Sorge  Warum sind so viele tote Fische im Emder Delft?

| | 19.03.2026 08:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Eine Spaziergängerin entdeckt wahrscheinlich einen toten Fisch im Wasser. Foto: Mona Hanssen
Eine Spaziergängerin entdeckt wahrscheinlich einen toten Fisch im Wasser. Foto: Mona Hanssen
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Aktuell treiben wieder viele tote Fische im Delft in Emden. Was könnten die Gründe sein? Wir haben beim Bezirksfischerei-Verband und der Stadt nachgefragt.

Emden - 65 tote Fische habe sie bei einem Spaziergang um den Emder Delft entdeckt, schreibt eine Nutzerin bei Facebook am 11. März 2026. Wir haben auf Anhieb in diesen Tagen ebenfalls viele Fische entdeckt, die mit dem Bauch nach oben im Delftwasser trieben. Möwen streiten sich um die leichte Beute. Viele Spaziergänger, so bekommt man mit, wundern sich über den Anblick. Ist das noch normal? Holger Flick, beim Bezirksfischerei-Verband für Ostfriesland (BVO) in Emden zuständig für Gewässerschutz und Fischereiangelegenheiten, hat ebenfalls schon mehrere Hinweise zum Thema bekommen, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion.

Beim Hausboot „Tammy“ treibt ein toter Fisch bäuchlings im Emder Delft. Foto: Mona Hanssen
Beim Hausboot „Tammy“ treibt ein toter Fisch bäuchlings im Emder Delft. Foto: Mona Hanssen
Nicht zu übersehen: Auch hier treibt ein toter Fisch. Foto: Mona Hanssen
Nicht zu übersehen: Auch hier treibt ein toter Fisch. Foto: Mona Hanssen

„Es handelt sich überwiegend um Kleinfische, wahrscheinlich Meeräschen“, sagt er. Diese seien wohl im vergangenen Jahr erst geschlüpft. Bei vielen toten großen Fischen bestünde mehr Grund zur Sorge, erklärt er. Bei Jungtieren könne es sein, dass sie einfach noch empfindlicher gegenüber äußeren Reizen seien. Einen konkreten Grund kann er für das Sterben der Jungfische nicht benennen, aber: Wenn der Grund eine giftige Substanz im Wasser wäre, hätte das Fischsterben sicher eine andere Dimension, so seine Einschätzung. Er könnte sich vorstellen, dass noch die Folgen des härteren und längeren Winters als sonst für das Sterben der Jungfische verantwortlich sei.

Schwer zu erkennen, aber auch hier treiben zwei tote Fische. Foto: Mona Hanssen
Schwer zu erkennen, aber auch hier treiben zwei tote Fische. Foto: Mona Hanssen
Zwei Möwen streiten sich um einen Fisch. Foto: Mona Hanssen
Zwei Möwen streiten sich um einen Fisch. Foto: Mona Hanssen

Es gibt viele Gründe für Fischsterben

Sie könnten schon länger tot herumtreiben und sich durch die Strömung jetzt im Delft sammeln. Unter anderem beim „Sea Bin“ bei der Delfttreppe, einem Mülleimer im Wasser, der Müll ansaugt und damit auch für einen Sog im Wasser sorgt, sind tote Fische zu sehen. Im vergangenen Jahr waren viele tote Fische im Februar unter einer zarten Eisdecke im Delft erkennbar. Sie könnten damals an Sauerstoffmangel gestorben sein. Waren auch jetzt im Februar während der Frosttage Fische verendet? Eine andere Theorie könnte sein, dass der viele Regen der vergangenen Tage viele Nährstoffe in den Delft gespült hat, wodurch der Sauerstoffgehalt rapide gesenkt wurde. Es könnten auch giftige Algen mit dem Anstieg der Temperaturen stark gewachsen sein.

Möwen spähen schon einmal interessiert auf einen toten Fisch. Foto: Mona Hanssen
Möwen spähen schon einmal interessiert auf einen toten Fisch. Foto: Mona Hanssen
Hier und da sind im Emder Delft Ansammlungen von toten Fischen zu finden. Foto: Mona Hanssen
Hier und da sind im Emder Delft Ansammlungen von toten Fischen zu finden. Foto: Mona Hanssen

Im Frühjahr erwärmt sich die Wasseroberfläche, während das Wasser in der Tiefe kalt bleibt. Wenn diese Schichten durch Wind umgewälzt werden, können auch Fäulnisgase und nährstoffreiches Wasser aus dem Boden aufsteigen. Dies führt ebenfalls zu einem abrupten Sauerstoffabfall. Auch sind die Tiere nach dem Winter geschwächt und der Temperaturwechsel sorgt für noch mehr Stress, was die Fische anfälliger für Keime und Bakterien macht. Vielleicht ist es auch ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren. Holger Flick sagt, dass er die Situation im Blick behalte. Aktuell sei die Lage aber noch nicht dramatisch.

Zwischen Schiffen und Kaimauer treiben tote Fische. Foto: Mona Hanssen
Zwischen Schiffen und Kaimauer treiben tote Fische. Foto: Mona Hanssen
Beim „Sea Bin“, einem saugenden Wasser-Mülleimer im Ratsdelft, sammeln sich die toten Fische. Foto: Mona Hanssen
Beim „Sea Bin“, einem saugenden Wasser-Mülleimer im Ratsdelft, sammeln sich die toten Fische. Foto: Mona Hanssen

Das sagt die Stadt Emden zum Fischsterben

Stadtsprecher Eduard Dinkela erklärt auf Nachfrage, dass der Unteren Wasserbehörde das aktuelle Fischsterben im Delft nicht bekannt sei, sie aber Entwarnung gebe. „Im Delft sowie im Emder Binnenhafen sind zwar aktuell vermehrt tote Fische gesichtet worden, mit hoher Wahrscheinlichkeit hat es aber natürliche Ursachen“, so Dinkela. Auch nach ihren Erkenntnissen handelt es sich bei den toten Fischen um Meeräschen. „Diese Fischart ist vermutlich vor einigen Jahren über die Große Seeschleuse beziehungsweise die Nesserlander Schleuse in den Binnenhafen und den Delft eingewandert. Meeräschen sind überwiegend standorttreu und unternehmen keine weiten Wanderungen. Zudem gelten sie als wärmeliebend und reagieren empfindlich auf niedrige Wassertemperaturen“, schreibt der Sprecher.

Seit der Kältephase Anfang Februar mit Wassertemperaturen von etwa null bis drei Grad Celsius seien im gesamten Binnenhafen vermehrt tote Meeräschen festgestellt worden. In Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde und der Unteren Naturschutzbehörde habe der landeseigene Hafenbetreiber N-Ports die betroffenen Gewässer von toten Fischen befreit und diese fachgerecht entsorgt. „Nach aktuellem Kenntnisstand ist ein sogenannter Kälteschock mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Hauptursache für das Fischsterben“, so Dinkela. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigten, dass Meeräschen bereits bei Temperaturen unter zehn Grad in Stress geraten. Unter acht Grad nehmen Aktivität und Nahrungsaufnahme deutlich ab, und bei Temperaturen unter fünf Grad könne es zu Kältestarre, Orientierungslosigkeit oder zum Tod kommen. Diese Werte wurden Anfang Februar in Emden deutlich unterschritten.

Die toten Fische sammeln sich an der Delfttreppe. Foto: Mona Hanssen
Die toten Fische sammeln sich an der Delfttreppe. Foto: Mona Hanssen

„Eine durch N-Ports durchgeführte Sauerstoffmessung ergab keine Auffälligkeiten, sodass ein Sauerstoffmangel als Ursache ausgeschlossen werden kann. Vor diesem Hintergrund wurde seitens der Stadt Emden auf weitere Wasserproben verzichtet“, schreibt Dinkela. Seit dem Wechsel der Hauptwindrichtung auf Südwest sei das Auftreten der toten Fische auch im Alten Binnenhafen und im Delft verstärkt sichtbar. Zusätzlich habe der jüngste deutliche Temperaturanstieg nach einer längeren Regenperiode dazu geführt, dass weitere verendete Fische an die Oberfläche gelangen konnten. „Die Untere Wasserbehörde bewertet die Situation derzeit als ein natürlich erklärbares und nicht ungewöhnliches Ereignis. Mit steigenden Temperaturen und nachdem der Großteil der toten Fische bereits entfernt wurde, ist davon auszugehen, dass das Fischsterben zeitnah abklingen wird“, erklärt der Sprecher. Die Entwicklung werde aber weiterhin beobachtet.

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