Osnabrück Marketing Osnabrück lehnt Bierfest-Konzept ab – neue regionale Alternative wird geprüft
Auf dem Marktplatz in Osnabrück werden vor allem im Sommer viele Feste vor der historischen Kulisse des Rathauses gefeiert. Ein fester Bestandteil im Kalender war das Bierfest. War, weil es nun nicht mehr in der bislang bekannten Form stattfindet.
Der Hannoveraner Michael Solms veranstaltet Bierfeste in ganz Deutschland. Gerade in jüngster Zeit erlebte der Gerstensaft durch den Craft-Bier-Trend einen Boom. Seit 2014 hat Solms – mit Ausnahme der Corona-Pandemie – jährlich ein Bierfest in Osnabrück veranstaltet. Doch in diesem Jahr konnte er mit seinem Konzept bei der Marketing Osnabrück GmbH (MO) nicht landen.
Das Bierfest, so heißt es in der Begründung, entspreche nicht den neuen Qualitätsstandards, die an Feste gelegt werden, die auf dem Premiumstandort Marktplatz stattfinden. Solms berichtet, es sollten Pagodenzelte auf dem Bierfest aufgestellt werden. „Das können wir aus wirtschaftlichen Gründen nicht darstellen“, sagt er. Außerdem passe es nicht zu einem Bierfest, sagt er weiter. Allerdings sei er bereit gewesen, für ein harmonischeres Bild zu sorgen. Als Alternative sei ihm der Ledenhof als Standort angeboten worden.
Auf den Bierfesten der vergangenen Jahre haben die unterschiedlichsten Brauereien aus der ganzen Welt ihre Erzeugnisse präsentiert. Mit dabei waren Amerikaner mit Fruchtbieren, hochprozentige belgische Biere oder die Schmidt Brauerei aus Osnabrück. Dass Solms diese Bier-Vielfalt nun nicht mehr auf dem Marktplatz zeigen darf, schmeckt ihm nicht.
Es ist jedoch nicht allein die Tatsache, dass ihm ins Bier gespuckt wird, was ihn erzürnt. „Man muss akzeptieren, wenn man Neues ausprobieren will“, sagt er. Aber er kritisiert vor allem den überheblichen Ton der Rückmeldung und die Hinhalte-Taktik. Die erste Anfrage seitens Michael Solms hat es im September 2025 gegeben. Die Einschätzung der MO kam Anfang März. Zunächst habe man mit der Stadt gesprochen, die aber auf die MO verwiesen habe. Die MO habe wiederum auf die Stadt verwiesen, so Solms. Zuletzt habe er mit dem Ordnungsamt gesprochen, das signalisiert habe, man hätte nichts gegen das Bierfest. Fakt ist, dass es nicht stattfindet.
Das begrüßt Tobias Neumann, Inhaber des Restaurants Whobert an der Rolandsmauer. „Diese Veranstaltung ist nicht repräsentativ für unseren Marktplatz“, sagt er. Das Bierfest habe qualitativ nachgelassen und produziere viel Müll, legt er weiter nach. Er sagt, er habe nichts gegen das Bierfest an sich. Aber es sei an der Halle Gartlage oder auf dem Ledenhof besser aufgehoben.
Neumann kritisiert, dass es auf dem „Dorfplatz“, wie er den Platz vor dem Rathaus nennt, wenige Chancen für Osnabrücker Gastronomen gibt, ein Fest zu veranstalten. Er nennt „Osnabrück isst gut“ als Beispiel. Das kulinarische Event hat seit Jahren keinen Platz mehr auf dem Marktplatz. Externe Feste würden Besucher aus der Altstadt saugen, sagt Neumann weiter. „Sie sind nicht gut für Osnabrücker Gastronomen.“
Welche Feste sollen also in Zukunft auf dem Marktplatz stattfinden? Erfüllen die Weinfeste die neuen Qualitätsstandards? Der Ossensamstag? Die Aufstiegsfeiern des VfL? Die Maiwoche oder das Bürgerdinner?
Der Marktplatz solle weiterhin für alle Bürger ein Treffpunkt sein, um dort feiern zu können, sagt MO-Sprecher Stephan Gerecht. Er sagt auch: „Es wird in diesem Jahr definitiv ein Bierfest geben.“ Nur wird dieses Bierfest nicht von Michael Solms veranstaltet. Man sei in Gesprächen mit verschiedenen regionalen Anbietern, so Gerecht.
Bei der Rückmeldung an Solms ging es darum, dass bestimmte Qualitätskriterien nicht erfüllt werden konnten, so Gerecht. Dazu zählen eine einheitliche Erscheinung, aber auch die Einbindung lokaler Gastronomie. „Wir achten zunehmend auf Qualität und die Gestaltung des Marktplatzes“, so Gerecht.
Die Marketing Osnabrück GmbH übernehme fließend das Flächen-Management in der Stadt, sagt er weiter. Für den Marktplatz, der von Oberbürgermeisterin Katharina Pötter „die gute Stube Osnabrücks“ genannt wird, bedeutet das, dass die Veranstaltungen in Zukunft inhaltlich und optisch angepasst werden sollen. Food Trucks schließt Gerecht zwar aus. Allerdings sollen dort nicht ausschließlich nur hochpreisige oder akademische Veranstaltungen stattfinden.