Berlin/München/Kiel  Windkraft: Warum Bayern plötzlich auf Schleswig-Holsteins Kurs umschwenkt

Henning Baethge
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Von Henning Baethge
| 05.03.2026 19:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Windpark bei Schuby in Schleswig-Holstein: Das nördlichste Bundesland und Bayern ziehen jetzt beim Windkraftausbau an einem Strang. Foto: Imago
Windpark bei Schuby in Schleswig-Holstein: Das nördlichste Bundesland und Bayern ziehen jetzt beim Windkraftausbau an einem Strang. Foto: Imago
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Jahrelang hat Bayern beim Ausbau der Windkraft gebremst – nun macht der Freistaat Tempo. In Schleswig-Holstein freut sich Energieminister Tobias Goldschmidt über den Sinneswandel von CSU-Chef Markus Söder.

Schleswig-Holstein und Bayern waren beim Ausbau der Windkraft jahrelang komplett gegensätzlich: Während das nördlichste Bundesland meist Tempo machte und auch letztes Jahr 143 neue Anlagen melden konnte, erschwerte der Freistaat den Ausbau durch besonders weite Pflichtabstände zu Wohnhäusern und konnte 2025 gerade mal 17 neue Windräder registrieren.

Doch jetzt schwenkt Bayern plötzlich auf Schleswig-Holsteins Linie um: Der Freistaat will am Freitag einen Gesetzentwurf in den Bundesrat einbringen, in dem er fordert, dass das Ausschreibungsvolumen bei den diesjährigen staatlichen Windkraftauktionen um fast die Hälfte erhöht wird. Und Schleswig-Holstein schließt sich dem Antrag erfreut an.

Bisher plant die Bundesnetzagentur von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, dieses Jahr nur rund 11.000 Megawatt Windkraftleistung an Land zu versteigern. Dabei wurden in Deutschland letztes Jahr dank schnellerer Behördenverfahren Windräder mit einer Gesamtleistung von fast 20.800 Megawatt genehmigt und warten nun auf den Baustart – davon 1260 Megawatt in Bayern und 930 in Schleswig-Holstein. Viele der Projekte drohen nach jetzigem Stand bei den Auktionen leer auszugehen.

Deshalb fordert Bayern nun zusammen mit Schleswig-Holstein sowie Niedersachsen und Baden-Württemberg eine Sonderausschreibung von 5000 Megawatt in diesem Jahr – das wären rund zusätzliche 1000 Windräder.

„Für eine funktionierende Energiewende müssen geplante Projekte auch umgesetzt werden können“, fordert Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in der Süddeutschen Zeitung. „Die Bürokratie darf keinesfalls wichtige Windprojekte abwürgen.“

In Kiel teilt der grüne Energieminister Tobias Goldschmidt die Kritik von CSU-Chef Söder an CDU-Ministerin Reiche. „In wirtschaftlich schweren Zeiten lässt die Bundeswirtschaftsministerin allen Ernstes mögliche Milliardeninvestitionen in neue Windräder brachliegen“, wettert er.

Dabei sei die Windkraft längst ein Wirtschaftsfaktor für ganz Deutschland. „Das zeigt die Nord-Süd-Allianz, mit der wir uns im Bundesrat gemeinsam für höhere Ausschreibungen stark machen“, sagt Goldschmidt. Entschieden wird über den Antrag in der Länderkammer am Freitag allerdings noch nicht.

Schon vor einem Monat hatte Goldschmidt gemeinsam mit sechs grünen Länderkollegen größere Ausschreibungsmengen für die Windenergie gefordert – wenn auch nur 30 Prozent mehr als geplant, was ohne Gesetzesänderung möglich wäre.

Doch Ministerin Reiche tritt sogar auf die Bremse und plant Investitionen in erneuerbare Energien unattraktiver zu machen. So will sie unter anderem bei neuen Wind- oder Solarparks in vielen Regionen keine Entschädigungen mehr für abgeregelten Strom an die Betreiber zahlen.

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