eine Gebühr wert“, findet Kranz. Doch dank der vielen Stammkunden, die regelmäßig in der Buchhandlung am Wall einkaufen, sei so eine Maßnahme auch hier bisher nicht nötig.
Ein weiteres Produkt, das gerne online gekauft wird, sind Schuhe. Das ist Monika Gembler, Leiterin für Verkauf im Schuhhaus Gembler in Plaggenburg, ausreichend bekannt. „Bei uns ist das Gute, dass wir eben auch noch die Orthopädie bei uns im Haus haben“, so Gembler. In dem Schuhhaus in Plaggenburg werden nicht nur Schuhe verkauft, sondern auch orthopädische Produkte hergestellt und angepasst. „Wenn wir einfach nur ein Schuhhändler wären, gäbe es uns an diesem Standort bestimmt schon nicht mehr“, so Gembler. Die Laufanalyse, die im Schuhhaus Gembler angeboten wird, um den perfekten Laufschuh zu finden, kostet ohnehin schon Geld. Beim Kauf eines Paares Laufschuhe wird der Preis für die Analyse aber wieder gutgeschrieben. Die Beratung im klassischen Schuhhandel ist nach wie vor kostenlos. Dass Kunden nach der Beratung bei Gembler online kaufen, komme nur gelegentlich vor. „Wir beobachten das schon gelegentlich, aber ein großes Problem ist das bei uns noch nicht“, so Gembler. „Das mag auch ein bisschen unserem Standort geschuldet sein. Wir sind eben nicht in der Fußgängerzone, wo man einmal kurz in einen Laden hineingeht. Die Kunden kommen in der Regel schon gezielt zu uns.“ Nachvollziehen kann sie die Maßnahme einer Beratungsgebühr. Ob sie selber je eine einführen würde, könne sie aber nicht genau sagen.