Bundeswehr  Fluglärm über Emden – waren es Kampfjets?

| | 04.03.2026 16:56 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Tornado-Kampfjet startet beim Fliegerhorst Schleswig/Jagel. Von dem Fliegerhorst waren in dieser Woche bereits mehrere Tornado-Jets über dem Landkreis Leer zu hören. Foto: Gregor Fischer/dpa-Archiv
Ein Tornado-Kampfjet startet beim Fliegerhorst Schleswig/Jagel. Von dem Fliegerhorst waren in dieser Woche bereits mehrere Tornado-Jets über dem Landkreis Leer zu hören. Foto: Gregor Fischer/dpa-Archiv
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Da haben in Emden und umzu einige aufgehorcht: Am Dienstagabend war über Emden ungewöhnlicher Fluglärm zu hören. Wir haben bei der Bundeswehr nachgefragt.

Emden - Geräusche von Offshore- oder Rettungshubschraubern sind Emder gewohnt, ebenso die gelegentlichen Flugzeuge. Doch am Dienstagabend, 3. März 2026, war zwischen 19 und 20 Uhr ungewöhnlicher Fluglärm über der Stadt und auch im Umland zu hören. Wegen des Dröhnens zur Abendstunde haben sich gleich mehrere Leser bei dieser Redaktion gemeldet. Wir haben beim Luftfahrtamt der Bundeswehr nachgefragt. Ein Sprecher erklärt, dass die Radardaten vom genannten Abend zwar einen Nachttiefflug von zwei Kampfflugzeugen vom Typ Tornado aus Schleswig zeigen. Das Nachttieffluggebiet ED-R150 befinde sich jedoch 16,2 Kilometer südöstlich von Emden, also wohl eher über dem Landkreis Leer.

In Leer und Bingum waren schon Montagabend, 2. März 2026, drei Tornado-Kampfjets aus Schleswig zu hören gewesen, was Leser uns gemeldet hatten und die Bundeswehr uns bestätigt hatte. Was war nun aber über Emden zu hören? Dafür hat der Sprecher eine Erklärung: „Der hörbare Fluglärm dürfte eher der Flugbetrieb von zwei anderen Tornado aus Nörvenich sein, welche von ca. 19.15 bis 20.08 Uhr Ortszeit in der TRA (Temporary Reserved Airspace) Friesland geflogen sind“, schreibt er. Hierbei habe sich ein Kampfflugzeug mehrfach oberhalb Emdens in Höhen von ca. 3534 Metern über Grund befunden. Nörvenich ist ein Fliegerhorst im Kreis Düren in Nordrhein-Westfalen.

Warum fliegen die Kampfjets über Ostfriesland?

Der Einsatz sei „im Rahmen des täglichen Routineübungs- und Ausbildungsflugbetriebs durchgeführt worden“, erklärt der Bundeswehr-Sprecher. Das war zuvor auch die Begründung für die Flüge über dem Landkreis Leer gewesen. Auf die Frage, ob es aktuell mehr Übungsflüge gebe und warum, antwortet der Sprecher nicht direkt. Stattdessen schreibt er, dass die Erfüllung der Aufgaben der Luftstreitkräfte eine fundierte fliegerische Ausbildung und kontinuierliches Üben erforderten. „Daher ist mit Blick auf den Erhalt der Einsatzbereitschaft der Streitkräfte und unter den gegebenen sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen ein Verzicht nicht möglich“, so der Sprecher.

Ein Tornado-Kampfjet. Foto: Rainer Jensen/dpa-Archiv
Ein Tornado-Kampfjet. Foto: Rainer Jensen/dpa-Archiv

Zwar würden heute bereits große Teile der fliegerischen Ausbildung ressourcen- und umweltschonend unter Nutzung von Simulatoren durchgeführt; die Durchführung von Übungseinsätzen in einem realen Umfeld bleibe dennoch unumgänglich, um eine kontinuierliche Vorbereitung auf die Landes- und Bündnisverteidigung sowie auf internationale Einsätze zur Krisenbewältigung für die Streitkräfte sicherzustellen, so der Bundeswehr-Sprecher. Wir haben auch gefragt, ob es weitere Flüge über Ostfriesland geben wird: „Die Planungen für die Vorgänge im Rahmen von Übungsflügen oder sonstigen Flugbewegungen obliegen den fliegenden Verbänden“, schreibt er. Aktuelle Witterungsverhältnisse oder die jeweilige Verfügbarkeit von Personal und Material seien dabei Einflussfaktoren. Eine belastbare Aussage über die Häufigkeit solcher Einsätze könne daher nicht getroffen werden.

Worin unterscheiden sich die Flüge über Emden und Leer?

Über dem südlichen Landkreis Leer und einem kleinen Teil des Emslands ist seit dem 27. November 2025 wieder ein festgelegtes Gebiet für Übungs- und auch Tiefflüge. Zu den Flügen am Montag hatte die Bundeswehr erklärt, dass ab 19.16 Uhr insgesamt drei Tornado-Kampfjets mit bis zu 800 Kilometern pro Stunde über das Gebiet geflogen seien – und das nur 308 bis 310 Meter über dem Boden. Kein Wunder, dass sich wegen des lauten Dröhnens Menschen an diese Redaktion wandten.

Die Eurofighter sind beim Richthofen-Geschwader in Wittmund stationiert. Jetzt waren aber Tornado-Kampfjets über Ostfriesland zu hören. Foto: Christian Timmig/Bundeswehr
Die Eurofighter sind beim Richthofen-Geschwader in Wittmund stationiert. Jetzt waren aber Tornado-Kampfjets über Ostfriesland zu hören. Foto: Christian Timmig/Bundeswehr

Im Unterschied dazu gehört der Luftraum über Emden nicht zu einem festgelegten Gebiet für Übungsflüge. Stattdessen war die „TRA Friesland“ eingerichtet worden. Was ist das? „Für verschiedene Übungsflugvorhaben, insbesondere von Abfangjägern ist es unerlässlich, bestimmte Lufträume für den Zeitraum dieses Trainings von Verkehrsflugzeugen komplett freizuhalten“, so der Bundeswehr-Sprecher. Nur unter dieser Voraussetzung könnten diese Übungen effektiv und vor allem sicher durchgeführt werden, da sie in der Regel viel Platz erforderten. „Zu diesem Zweck sind in Deutschland spezielle Lufträume eingerichtet, die bei Bedarf für einen bestimmten Zeitraum aktiviert, bzw. für den militärischen Flugbetrieb reserviert werden. Dies sind die sogenannten Temporary Reserved Airspace, kurz TRA.“

Während der Aktivierungszeit dürfen sich nur noch dafür freigegebene Luftfahrzeuge in diesem Luftraum aufhalten. Während der Nutzung der TRA ist der zuständige Fluglotse dafür verantwortlich, dass die dort geltenden Bestimmungen eingehalten werden. Nach Beendigung der jeweiligen Übung und dem Ausfliegen der angemeldeten Luftfahrzeuge wird die TRA entweder deaktiviert oder dem nächsten Nutzer zugeteilt. Wer sich weiter zum militärischen Flugbetrieb informieren will, findet hier Infos. Die Bundeswehr hat außerdem ein Bürgertelefon eingerichtet, falls die Bevölkerung sich mit Fragen und Hinweisen an sie wenden will: 0800/8620730.

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