Osnabrück  Musical „Artus – Excalibur“ begeistert das Osnabrücker Publikum

Ralf Döring
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Von Ralf Döring
| 08.03.2026 16:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Titelhelden unter sich: König Artus (Jannik Harneit) mit seinem beinahe allmächtigen Schwert Excalibur. Foto: Stephan Glagla
Titelhelden unter sich: König Artus (Jannik Harneit) mit seinem beinahe allmächtigen Schwert Excalibur. Foto: Stephan Glagla
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Am Ende wird alles gut bei „Artus – Excalibur“, denn so wollen es die Regeln des Musicals. Beim Osnabrücker Publikum kommt das bestens an: Es feiert Darsteller und Songs mit Zwischenapplaus, und am Ende gibt es Standing Ovations.

Es wird viel gestorben auf dieser Musicalbühne. Gleich zu Beginn von „Artus – Excalibur“ liegen die Toten auf Felsen und auf dem Boden. Das Licht ist diffus, der Nebel wabert. Frauen und Männer beklagen die Toten; dazu dringt mystisch aufgeladene Musik aus dem Graben. Dann tritt Zauberer Merlin auf und führt mit einem Rocksong in die Geschichte ein, und da ist klar, wohin die Reise geht: ins Traumland des Musicals.

2014 erlebte das Musical „Artus – Excalibur“ seine Uraufführung im Theater St. Gallen, einem Haus von der Größe des Theaters Osnabrück, das sich im Bereich Musical einen Namen gemacht hat. Von St. Gallen wanderte das Stück zur deutschen Erstaufführung auf die Freilichtbühne in Tecklenburg, und exakt zehn Jahre später kämpft König Artus im Theater am Domhof.

Dass die Theaterleitung damit den richtigen Riecher hatte, beweisen die Reaktionen des Publikums bei der Premiere. Beinahe jede Musiknummer wird mit Applaus belohnt, der immer begeisterter wird, je weiter die Geschichte fortschreitet, und am Ende feiern die Zuschauer die Premiere eine Viertelstunde lang mit stehenden Ovationen. Dabei gebührt dem Stück auf der Rangliste der besten Musicals allenfalls ein Mittelplatz.

Das liegt zunächst an der Geschichte selbst. Die lehnt sich an die Erzählung von Artus und seinen Rittern der Tafelrunde an. Ein magisches Schwert, in einen Stein gerammt, aus dem es nur ein Auserwählter ziehen kann, dazu ein Held, der nichts von seiner Herkunft und noch weniger von seiner Bestimmung weiß. Leider verlieren sich Autor Ivan Menchell und Liedtexter Robin Lerner in einer rasanten Abfolge an Episoden, der Regisseur Oliver Klöter nur hinterherhecheln kann, um die Stationen mit ihren jeweiligen Songs abzuhaken.

Im Wesentlichen ranken sich die Episoden um drei Erzählstränge: Erstens: Artus soll, dank Excalibur, England vom tyrannischen Lot von Orkney befreien. Zweitens: Artus und Guinevere lieben sich. Drittens: Artus‘ Stiefschwester Morgana sieht sich um ihr Erbe betrogen und will das mittels Zauberkräften an sich reißen. Zwischen diesen Strängen bewegen sich der Zauberer Merlin und Artus engster Freund, der Ritter Lanzelot. Und natürlich gibt es den Konflikt, der den Helden Artus von seinem Weg zum gerechten König abdriften lässt und ihn zum grausamen Rächer macht – fast. Im letzten Moment schwenkt das Musical natürlich auf die Zielgerade hin zum Happy-End ein.

Der Dudelsackspieler Karim McLeod legt nahe, dass sich all das in den schottischen Highlands abspielt – jedenfalls empfängt er die Premierengäste schon vor dem Theater mit seiner Version des Liedes „Was wollen wir trinken“. Das stammt zwar nicht aus dem mittelalterlichen Schottland, sondern ist bretonischen Ursprungs und aus dem Jahr 1929 – geschenkt. Später hat McLeod einen kleinen Auftritt auf der Hochzeitsfeier von Artus und Guinevere, da eingebunden in Wildhorns Partitur.

Erzählt wird das alles im Bühnenbild und den Kostümen von Darko Petrovic. Ein paar Felsen in bläulich-diffuser Grundstimmung lassen sich mit wenigen Handgriffen zu König Artus Tafelrunde umbauen. Ein paar Brocken eines einstigen Triumphbogens werden zusammengefügt; so ersteht die Burg Camelot aus Ruinen auf. In seiner Reduktion ist dieses Bühnenbild flexibel genug für die häufigen Wechsel der Schauplätze, andererseits konkret genug, um das Setting verständlich zu machen.

Die Musik ist typisch für Frank Wildhorn: Balladen dominieren, dazu kommen rockig-martialische Nummern und eine Prise mittelalterliches Klangkolorit. Angereichert mit reichlich Zucker und Schmalz droht allerdings klangliches Sodbrennen. Seong-Bin Oh am Pult und das Osnabrücker Symphonieorchester machen ihre Sache recht gut, der Kapellmeister hat Bühne und Graben perfekt im Griff.

Problematischer sind die Texte. Kalenderspruch-Weisheiten wie „Es gibt keinen schlimmeren Tod als den Tod der Hoffnung“ reihen sich an Plattitüden wie „Ich wurde geboren, um dich zu lieben“ und Reimpaare wie „begehren – verzehren“ – gegen diese Texte nehmen sich Helene-Fischer-Schlager wie feingeistige Lyrik aus. Andererseits lässt die kleingliedrige Handlung eh keinen Raum für tiefenpsychologische Reflexion.

Immerhin: Die Darsteller sind engagiert dabei. Wilde Kampfszenen wirken dank der Fechtchoreografien von Jean-Loup Fourure einigermaßen authentisch; die Tanzchoreografien von Sabrina Stein funktionieren und werden sicher nach dem Abklingen des Premierenfiebers auch wirklich synchron laufen. Vor allem aber stimmt die Energie.

Jannik Harneit ist ein rundum perfekter König Artus: Athletisch, spielfreudig und mit dem nötigen Schmelz im kraftvollen Tenor – womöglich liegt ihm die Rolle noch mehr als die Titelrolle in „Tootsie“, mit der er vor zwei Jahren erstmals in Osnabrück zu erleben war. Susanna Edelmann als Guinevere entwickelt große Qualitäten im Musicalgesang, darf hin und wieder ein bisschen zynischen Humor aufblitzen lassen und überzeugt auch spielerisch. Das gilt auch für Vikrant Subramanian als Lanzelot: Seine sehnsüchtige Liebesarie im zweiten Akt wird mit frenetischem Szenenapplaus gefeiert. Jan Friedrich Eggers ist ein kahlköpfiger, ehrgebietender Merlin, Daniela Tweesmann neigt als Morgana zwar zu schrillen Spitzen, ist aber als abgründige, rachsüchtige Femme Fatale die interessanteste Figur des ganzen Stücks. Mark Hamman schließlich spielt und singt Ector, den Ziehvater von Artus, mit gebotener Innigkeit.

Und dann sind da noch der Chor des Theaters sowie neun Studierende des Instituts für Musik der Hochschule Osnabrück: Ein Stück mit derart dichter Handlung verlangt eben auch eine ganze Kohorte an Figuren. Regisseur Oliver Klöter hat sie gut in die Inszenierung eingebunden, und all das summiert sich zu einem Abend, wie ihn Osnabrücker Musicalfreunde lieben werden.

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