Künstliche Intelligenz Hoffnung auf Tausende Jobs dank der Microsoft-Rechenzentren

Wolf von Dewitz, dpa
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Von Wolf von Dewitz, dpa
| 12.03.2026 11:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der feierliche Spatenstich. Foto: Wolf von Dewitz/dpa
Der feierliche Spatenstich. Foto: Wolf von Dewitz/dpa
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Die Digitalisierung schreitet rasant voran, Anwendungen der Künstlichen Intelligenz werden immer wichtiger. Das Rheinische Revier könnte dabei künftig eine wichtige Rolle spielen.

Noch ist es Ödland mit plattgewalzter Erde, doch schon bald soll das 20 Hektar große Areal am Rande eines Gewerbegebiets in Bergheim zu einer Keimzelle eines starken Wirtschaftswachstums im Digitalzeitalter werden. Bei einem symbolischen Spatenstich kamen am Donnerstag Vertreter aus der Politik und Wirtschaft ins Rheinische Revier westlich von Köln, um Fortschritte bei einer wegweisenden milliardenschweren Investition des US-Technologieriesen Microsoft zu feiern. Das Thema im Überblick.

Worum es geht

Das Rheinische Revier mit seinen riesigen Tagebauen ist im Umbruch, die Tage des Braunkohle-Abbaus sind gezählt. Es droht bergab zu gehen mit der Region. Klar ist, dass viele Arbeitsplätze der Energiebranche dort in einigen Jahren nicht mehr gebraucht werden. Doch staatliche Förderung und privatwirtschaftliche Investitionen in andere Wirtschaftsbereiche vor Ort machen Mut. Microsoft möchte 3,2 Milliarden Euro in drei Rechenzentren in Bergheim, Bedburg und Elsdorf sowie in einen Standort in Hessen investieren. Das könnte zum Jobmotor werden. Bergheims Bürgermeister Volker Mießeler (CDU) spricht von „der ganz, ganz großen Hoffnung auf Zukunft“.

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger war beim Spatenstich als Gast dabei. Foto: Benjamin Westhoff
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger war beim Spatenstich als Gast dabei. Foto: Benjamin Westhoff

Was jetzt geschehen ist

Bei einer Feierlichkeit in einem Zelt auf der Baustelle übergaben die Bürgermeister von Bergheim und Bedburg dem Microsoft-Management Baugenehmigungen für die 20 beziehungsweise 50 Hektar großen Areale. Bislang hatten in Bergheim nur Erdarbeiten auf Basis einer Teilgenehmigung stattgefunden, nun kann richtig losgelegt werden. In Elsdorf dauert es noch, aber auch dort wird ein Rechenzentrum entstehen.

Diese drei Standorte sind miteinander verbunden, um resilient zu werden. Fällt eins aus, so kann die Datenverarbeitung über die anderen beiden trotzdem noch fortgesetzt werden. Mit dieser starken Absicherung möchte Microsoft bei den Firmenkunden punkten, auf die das US-Unternehmen hofft - etwa Bayer, RWE oder Metro.

Zu der Feier kam Politikprominenz, die voll des Lobes war. „Aus einer Region des Umbruchs wird jetzt eine Region des Aufbruchs, das Rheinische Revier wird zu einem der führenden Hightechstandorte Europas“, sagte Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU). „Die Hyperscaler-Rechenzentren sind der zentrale Motor auf unserem Weg von der Kohle zur KI“, sagte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne). Damit sichere man Wettbewerbsfähigkeit.

Wozu die Anlagen nötig sind

Die Digitalisierung schreitet rasch voran, Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) werden immer stärker genutzt. Die Speicherung von Daten findet häufig in Cloud-Diensten, also auf Großrechnern statt. Es sind immense Rechen- und Speicherkapazitäten nötig, um die Entwicklung zu stemmen und dabei auch noch gute Latenzen zu bieten, also minimalste Reaktionszeiten ohne Ruckeleien. Selbst minimale Verzögerungen sind bei Hightech-Maschinen und speziellen Digitalanwendungen ärgerlich und ein Nachteil im globalen Wettbewerb. Das Rheinische Revier liegt dabei günstig am Rande einer Datenautobahn zwischen Frankfurt und Amsterdam.

Das Areal in Bergheim ist riesig, im benachbarten Bedburg ist es noch größer. Foto: Benjamin Westhoff
Das Areal in Bergheim ist riesig, im benachbarten Bedburg ist es noch größer. Foto: Benjamin Westhoff

Wie viele Jobs das bringt

„Wir wollen langfristig bleiben“, betont Microsoft-Deutschlandchefin Agnes Heftberger. Ihre Firma spricht vage von mehreren Hundert Jobs, die dauerhaft entstehen, und mehreren Tausend temporären Jobs in der Bauphase. Kommunalpolitiker sind auskunftsfreudiger: Bergheims Bürgermeister Mießeler rechnet mit 150 dauerhaften Jobs in seiner Kommune und Bedburgs Rathauschef Sascha Solbach (SPD) mit 300. Das Bedburger Rechenzentrum soll etwa doppelt so groß werden wie das Bergheimer. Noch viel wichtiger sind aber die indirekten Effekte: In den beiden Städten wird damit gerechnet, dass jeweils 2.500 Arbeitsplätze entstehen von Firmen, die sich im Dunstkreis der Rechenzentren ansiedeln. Das wäre sehr viel für die Städte: Bergheim hat derzeit rund 62.000 Einwohner und Bedburg 26.000.

Die Kommunalpolitiker berichten von einem starken Interesse anderer Firmen an der Gegend. „Unternehmen, die ansonsten niemals in der Region unterwegs waren, sagen plötzlich, wir gucken uns das mal vor Ort an“, sagt Mießeler. Bei diesen Firmen punkte man dann mit starken Argumenten. „Wir haben Energie und Dateninfrastruktur, wir haben hoch qualifizierte Menschen und wir haben eine gute Lage zu Universitätsstädten und Forschungszentren.“

Wann die Anlagen fertig sind

Das dürfte noch dauern. Als letzte Anlage wird wohl Elsdorf in Betrieb gehen. In Bedburg soll es laut Angaben aus der Kommunalpolitik Mitte 2028 in einem Teilbetrieb losgehen. In Bergheim könnte der Probebetrieb Ende 2027 starten und der Echtzeitbetrieb bis Sommer 2028 folgen, wie Bürgermeister Mießeler schätzt. Microsoft selbst gibt keinen konkreten Zeitplan. Kommunalpolitiker Mießeler betont, dass die Jobeffekte und damit verbundenen Wirtschaftsimpulse für die Region schon früher kommen werden. Man arbeite schon jetzt ganz intensiv an einem Digitalpark in der Nähe, wo sich Firmen ansiedeln sollen. „Da wird im nächsten Jahr mit einem innovativen Gewerbebetrieb zu rechnen sein.“

Was die Microsoft-Investitionen sonst noch bringen

Teil des Investitionspakets sind auch Schulungsmaßnahmen für die Bevölkerung, die Microsoft teilweise bezahlt. Externe Fachleute vom Förderverein für Jugend und Sozialarbeit haben Schulen besucht, um Wissen über Künstliche Intelligenz und andere Digitalentwicklungen zu vermitteln. Ein Transporter fuhr als KI-Mobil zu Schulen, an Marktplätze, zu Volksfesten und zur öffentlichen Verwaltung, um den Menschen dort das Thema der Künstlichen Intelligenz und deren Möglichkeiten näherzubringen - so wurden rund 100.000 Menschen erreicht. Separat dazu absolvierten bereits 25.000 Finanzangestellte und 10.000 Lehrer KI-Kurse, die ebenfalls von Microsoft mitfinanziert wurden.

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