Osnabrück  VfL Osnabrück: Braut sich da eine Aufstiegsmischung zusammen?

Malte Artmeier, Moritz Büscher
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Von Malte Artmeier, Moritz Büscher
| 01.03.2026 17:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Nach oben zeigt der Finger - und der Pfeil: Robin Meißner traf für den VfL Osnabrück zum 3:1 in Aue. Es war das siebte ungeschlagene Spiel in Folge. Foto: imago/Kruzcynski
Nach oben zeigt der Finger - und der Pfeil: Robin Meißner traf für den VfL Osnabrück zum 3:1 in Aue. Es war das siebte ungeschlagene Spiel in Folge. Foto: imago/Kruzcynski
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Der VfL Osnabrück gewinnt mit 3:1 in Aue und bleibt damit 2026 ungeschlagen. Zum ersten Mal in dieser Saison beendet Lila-Weiß einen Spieltag auf einem Aufstiegsplatz der 3. Liga – und mehr denn je kristallisiert sich damit heraus, dass diese Mannschaft tatsächlich den Sprung in die 2. Bundesliga schaffen könnte.

Das Wort „Spitzenreiter“ war dem Matchwinner unbekannt. Tony Lesueur lernte es aber am Samstagnachmittag kennen, nachdem er mit einem Tor und einer Vorlage dem VfL Osnabrück zum 3:1-Auswärtssieg beim FC Erzgebirge Aue verhalf. Der Franzose fuhr mit seinem Team als Tabellenführer der 3. Liga nach Hause. Eine „schöne Momentaufnahme“ nannte das Abwehrmann Robin Fabinski. Letztlich aber ist es egal, wie sich das Tabellenbild nach dem 26. Spieltag genau darstellt: Der VfL ist gerade dabei, eine Aufstiegsmischung zusammenzubrauen. Vier Zutaten sind bereits enthalten.

Nein, der VfL hat in Aue keine Topleistung gezeigt. Er hat sich nicht reihenweise durch die gegnerische Abwehr kombiniert. Nach einer ordentlichen Anfangsphase entsprang die 1:0-Führung dem Glück: Die Auer Innenverteidiger Ryan Malone und Tristan Zobel stolperten bei einem Befreiungsschlag von Frederik Christensen gegenseitig übereinander und öffneten den Weg zum Tor für Ismail Badjie.

Nach einer Stunde musste Badjie vom Feld, Trainer Timo Schultz brachte Tony Lesueur – und bewies abermals ein glückliches Händchen. Schon in der Vorwoche hatte er Badjie nach Monaten ohne Startelfeinsatz gegen Essen von Beginn an gebracht. Ergebnis: ein Tor. Kai Pröger hatte er eingewechselt. Ergebnis: ein Tor. Nun eben Lesueur als Joker. Ergebnis: Tor und Vorlage. Schultz hat aktuell ein bemerkenswertes Gespür für die richtigen Spieler im richtigen Moment – und das Glück auf seiner Seite.

Allerdings ist dieses auch hart erarbeitet: Der VfL arbeitet defensiv konsequenter als alle anderen Drittligisten. Er erlaubt sich solche haarsträubenden Fehler wie Aue beim 1:0 eben nicht. Und wenn, dann bügelt er sie aus, wie Torwart Lukas Jonsson nach einem Fehlpass in der zweiten Hälfte. Der Auer Ausgleich war das Produkt des einzigen bis zum Ende ausgespielten Angriffs. Er war nicht optimal verteidigt, aber eben auch gut gespielt. Alles andere fegten Jannik Müller, Niklas Wiemann und Co. weg.

Nach dem 3:1, das Robin Meißner mit einem trockenen Abschluss nach Lesueurs Rückpass erzielte, war die Partie gegen demoralisierte Auer gelaufen. Für Schultz ergab sich da eine Chance, die er gerne früher in der Saison schon genutzt hätte. Bashkim Ajdini, der für den kurzfristig ausgefallenen Patrick Kammerbauer in den Kader rutschte, durfte in der 87. Minute zum allerersten Mal in der Saison aufs Feld. Es war sein 200. Pflichtspieleinsatz für den VfL.

Nach dem Schlusspfiff freuten sich natürlich alle Osnabrücker über den Sieg – die größte Jubeltraube scharte sich aber um Ajdini. Auch Spieler, die selbst nicht zum Einsatz kamen, etwa Bryan Henning, freuten sich mit ihm, weil alle wissen, wie sehr er sich mit dem Club identifiziert und wie schwer seine sportliche Situation ist. Und wie sehr er sich trotz allem fürs Team aufopfert. Das stellte auch Schultz in den Vordergrund. „‚Bashi‘ hat es sich zu einhundert Prozent verdient. Er ist ein verdienter Spieler im Verein, gibt in jedem Training Vollgas und hat immer ein offenes Ohr für die anderen. Das war kein Geschenk.“

Und trotzdem ist solch eine Geste und das, was daraus folgte, ein Signal ins Team. Dass jeder Spieler wichtig ist, betonen Trainer gerne und oft. Schultz hat das sichtbar untermauert, auch mit der etwas früheren Einwechslung von Altmeister Robert Tesche (fünfter Einsatz der Saison). So etwas stärkt den ohnehin schon guten Zusammenhalt enorm und führt dazu, dass auch unzufriedene Spieler weiter an ihren Wert glauben und damit die Stimmung und Trainingsqualität hochhalten.

In der Mitte der zweiten Hälfte drohte die Partie leicht in die Richtung der Gastgeber zu kippen. Auf dem schwer bespielbaren Platz hatte Aue es geschafft, den Spielfluss aus der Partie zu nehmen. Standards und lange Einwürfe prägten das Geschehen, das Publikum witterte eine Chance auf einen Überraschungserfolg. Der VfL aber blieb cool, machte in wichtigen Momenten keine Fehler – und stach dann selbst zu, als Lars Kehl mit einer starken Flanke den einlaufenden Lesueur zum 2:1 bediente.

Die Mannschaft ruht in sich – und auch hier überträgt sich die Arbeit und das Wesen ihres Trainers aufs Team. An anderen Standorten wäre es ein Riesenthema, dass mit Bjarke Jacobsen eine zentrale Säule in den letzten vier Partien dreimal ausfiel. Oder dass nun Spielmacher Kehl nach seiner fünften Gelben Karte am Dienstag (19 Uhr) gegen Viktoria Köln fehlen wird. An solche Themen geht Schultz pragmatisch heran. „Dann spielt halt ein anderer“, sagte er am Freitag lapidar, als sich Jacobsen mit Übelkeit vom Abschlusstraining verabschiedete. Der Trainer vertraut seinem Team – und das zahlt dieses Vertrauen zurück.

Gleiches gilt auch für die „Aufstiegsansage“. Schultz antwortet auf die diversen Nachfragen der übertragenden TV-Sender immer gleich: „Natürlich wollen wir aufsteigen.“ Was anderswo als große Kampfansage verstanden wird, ist in Osnabrück der Ausdruck des Selbstverständnisses, das Mannschaft und Trainer gemeinsam entwickelt haben.

Neben Energie Cottbus ist der VfL der einzige Drittligist, der 2026 noch ungeschlagen ist. Energie hat allerdings zwei Unentschieden mehr auf dem Jahreskonto. Die Osnabrücker sind aber nicht nur gut in Form, sondern insgesamt konstant. Nur einmal gab es zwei Niederlagen am Stück (1:4 in Verl, 0:1 gegen Wehen Wiesbaden), nie blieb der VfL mehr als zwei Spiele in Serie sieglos. Und gerade gegen die Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte halten sich die Osnabrücker fast schadlos. Aus den 13 Partien gegen die unteren acht Mannschaften der Tabelle holten die Lila-Weißen 28 Punkte.

Mit den guten Ergebnissen geht darüber hinaus auch eine große Konstanz in der Leistung einher. Der letzte schwache Auftritt beim 1:4 in Verl liegt drei Monate zurück. Kaum ein Spieler unterliegt großen Leistungsschwankungen. Auf den VfL ist Verlass.

So sieht die bisherige Mischung dieser VfL-Saison aus – und es könnte sein, dass sie bereits für den möglichen Aufstieg reicht. Ob ihr zur Vollendung überhaupt noch etwas fehlt, werden die kommenden Wochen zeigen, vielleicht schon das Heimspiel gegen Köln am Dienstag.

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