Berlin  Sind durch die verwässerte Klinikreform alle Häuser gerettet? Von wegen!

Tobias Schmidt
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Von Tobias Schmidt
| 06.03.2026 19:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
111 Milliarden Euro zahlen die gesetzlichen Krankenkassen jedes Jahr für den Krankenhausbereich. Foto: IMAGO/Swaantje Hehmann
111 Milliarden Euro zahlen die gesetzlichen Krankenkassen jedes Jahr für den Krankenhausbereich. Foto: IMAGO/Swaantje Hehmann
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Weniger Kliniken, weniger Kosten, erfahreneres Personal, bessere Behandlungen: Das wollte Karl Lauterbach mit seiner Krankenhausreform erreichen. Ein entscheidendes Ziel ließ er außer Acht. Die Reform der Reform soll das jetzt ändern.

Die Krankenhausreform war das berüchtigte Meisterstück von Professor Karl Lauterbach. Streng wissenschaftlich ersonnen. Allerdings mit großer Sturheit durchgeboxt, ohne Rücksicht auf die Sorgen und Ängste der Menschen jenseits von Berlin und Köln und anderer Großstädte. Getreu dem Lauterbach-Motto: „Ich weiß es besser.“

Nun ist die Lauterbach-Reform ein Stück weit Geschichte. Der Bundestag hat am Freitag so weitreichende Änderungen beschlossen, dass die Grünen von einer „faktischen Rückabwicklung“ sprechen. Lauterbachs Nachfolgerin Nina Warken konnte gar nicht anders, als viele Vorgaben wieder zu kassieren, weil die Bundesländer die ganze Operation sonst abgeblasen hätten. Das wiederum hätte zum „wilden Krankenhaussterben“ führen können, vor dem so viele Experten warnten.

Ob Warkens Krankenhausreform „light“ wirklich taugt, um Deutschlands Kliniklandschaft zu stabilisieren, das ist jetzt allerdings in der Schwebe.

111 Milliarden Euro pumpen die Kassen inzwischen jährlich in die Häuser. Die „nicht versorgungsrelevanten“ Kliniken, wie man so unschön sagt, einfach dichtzumachen, wie es Lauterbach wollte, würde zwar etliche Milliarden einsparen und die Fachpersonalengpässe lindern. Für die Menschen jenseits der Metropolen würden die Wege dann aber noch länger und das Gefühl, den Politikern in Berlin und in den Landeshauptstädten egal zu sein, noch größer.

Es geht eben längst nicht nur um Geld und Fallzahlen. Es geht ganz stark auch um die Frage des Dazugehörens oder Im-Stich-gelassen-Werdens.

Lauterbach war bereit, den Ländern mit seinen strengen Vorgaben maximal unpopuläre Standortentscheidungen abzunehmen. Jetzt haben die Ministerpräsidenten die geforderte „Flexibilität“ zurück, damit aber eben auch die Verantwortung.

Dass sie sich so viele Jahre davor gedrückt haben, unbequeme Entscheidungen zu treffen, sprich: Häuser zusammenzulegen, hat ja erst dazu geführt, dass die Krankenhauslandschaft mit all ihren Überkapazitäten zum Fass ohne Boden geworden ist. Wenn die Länderchefs die Verwässerung der Lauterbach-Reform als Lizenz zum Nichtstun verstehen, werden sie ihrer Verantwortung nicht gerecht.

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