London Andrew und Epstein: Was wussten die Töchter des Ex-Prinzen über die Freundschaft?
Die Affäre um Prinz Andrew und Jeffrey Epstein hat nun auch Folgen für seine Töchter Beatrice und Eugenie. Als mögliche Zeuginnen geraten sie zunehmend unter Druck und müssen erste Konsequenzen tragen.
Als die Royals am Montag zum Gottesdienst am Commonwealth Day in der Westminster Abbey eintreffen, werden sie besonders aufmerksam beobachtet. Es ist der erste große öffentliche Auftritt der Familie seit der vorübergehenden Festnahme von Andrew Mountbatten-Windsor vor rund drei Wochen.
Dass Andrew fehlt, überrascht niemanden. Ein Erscheinen wäre selbst zum Skandal geworden. Auffälliger ist, dass auch seine Töchter Prinzessin Beatrice und Prinzessin Eugenie nicht dabei sind. Offiziell stehen bei der Zeremonie zwar nur die arbeitenden Mitglieder der königlichen Familie im Mittelpunkt. Dennoch wird ihr Fernbleiben in London registriert.
Wie schon bei früheren Skandalen setzt der Palast auch diesmal auf eine bewährte Strategie: zur Tagesordnung übergehen. Doch die Affäre wirkt nach. Ausgerechnet an seinem 66. Geburtstag wurde Andrew auf dem Anwesen in Sandringham von der Polizei abgeführt und erst am Abend wieder freigelassen.
Hintergrund sind Ermittlungen wegen möglichen Amtsmissbrauchs. Andrew soll während seiner Zeit als Handelsgesandter Informationen an den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein weitergegeben haben. Hinweise darauf fanden Ermittler in den Epstein-Akten, in denen auch Fotos des Ex-Royals auftauchten, kniend über einer bekleideten Frau.
Die inzwischen verstorbene Virginia Giuffre hatte zudem erklärt, sie habe als Minderjährige Sex mit Andrew gehabt. Dieser weist die Vorwürfe zurück. Lange stand der 66-Jährige selbst im Mittelpunkt der Affäre. Inzwischen richtet sich der Blick jedoch zunehmend auch auf seine Töchter Beatrice und Prinzessin Eugenie.
Die Unterlagen zeichnen das Bild einer größeren Nähe der beiden zum Epstein-Umfeld, nicht als Kinder, sondern als junge Erwachsene: Laut E-Mails sollen die beiden etwa wenige Tage nach Epsteins Haftentlassung im Jahr 2009 mit ihm in Miami zu Mittag gegessen haben. „Es werden mehr Fragen gestellt, vor allem dazu, wie viel sie wussten und welche Netzwerke sie über Andrew aufgebaut haben“, sagt Pauline Maclaran, Königshaus-Expertin an der Royal Holloway Universität London, gegenüber der Redaktion.
Zuletzt traf es Prinzessin Eugenie unmittelbar: Nach sieben Jahren endete ihre Schirmherrschaft bei der Menschenrechtsorganisation Anti-Slavery International. Ein Zeichen dafür, dass die Kontroversen um ihre Eltern zunehmend auch ihre eigenen Rollen berühren.
Das Bild der beiden Prinzessinnen in Öffentlichkeit und Medien bleibt ambivalent. Lange überwog Sympathie für die Töchter, die die Folgen der Affäre ihres Vaters mittragen müssen. Inzwischen wächst jedoch die Skepsis. Denn die beiden gelten auch als mögliche Zeuginnen.
Andrew erklärte, an einem Abend im März 2001, an dem Giuffre ihm sexuellen Missbrauch vorwirft, zu Hause mit seinen Kindern gewesen zu sein, nachdem er Beatrice zuvor zu einer Kinderparty gebracht habe. Sollten Ermittler dieses Alibi überprüfen, könnten die Schwestern eine Rolle spielen. Öffentlich geäußert haben sie sich dazu bislang nicht.
Der britische Historiker und Royal-Biograf Andrew Lownie fordert, Sarah Ferguson sowie Beatrice und Eugenie sollten bereit sein, mit Ermittlern zu sprechen. „Wenn sie nichts zu verbergen haben, müssten sie auch nichts befürchten“, sagt er gegenüber der Redaktion. Die Prinzessinnen seien keine unbeteiligten Randfiguren, sondern hätten von den Strukturen rund um ihren Vater profitiert. „Seine Netzwerke, besonders im Nahen Osten, haben ihnen erhebliche finanzielle Vorteile verschafft“, betont Maclaran.
Für die beiden Schwestern bleibt die Lage heikel. Offiziell gehören sie nicht zu den „arbeitenden Royals“ und haben keine festen Aufgaben für die Krone. Gleichzeitig bleiben sie Mitglieder der königlichen Familie und damit Teil der öffentlichen Wahrnehmung. Maclaran spricht von einem kaum auflösbaren Dilemma: „Verteidigen sie ihre Eltern, werden sie mit ihnen in den Strudel gezogen; kritisieren sie sie, würden sie als illoyal gelten.“
Seit den jüngsten Turbulenzen um Andrew halten sich die beiden weitgehend aus dem Rampenlicht heraus. Und: Der Palast werde wohl weiter auf Distanz bei öffentlichen Anlässen setzen, so Maclaran: „Dass die Prinzessinnen in diesem Jahr offenbar nicht gemeinsam mit den übrigen Mitgliedern der Königsfamilie bei Royal Ascot auftreten, ist ein deutliches Zeichen.“ Einige Beobachter schließen nicht aus, dass auch sie ihre royalen Titel verlieren könnten – so wie zuvor ihre Eltern.
Während der Hof also auf Abstand setzt, wird öffentlich bereits über den nächsten Schritt diskutiert. In der Woche des Commonwealth Day wird Insidern zufolge hinter den Kulissen wohl erneut darüber gesprochen, ob Andrew aus der britischen Thronfolge gestrichen werden soll. Er steht auf Platz acht. Ein solcher Schritt ist nicht nur politisch und rechtlich kompliziert, er würde auch die Frage aufwerfen, was das für seine Töchter bedeutet, die zunächst Teil der Linie blieben. Für sie ist die Affäre damit längst nicht ausgestanden.