Osnabrück  Hilfe für Opfer von sexueller Gewalt: Warum Osnabrücker Unternehmen Kinderbotschafter werden

Matthias Liedtke
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Von Matthias Liedtke
| 28.02.2026 15:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Vertreten ein Unternehmen von rund zwei Dutzend, die bereits Osnabrücker Kinderbotschafter geworden sind: Rabea Finken (links) und Thorsten Treidel (rechts) vom IT-Dienstleister CT Cloud Design. Foto: Matthias Liedtke
Vertreten ein Unternehmen von rund zwei Dutzend, die bereits Osnabrücker Kinderbotschafter geworden sind: Rabea Finken (links) und Thorsten Treidel (rechts) vom IT-Dienstleister CT Cloud Design. Foto: Matthias Liedtke
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Warum sind bislang rund zwei Dutzend Osnabrücker Unternehmen zu Kinderbotschaftern geworden? Was steckt hinter dem Begriff? Wir waren beim ersten Jahrestag der Initiative des Kinderschutzbundes dabei und haben nachgefragt.

Geld für neues Fachpersonal bei sexueller Gewalt in Osnabrück: Rund zwei Dutzend Unternehmen unterstützen als Kinderbotschafter den Kinderschutzbund Osnabrück. Sie finanzieren eine zusätzliche Stelle in der Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche, die Opfer von sexueller oder körperlicher Gewalt oder Vernachlässigung wurden. Beim ersten Jahrestag der Initiative in Osnabrück wurde deutlich, wie wichtig diese Unterstützung ist.

Kindern und Jugendlichen, die Opfer von sexueller oder sonstiger körperlicher Gewalt oder auch Vernachlässigung werden, kann oft nicht zeitnah geholfen werden. Der spezialisierten Beratungsstelle des Kinderschutzbundes Osnabrück fehlt es an Fachpersonal. Allerdings nicht mehr so sehr stark wie noch vor einem Jahr. Grund ist die Initiative „Kinderbotschafter“, die vor genau einem Jahr gestartet ist.

Diesen Titel erhalten Einzelpersonen oder Unternehmen, die sich für mindestens drei Jahre verpflichten, dem Kinderschutzbund einen Jahresbeitrag ab 1000 Euro zu zahlen. Seit dem Start der Hilfskampagne vor genau einem Jahr sind 23 Unterstützer zusammengekommen. Im vergangenen Oktober konnte aus den Spenden ein neuer Mitarbeiter mit 20 Wochenstunden eingestellt werden.

Dabei soll es nicht bleiben. Die Wochenstunden bereits beschäftigter Fachkräfte sollen erhöht werden. Außerdem ist geplant, im kommenden Jahr allein aus den Geldern der Kinderbotschafter eine weitere Stelle für die Soforthilfe über eine Notfall-Hotline zu schaffen.

Das sagte Aleksandra Alba Lopez, Mitarbeiterin des Kinderschutzbundes Osnabrück, bei der Veranstaltung zum einjährigen Jubiläum in den Räumen der Inlingua-Sprachschule in Osnabrück.

Für ein sportliches Unterhaltungsprogramm sorgten Sportjournalist Harald Pistorius und mehrere Vertreter des VfL Osnabrück. Mit dabei waren Ralf Heskamp, ehemaliger Spieler, Talent-Scout, Jugendtrainer und Geschäftsführer des VfL Osnabrück, sowie Joe Enochs, aktueller Sportchef und Rekordspieler des VfL Osnabrück.

Auch Thomas „Tommy“ Reichenberger, ehemaliger Spieler des VfL Osnabrück, war vor Ort. Er gehört neben Holger Schmitz, Lars Klenke und Gaby Altevogt, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Osnabrück, zu den Mitinitiatoren der Kinderbotschafter-Kampagne.

Die Verbindung zum VfL Osnabrück brachte auch erste Vertragsunterzeichnungen beim KSB. Der seit fünf Jahren in Osnabrück ansässige IT-Dienstleister CT Cloud Design, Sponsor der Lila-Weißen, ist Kinderbotschafter geworden.

Geschäftsführer Thorsten Treidel erklärt: „Kinder hätten die meisten der rund 40 Mitarbeiter.“ Als familienfreundlicher Arbeitgeber sehe sich das Unternehmen als geeigneter Multiplikator, um weitere Kinderbotschafter zu gewinnen.

Erst vor zwei Wochen hinzugekommen ist die 1967 gegründete Osnabrücker Firma Thermodyne, die maßgeschneiderte Transportverpackungen für technische Geräte fertigt.

Firmenchefin Anika Bätzel berichtet, ihre frühere Schulfreundin und KSB-Geschäftsführerin Gaby Altevogt habe ihr bei einem Abiturtreffen von dem Projekt erzählt. Bätzel, Mutter von drei Kindern, sagte sofort zu. „Diese Arbeit braucht Kontinuität“, begründet sie die Unterstützung mit 4000 Euro jährlich.

Die 1972 gegründete Osnabrücker Firma Kinnius engagiert sich ebenfalls als Kinderbotschafter. Geschäftsführer Rudolf Festag berichtet, der Kontakt zum Kinderschutzbund sei entstanden, als für einen Grillabend Essbares gebraucht wurde. Letztlich sei es aber Kinnius-Markenbotschafter Tommy Reichenberger gewesen, der die Sache eingetütet habe.    

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