Berlin  „Wer soll das sein?“: AfD-Mann zahlte Mitarbeiter 4000 Euro – und erkennt ihn nicht

Matti Gerstenlauer
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Von Matti Gerstenlauer
| 05.03.2026 13:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Bundestagsabgeordnete Thomas Korell zahlte dem Schwager eines AfD-Parteikollegen fast 4000 Euro im Monat Gehalt. Was der Mann für ihn machte, bleibt unklar. Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Der Bundestagsabgeordnete Thomas Korell zahlte dem Schwager eines AfD-Parteikollegen fast 4000 Euro im Monat Gehalt. Was der Mann für ihn machte, bleibt unklar. Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur
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Fast 4000 Euro Gehalt erhielt ein ehemaliger Mitarbeiter des AfD-Bundestagsabgeordneten Thomas Korell bis vor Kurzem aus Steuergeldern. Welche Aufgaben er für ihn erledigte, ist unklar. Als das ZDF-Magazin „Frontal“ Korell auf die Situation anspricht, wird es kurios.

Vetternwirtschaft und Scheinbeschäftigung auf Kosten der Steuerzahlers: Der Vorwurf gegen Teile der AfD-Bundestagsfraktion wiegt schwer. Noch vor zwei Jahren postulierten Abgeordnete den „grünen Filz“ in Robert Habecks Wirtschaftsministerium. Nun rücken immer mehr Fälle, in denen AfD-Abgeordnete Familienmitglieder oder Freunde von Parteikollegen beschäftigen, in den Fokus.

Ein kurioses Beispiel deckte das ZDF-Magazin „Frontal“ in der Sendung vom 3. März auf. Thomas Korell, Abgeordneter aus Sachsen-Anhalt, macht dabei keine gute Figur.

26.650 Euro. So viel Budget hat jeder Bundestagsabgeordnete per Gesetz im Monat, um sein Personal zu bezahlen. Geld, das genau wie das Gehalt des Abgeordneten aus Steuereinnahmen stammt. Die gewählten Vertreter finanzieren so etwa wissenschaftliche Mitarbeiter, Büroleiter oder Assistenten.

So war auch der Schwager von Tobias Rausch, Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD in Sachsen-Anhalt, für Thomas Korell als Mitarbeiter tätig. Was er für das Mitglied des Bundestags machte, wollte Korell jedoch nicht verraten, als das Kamerateam von „Frontal“ ihn mit Bildern seines ehemaligen Mitarbeiters konfrontierte. Bis vor einiger Zeit hatte dieser ihm jedoch über die Bundestagsverwaltung 4000 Euro im Monat Gehalt zukommen lassen.

Vielmehr ist Korell zunächst ratlos: „Kenne ich nicht. Wer soll das sein?“, so der Abgeordnete. Ob der Mann für ihn gearbeitet habe? „Definitiv nein“, so Korell – dann lacht er. Als die „Frontal“-Reporterin ihm schließlich den Namen des vermeintlich Unbekannten nennt, hellt sich seine Miene auf.

Es folgen einige Sekunden, in denen Korell nachdenkt und schließlich zu dem Schluss kommt, dass der Mann auf den Fotos „schlecht zu erkennen“ sei, er ihn aber kenne und beschäftigt habe. Welche Aufgaben der Mann hatte? „Was Mitarbeiter so machen.“

Ein weiterer Fall, den das Magazin thematisiert, sorgt ebenfalls für Unverständnis über Sachsen-Anhalt hinaus. Zwei Landtagsabgeordnete der AfD, es sind Mutter und Tochter, beschäftigten gemeinsam insgesamt 23 Mitarbeiter. Bei Nadine Koppehell arbeiten dabei 16 Menschen, bei ihrer Mutter Margret Wendt sieben. Normalerweise haben Abgeordnete im Landtag von Sachsen-Anhalt laut einer Umfrage der „taz“ drei bis vier Angestellte.

Ins Rollen gebracht wurden die Diskussionen um Vetternwirtschaft ursprünglich jedoch nicht durch Medienrecherchen, sondern von der AfD selbst. Die Bundestagsfraktion schloss Jan Wenzel Schmidt aus ihren Reihen aus, nachdem dieser sein Mandat mutmaßlich für persönliche Geschäftsbeziehungen genutzt haben soll. Den Antrag dazu stellten die Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla.

Schmidt, der sich ungerecht behandelt fühlte, erhob im Gegenzug Vorwürfe der Vetternwirtschaft gegen einige seiner Kollegen. In einem Interview mit dem Portal „Nius“ kritisierte er die internen Abläufe scharf und sprach von einer „Beutegemeinschaft“, in der Mandate nach Belieben verschoben, Anstellungen untereinander verteilt und Gelder gezielt vereinnahmt würden.

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