Osnabrück  Zu wenig Jesus im Fach Christliche Religion? Verband der Reli-Lehrer beklagt „breite Leerstellen“

Lucas Wiegelmann
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Von Lucas Wiegelmann
| 11.03.2026 01:00 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Niedersachsen wird im Sommer einen neuen, überkonfessionellen christlichen Religionsunterricht bekommen. Foto: epd-bild/Detlef Heese/Picture Alliance
Niedersachsen wird im Sommer einen neuen, überkonfessionellen christlichen Religionsunterricht bekommen. Foto: epd-bild/Detlef Heese/Picture Alliance
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Vernachlässigt das neue Schulfach Christliche Religion in Niedersachsen die Figur Jesu? Die Kultusministerin findet das nicht – nun widerspricht ihr ein Verband der katholischen Religionslehrer. Und warnt vor einer „Einschränkung eines sinnvollen christlichen Religionsunterrichts“.

In der Debatte um Niedersachsens neues Schulfach Christliche Religion ist der Verband der katholischen Religionslehrerinnen und Religionslehrer an Gymnasien im Bistum Hildesheim (VKRGH) auf Distanz zu den aktuellen Lehrplanentwürfen des Kultusministeriums gegangen. „Die Kolleginnen und Kollegen, die sich die Entwürfe schon genauer zu Gemüte führen konnten, schütteln nur noch mit dem Kopf“, sagte VKRGH-Vorstandsmitglied Thomas Hollmann im Gespräch mit dieser Redaktion.

„In den verpflichtenden Grundbegriffen kommt Jesus Christus gar nicht vor, nur an einzelnen Stellen unter der Überschrift ‚Ressourcen des Christentums‘ wird er noch erwähnt. Soll man im christlichen Religionsunterricht gar nicht mehr lernen, was der Begriff ‚Christus‘ bedeutet?“

Der VKRGH vertritt die Belange des Religionsunterrichts und der Religionslehrkräfte an Gymnasien gegenüber den zuständigen kirchlichen und staatlichen Stellen in Niedersachsen. Er ist auch offiziell aufgefordert, zu den aktuellen Lehrplanentwürfen Stellung zu nehmen. Eine entsprechende Erklärung werde im Laufe dieser Woche erarbeitet, teilte der Verband mit.

Im Sommer wird in Niedersachsen das neue Schulfach Christliche Religion starten, das erstmals von katholischer und evangelischer Kirche gemeinsam organisiert wird. Das niedersächsische Kultusministerium hatte dazu Ende Februar Entwürfe der Lehrpläne für die Grundschule und den Sekundarbereich I auf seiner Website veröffentlicht.

Nachdem diese Redaktion berichtet hatte, dass die Figur Jesu darin kaum noch vorkomme, verteidigte Ministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) die Pläne als „wegweisendes Modell“, das „bundesweit Beachtung“ finde. Die Lehrpläne würden „praxistauglich, alltagsnah und zutiefst christlich gestaltet und den Lehrkräften eine gute Orientierung und Unterstützung sein, um ihren Unterricht zu planen.“

Der Lehrerverband VKRGH äußert sich nun anders. „In der gegenwärtigen Form werfen die Lehrpläne die Frage auf, ob das eigentlich noch Religionsunterricht ist oder nicht doch eher ein Fach wie ‚Werte und Normen‘“, sagte Verbandsvorstand Hollmann. In den Entwürfen gehe es deutlich mehr um Ethik und Moral als um das Christentum. „Das Christentum ist aber keine Morallehre.“ Es fuße auf einer persönlichen Gottesbeziehung, die man erst einmal vermittelt bekommen müsse, bevor man dann zu Fragen ethisch guten Handelns kommen könne.

Die Entwürfe gefährdeten damit auch die Anschlussfähigkeit der Schüler hin zu Abitur oder Studium. „Wie sollen sie da in Religion klarkommen, wenn sie nichts mehr über die Zeit und Umwelt von Jesus von Nazareth wissen?“, so Hollmann. Auch das Thema Dreifaltigkeit fehle in den Plänen. „Diese breiten Leerstellen sind nicht überzeugend und würden einen sinnvollen christlichen Religionsunterricht erheblich einschränken.“

Positiv hebt der VKRGH hervor, dass die Pläne für alle Schulformen des Sekundarbereichs I erstellt wurden und die Ausdifferenzierung den Lehrkräften überlässt. „Das finde ich passend zum christlichen Gedanken der Geschwisterlichkeit und zur Erhöhung der Durchlässigkeit zwischen den Schulformen“, sagte Hollmann.

Zu den neuen Lehrplanentwürfen können die Verbände und Institutionen bis Ende März Stellung nehmen. Der endgültigen Fassung müssen auch die katholische und die evangelische Kirche sowie der niedersächsische Landtag zustimmen. In wortgleichen Erklärungen haben das katholische Bistum Hildesheim, das katholische Offizialat Vechta und die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen bereits mitgeteilt, dass sie den bisher bekannten Wortlaut der Lehrpläne als vorläufig betrachten. „Die Kirchen gehen davon aus, dass sich im Verfahren noch Änderungen an den Entwürfen ergeben werden“, hieß es.

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