Osnabrück  „Das hat die Stadt gebraucht“: So kommt das neue Osnabrücker Jazz-Festival bei Gästen an  

Matthias Liedtke
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Von Matthias Liedtke
| 14.03.2026 15:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gespannt auf neue Impulse durch „Jazz49“: Die Jazz-Musiker Mattis Balks (links, 34 Jahre) und Florian Schaube (rechts, 54). Foto: Matthias Liedtke
Gespannt auf neue Impulse durch „Jazz49“: Die Jazz-Musiker Mattis Balks (links, 34 Jahre) und Florian Schaube (rechts, 54). Foto: Matthias Liedtke
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Mehr Jazz in Osnabrück: Die Initiative Jazz 49 startet groß. Mit einem dreitägigen Festival im Blue Note. Wir waren beim Auftakt dabei und haben Besucherstimmen eingefangen.

Als Stadtbaurat regelte Frank Otte in Osnabrück jahrelang den Verkehr. Nun stellt er als Erster Vorsitzender der musikalischen Initiative „Jazz 49“ auf Grün für mehr Jazz in der Stadt und der Region – und zeigt sich hochzufrieden mit der Resonanz auf das erste Festival des neuen Vereins, der 40 Mitglieder zählt. Der Auftaktabend am Freitag im Blue Note ist ausverkauft, Kurzentschlossene müssen auf den Samstagabend oder die Sonntags-Matinee vertröstet werden.

Das volle Haus spricht eine deutliche Sprache: Die Osnabrücker wollen Jazz. Und es sind nicht nur die Älteren, die gespannt auf das Programm sind. Über die Pianistin aus seinem eigenen Quartett Flaw and Order hat Saxofonist Mattis Balks von dem „neuen Jazz-Verein“ erfahren – und ist sofort Mitglied geworden. „Wichtig“ findet es der 34-Jährige, auf diese Weise den Jazz in Stadt und Umland zu fördern.

Es gebe in Osnabrück zwar eine Menge Leute, die sich mit Jazz beschäftigen, aber nur wenig Konzerte, pflichtet Florian Schaube seiner Begleitung bei. Er ist unter anderem Schlagzeuger bei der Blues Company. In diesem Bereich ist die Stadt seit langem eine heimliche Hochburg. Das Ansinnen der Initiative, mit dem Jazz nun nachzuziehen, stößt in Osnabrück offensichtlich auf viele offene Ohren.

Auch Carsten Dense und Kay Lorenz, die in der Stadt ein Umweltplanungsbüro betreiben, sehen in der hiesigen Szene noch „Luft nach oben“. Um guten Jazz zu hören, fahren sie regelmäßig nach Münster oder Minden, wo es schon seit 70 Jahren einen Jazz-Club gibt – mit aktuell mehr als 400 Mitgliedern. Eine Marke, die auch Otte gern irgendwann erreichen möchte. Und dabei auch über den Tellerrand der Stadt hinaus auf die gesamte Region schielt.

Diesem Ruf gefolgt sind Petra Hartmann und Martin Moosbauer, der mit dem Metropol in Fürstenau selbst seit rund eineinhalb Jahren ein Kulturzentrum betreibt, in dem auch Jazz-Konzerte stattfinden. Mit der Initiative aus Osnabrück habe er bereits Kontakt aufgenommen und erhofft sich einen fruchtbaren Austausch, verrät der 65-Jährige.

International geht es gleich am ersten Abend des ersten Osnabrücker Jazz-Festivals auf der Bühne des Blue Note zu – benannt nach dem legendären Plattenlabel, bei dem auch Aaron Parks seine Musik veröffentlicht. Der amerikanische Pianist freut sich, mit seinem innovativen Stil-Mix das neue Format eröffnen zu dürfen in einer Zeit, in der „die Welt brennt“, wie er sagt. Umso wichtiger sei die Musik als Hoffnungsträger.

Komplettiert wird Parks‘ Trio durch den dänischen Bassisten Anders Christensen und die virtuos agierende schwedische Schlagzeugerin Cornelia Nilsson. Ein musikalisches Crossover-Projekt setzt auch den Schlusspunkt des Eröffnungsabends. Das Quartett Re:Calamari um den Kölner Bassisten Oliver Lutz treibt seinen Fusionjazz mit viel Energie voran. Chaerin Im aus Südkorea an den Tasten und die polnische Saxofonistin Marta Wajdzik tragen ihren Teil dazu bei.

Im Mittelteil des Abends verzaubert die in München lebende mongolische Sängerin Enji das Publikum. Von Festivalleiterin Shabnam Parvaresh im Netz entdeckt und umsichtig begleitet von Gitarre und Kontrabass, sorgt sie mit ihrer elektrisierenden, engelsgleichen Ausnahmestimme für viele ruhige und intime Momente – aber auch für den ersten Jazz49-Publikumschor bei ihrer Osnabrück-Premiere.

Das sei sehr emotional, habe aber mit Jazz nicht viel zu tun, urteilt Klaus Pott im Anschluss. Als ehemaliger Vorsitzender des Park Lane Jazz Club ist er eher dem klassischen Dixieland zugeneigt, sagt aber: „Wer für Musik offen ist, sollte sich alles anhören“. Und gerade der Auftritt von Enji beweist, wie vielfältig Musik sein kann, die unter Jazz firmiert.  Das muss auch Pott konzedieren, der noch die Anfänge der Osnabrücker Jazz-Club-Szene in den Fünfzigerjahren miterlebt hat. Für ihre Geschichte ist ab sofort ein neues Kapitel aufgeschlagen.   

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