Osnabrück Jazz im Dom: Wie die Caritas die Bigband der Bundeswehr nach Osnabrück lockte
Am Dienstag, 10. März, erlebt der Dom ein einzigartiges Konzert: Die Big Band der Bundeswehr und der Domchor Essen führen das „Sacred Concert“ von Duke Ellington auf. Die Erlöse fließen in den Stiftungsfonds „Kinder Zukunft geben“ der Caritas Gemeinschaftsstiftung.
Am Anfang war eine Kombination aus Zufall, Kontaktfreude und Neugierde. Wobei Ludger Abeln den Zufall betont: „Ich habe die Big Band der Bundeswehr auf Norderney gesehen“, sagt der Vorsitzende der Caritas-Gemeinschaftsstiftung Osnabrück im Gespräch mit der noz-Redaktion. „Bei der Gelegenheit habe ich Hauptmann Johannes M. Langendorf gefragt, ob die Big Band auch in Osnabrück spielen würde.“ Wird sie: am Dienstag, 10. März, im Dom.
Vorausgegangen war ein Anruf bei Abeln mit der Nachricht, „uns ist ein Konzert weggebrochen, habt Ihr Interesse?“ Das Interesse war da, und so wird die Caritas-Gemeinschaftsstiftung Osnabrück zum Veranstalter eines außergewöhnlichen Benefizkonzerts mit dem Sacred Concert von Duke Ellington. Aufführen werden unter der Leitung des Essener Domkapellmeisters Steffen Schreyer der Domchor Essen, die schwedische Sopranistin Margareta Bengtson und die Big Band der Bundeswehr.
Vor rund zehn Jahren habe der Chor dieses Werk erstmals mit der Bigband der Bundeswehr aufgeführt, sagt Schreyer. Jetzt kommt es zu einer Neuauflage der Kooperation, um den Kontakt zu der Formation zu pflegen, zum anderen, weil „Margareta Bengtson die beste Sopranistin ist, die man dafür kriegen kann“, sagt Schreyer. Vor allem aber passe dieses Werk aufgrund seiner sakralen Inhalte gut in eine Kirche.
„Unser Frieden ist bedroht wie noch nie in meiner Lebenszeit“, sagt Schreyer; deshalb werde es einen „spirituellen Anteil“ geben, für den der Bischof Dominicus höchstselbst in den Abend einbezogen wird. Eine Erweiterung, die Duke Ellington womöglich gefallen hätte: Ihm waren die spirituellen Inhalte wichtig, und er selbst sagte über seine „Sacred Concerts“ – insgesamt hat er drei geschrieben –, sie seien „das Wichtigste, was ich jemals gemacht habe“.
Eine weitere Besonderheit im Dom ist schließlich die Big Band der Bundeswehr. Dieses Ensemble wurde Anfang der 1970er-Jahre auf Initiative des damaligen Verteidigungsministers Helmut Schmidt gegründet. Der wollte dem Tschingderassabum der Musikkorps der Bundeswehr einen modernen Sound entgegensetzen – Ergebnis dieses Wunsches war eine professionelle Bigband mit Musikern in Uniform.
Wer in diesem Orchester spielt, ist Soldat – „im Rang eines Feldwebels“, sagt Tobias Terhardt, seit letztem Jahr Leiter der Bigband. Er selbst bekleidet den Rang eines Oberstleutnants und leitet eine Dienststelle mit „40 Soldatinnen und Soldaten“: Zu den 24 Jazzmusikern kommen Techniker, Tourbegleiter, Bürokräfte, der ganze Apparat, den eine solche Formation eben braucht.
Nun müssen die Musiker nicht morgens antreten wie „normale“ Rekruten zum Appell. „Wir sind nicht so militärisch organisiert“, sagt Terhardt. Ihre Grundausbildung haben die Musiker aber absolviert, und regelmäßige Übungen gehören auch zum Berufsalltag. Und zur Probe erscheinen sie selbstverständlich in Uniform.
Daneben genießen die Jazzer der Truppe schon einen gewissen Sonderstatus: Im Gegensatz zu Musikern in den Musikkorps absolvieren sie ihr Studium nicht bei der Bundeswehr, sondern an einer Jazzhochschule. Und die Bühne betreten sie im Schicksten, was die strenge Kleiderordnung der Bundeswehr zu bieten hat: den weißen Sommeranzug der Marine bei Open-Air-Konzerten, den Luftwaffen-Smoking bei allen anderen Gelegenheiten. Mit Dienstgrad-Abzeichen, versteht sich.
Eine weitere Besonderheit dieser Formation kommt dem Benefiz-Gedanken des Konzerts im Osnabrücker Dom entgegen: Die Bigband der Bundeswehr nimmt keine Gage. Damit möglichst viel Geld in den Fonds „Kindern Zukunft geben“ fließt.