Bakum Wie bei James Bond: Bande soll während Fahrt 9000 Apple-Produkte aus Lkw gestohlen haben
Eine Bande soll rund 9000 Apple-Produkte in einem Wert von 1,5 Millionen Euro aus einem Lkw entwendet haben –und das während der laufenden Fahrt. Gelang dies mit einer akrobatischen Meisterleistung? Die Ermittlungen zu dem Fall laufen.
Fuhr eine Bande mit einem Fahrzeug so dicht an einen Lkw heran, dass sie diesen während der Tat aufbrechen konnte und rund 9000 Apple-Produkte entwendete? Irgendwo zwischen Bakum im Landkreis Vechta und dem schwedischen Malmö müssen die Täter zugeschlagen haben. Und das möglicherweise auf eine Art, wie man sie allenfalls bei einem James-Bond-Film erwarten würde.
Es geht um „Truck Robbery“ – so wird die Vorgehensweise im Fachjargon genannt: Spezialisierte Banden nähern sich einem fahrenden Lkw von hinten und fahren bis auf die Stoßstange auf. Ein Täter klettert aus dem offenen Schiebedach und öffnet mit einem schweren Seitenschneider die Ladetür des Lkw. Anschließend wird der Truck während der Fahrt geleert, bevor die Bande mit dem Diebesgut das Weite sucht.
Und genau so könnte sich der Fall zugetragen haben, bei dem die Staatsanwaltschaft Osnabrück und die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta vergangene Woche einen ersten Ermittlungserfolg zu verzeichnen hatten. Das bestätigt Erster Staatsanwalt Martin Schanz auf Anfrage. Entweder seien die Apple-Produkte im Wert von 1,5 Millionen Euro bei einer Rast am 31. Mai 2025 in Bakum/Harme vom Lkw gestohlen worden – oder aber auf die akrobatische Weise.
Denn erst in Schweden, erklärt der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, will der Lkw-Fahrer den Verlust seiner Fracht bemerkt haben. Tatsächlich ist die Vorgehensweise solcher Banden nicht ungewöhnlich. Das bestätigt auch Schanz. Immer wieder habe die Staatsanwaltschaft es mit solchen Taten zu tun.
Denn in Osnabrück ist eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft angesiedelt, die sich die Bekämpfung besonderer Formen des bandenmäßigen Diebstahls zum Ziel gesetzt hat. Dazu, erklärt Schanz, gehöre auch das sogenannte „Planenschlitzen“. Immer wieder kommt es demnach vor, dass insbesondere auf Rastplätzen Lkw-Planen von Sattelzügen aufgeschlitzt werden.
Während die Trucker oftmals schlafen, öffnen Diebe mit Cuttermessern die Planen und prüfen, ob sich Waren an Bord befinden und der Diebstahl lohnenswert ist. Gerade Elektronikartikel seien begehrt, weiß der Staatsanwalt aus Erfahrung.
Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) sind auf diese Weise im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund neun Millionen Euro beschädigt beziehungsweise entwendet worden. Das sei die bislang am höchsten verzeichnete Summe. Ein Schwerpunkt solcher Taten liegt in Niedersachsen demnach auf den Autobahnen A2 und A7, insbesondere im Raum Hannover, da sich dort die Verkehrsachsen kreuzen.
Und nach Einschätzung des LKA gehen die Täter dabei immer professioneller vor. Rastanlagen werden demnach genau beobachtet, Transportrouten ausgekundschaftet und wiederkehrende Haltepunkte ausgemacht. Die Täter sollen vorwiegend aus Osteuropa stammen.
Im aktuellen Fall wurde aber keine Plane aufgeschlitzt. Nach Auskunft von Martin Schanz öffneten die Täter vielmehr einen Container. Dabei soll ein Akkuflex zum Einsatz gekommen sein, um die Klappe zu knacken. Deshalb ist fraglich, ob es während des kurzen Zwischenstopps in Harme gelang, die 9000 iPhones zu entwenden. Denn die Ware inklusive Verpackung dürfte rund 2,5 Tonnen gewogen haben.
Noch ist also unklar, auf welche Weise die Smartphones zwischen Bakum und Malmö abhanden kamen. Auch, ob die Täter vorher genau wussten, mit welcher Lieferung sie es hier zu tun hatten. Vieles spricht aber dafür, dass dies während der Fahrt geschah. Die Ermittlungen dazu dauern an.
Fahrt nahmen die Ermittlungen auf, als im November vergangenen Jahres zwei Männer von der Bundespolizei routinemäßig kontrolliert wurden. Diese wollten mit ihrem Pkw aus den Niederlanden kommend in die Bundesrepublik einreisen. Im Fahrzeug, bestätigt die Staatsanwaltschaft, sei ein Teil der entwendeten Beute gefunden worden.
Im Zuge der weiteren Ermittlungen konnten weitere fünf Verdächtige ausgemacht werden, die als Auftraggeber, Logistiker oder Kuriere an dem Weiterverkauf und dem damit verbundenen Transport der Apple-Produkte beteiligt gewesen sein sollen. Die Männer, die der gewerbsmäßigen Bandenhehlerei verdächtigt werden, sind zwischen 32 und 56 Jahre alt und haben Wohnsitze in Elmshorn, Lüneburg, Bremen, Neustadt am Rübenberge und Oldenburg.
Einige sollen nach Auskunft des Ersten Staatsanwalts Martin Schanz auch Angaben zum Sachverhalt gemacht haben. Zunächst konnten 160 Apple-Produkte im Wert von 100.000 Euro sichergestellt werden. Aber womöglich kommen die Kriminalbeamten der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta jetzt auch jener Bande auf die Schliche, die den Lkw aufgebrochen hat. Dann klärt sich, ob die Täter auf dem Weg zwischen Bakum und Malmö tatsächlich akrobatische Höchstleistungen in James-Bond-Manier vollbracht haben.
Dieser Text erschien zuerst bei „OM Medien“.