Osnabrück  KI im Arbeitsmarkt: Wird die Künstliche Intelligenz wirklich zum Jobkiller?

Louisa Riepe
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Von Louisa Riepe
| 16.03.2026 11:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In wissensintensiven Branchen mit digitalisierten Aufgaben könnten bald viele Arbeitsplätze leer bleiben. Foto: IMAGO/Westend61
In wissensintensiven Branchen mit digitalisierten Aufgaben könnten bald viele Arbeitsplätze leer bleiben. Foto: IMAGO/Westend61
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KI ist heute schon allgegenwärtig – doch wie wird sie die Arbeitswelt künftig verändern? Prognosen reichen von einem Extrem zum anderen. Chefredakteurin Louisa Riepe bewertet die rasante Entwicklung.

Ich will ehrlich zu Ihnen sein: Ich kann mir kaum noch vorstellen, diese Kolumne ohne die Hilfe von Künstlicher Intelligenz zu schreiben. Sie hilft mir bei der Recherche, beim Faktencheck und manchmal auch bei der Formulierung, wenn mir die richtige Idee fehlt. Wird KI mir deshalb meinen Job wegnehmen?

Diese Frage stellen sich gerade viele Menschen in Deutschland. Und sie stellt sich nicht nur individuell, sondern gesamtgesellschaftlich: Wird KI in Deutschland vor allem Arbeitskräfte ersetzen – oder sie sinnvoll entlasten?

Diese Frage habe ich in den vergangenen Monaten immer wieder gestellt – in Hintergrundgesprächen mit Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft. Leider kann ich keinen von ihnen hier zitieren. Aber die Prognosen reichen von einem Extrem zum anderen:

2024 sagte der streitbare Tech-Milliardär Elon Musk bei einer Konferenz in Paris: „Künstliche Intelligenz und Roboter werden alle Jobs ersetzen. Arbeiten wird optional werden.“ Jensen Huang, Gründer des weltweit führenden Prozessorherstellers Nvidia, ist dagegen der Meinung: „KI wird Jobs verändern, statt sie abzuschaffen.“

Natürlich kann keiner von beiden in die Zukunft schauen. Doch es gibt bereits erste Anzeichen im Hier und Jetzt, die auf die künftige Entwicklung schließen lassen:

So zählte die Bundesagentur für Arbeit zuletzt in 163 von rund 1200 bewerteten Berufen Engpässe; besonders betroffen sind Pflege- und Gesundheitsberufe, Bau- und Handwerksberufe, Berufskraftfahrer sowie Erzieher. Künstliche Intelligenz wird dagegen vermutlich eher wissensintensive, standardisierte und digitalisierte Aufgaben übernehmen, etwa in Softwareentwicklung, Verwaltung, Buchhaltung oder Recht. Zu diesem Schluss kommen vier Experten, die das Science Media Center kürzlich dazu befragt hat.

Ein aktueller Forschungsbericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung stützt das. Er prognostiziert für die nächsten 15 Jahre durch KI ein um durchschnittlich 0,8 Prozentpunkte höheres jährliches Wirtschaftswachstum. Die Zahl der Jobs würde laut Studie insgesamt ähnlich bleiben – auch wenn sich viele Tätigkeiten verändern und Branchen unterschiedlich betroffen sind.

Wie sich KI auswirken wird, hängt also ganz von der jeweiligen Branche, der konkreten Tätigkeit und der individuellen Veränderungsbereitschaft ab.

Während KI Routineaufgaben, Vorarbeit, Dokumentation und Standardkommunikation übernimmt, gewinnen diejenigen an Bedeutung, die Entscheidungen treffen, Verantwortung tragen, mit Menschen arbeiten oder komplexe Systeme steuern.

Zu meinem Job gehören viele Aufgaben, die KI nicht übernehmen kann. Und bei den anderen lasse ich mir von ihr helfen. Deshalb mache ich mir keine Sorgen, sondern sehe in meiner Branche eher Chancen durch KI.

Es gibt also keinen Grund zur Panik. Aber einen guten Grund, Anpassungen vorzunehmen.

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