Autotest: Der Grandis hat die Kittelschürze abgelegt

Uwe Prins
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Von Uwe Prins
| 19.03.2026 08:57 Uhr | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Designer haben dem neuen Grandis die Kittelschürze ausgezogen und ihm ein modernes Outfit verpasst. Foto: Prins
Die Designer haben dem neuen Grandis die Kittelschürze ausgezogen und ihm ein modernes Outfit verpasst. Foto: Prins
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Der biedere Familienvan (2003 bis 2011) von Mitsubishi ist endgültig Vergangenheit: Hinter dem Modellnamen verbirgt sich nun ein schicker Kompakt-SUV ab 28.890 Euro.

Leer - Aussehen ist Geschmackssache, daran besteht kein Zweifel. Aber in einem Autotest spielt ja auch die Optik eine Rolle – deshalb die subjektive Einschätzung gleich mal vorweg: Die Wiedergeburt des Mitsubishi Grandis ist den japanischen Designern richtig gut gelungen. Grandis Nummer eins (Produktionszeitraum 2003 bis 2011) war ein braver, verlässlicher Familienvan mit viel Platz, der karosseriemäßig ein bisschen an die Oma mit Kittelschürze erinnerte. Die Neuauflage – angesiedelt im Fahrzeugsegment der Kompakt-SUV – punktet ebenfalls mit einem üppigen Raumangebot, einer recht umfangreichen Basisausstattung sowie attraktiven Preisen, zeigt sich jedoch in einem sportlich geschnittenen Blechkleid. Grandis? Nichts mehr altbacken, grandios!

Das neue Kompakt-SUV von Mitsubishi ist mit einer Gesamtlänge von 4,41 Metern tatsächlich 35 Zentimeter kürzer als die Urversion, trotzdem ist auch der Nachfolger als Familienauto konzipiert. So ist die Beinfreiheit im Fond enorm und liegt gefühlt über dem Klassendurchschnitt. Das liegt nicht zuletzt daran, weil sich die Sitzbank um bis zu 16 Zentimeter verschieben lässt. Und wird das Gestühl komplett umgeklappt, entsteht ein Kofferraum mit einem Fassungsvermögen von 1455 Litern.

Der Grandis der ersten Generation (2003 bis 2011) bot viel Platz, steckte aber in einem eher biederen Blechkleid. Foto: Mitsubishi
Der Grandis der ersten Generation (2003 bis 2011) bot viel Platz, steckte aber in einem eher biederen Blechkleid. Foto: Mitsubishi

Lediglich zwei Antriebsvarianten stehen zur Wahl, die von den Japanern aus dem Renault Symbioz übernommen werden: Der kleinere Vierzylinder (1,3 Liter Hubraum) mit Mildhybrid-Unterstützung leistet 140 PS und schafft bei entsprechend genügsamer Fahrweise einen Verbrauch von unter sechs Litern. Der 158 PS starke Vollhybrid mit 1,8-Liter-Motor schafft laut Hersteller sogar eine Vier vor dem Komma, wenn der Stadtverkehr rein elektrisch bewältigt wird. Das soll nach Angaben der Japaner mit der Batteriekapazität (1,4 kWh) immerhin „bis zu 80 Prozent“ möglich sein.

Das Basismodell kostet 28.890 Euro, ist damit knapp 400 Euro teurer als der eng verwandte Renault Symbioz, hat dafür aber mindestens fünf Jahre Garantie (verlängerbar auf acht Jahre). Das Preis-Leistungsverhältnis ist auf jeden Fall mehr als stimmig: So ist nicht nur die komplette Sicherheits-Technologie an Bord (unter anderem auch ein Auffahrwarnsystem mit Fußgänger- und Radfahrererkennung, eine Multikollisionsbremse, eine Notfall-Lenkassistenz sowie Notbrems- und Kreuzungsassistenz), sondern auch eine Rückfahrkamera, eine Klimaanlage sowie ein DAB-Radio mit sechs Lautsprechern. Das Infotainmentsystem mit Smartphone-Anbindung wird über einen 10,4 Zoll großen Touchscreen bedient, fahrerrelevante Daten werden im digitalen Cockpit angezeigt. Die guten alten Tasten und Schalter aus analogen Zeiten haben die Japaner nach wie vor nicht komplett verbannt, dafür bedarf es ausdrücklich einer höflichen Verbeugung. Bedienung kann so einfach sein!

Der Hochkant-Touchscreen in der Mittelkonsole ist gut ablesbar und positioniert. Foto: Prins
Der Hochkant-Touchscreen in der Mittelkonsole ist gut ablesbar und positioniert. Foto: Prins

Den Mildhybrid gibt es mit einer klassischen Sechs-Gang-Handschaltung (optional Siebengang-Doppelkupplung), bei der stärkeren Version überträgt ein sogenanntes vollautomatisches Multimode-Getriebe die Kraft auf die Vorderräder. Mit beiden Antrieben gelingt der Sprint von 0 auf 100 in unter zehn Sekunden, beide schaffen jeweils 180 km/h. Ausgeprägtes sportliches Fahren gehört nicht zu den vordergründigen Aufgaben, die der Grandis zu bewältigen hat. Dafür wurde er aber ja auch gar nicht gebaut, wenngleich das Blechkleid einen anderen Eindruck vermittelt. Aber mal ganz ehrlich: es ist doch viel schöner, auch einen soliden, vielseitigen Familienwagen in ansprechender Optik zu verpacken. Hätte man 2003 den ersten Grandis attraktiver gestaltet, wären in Deutschland sicherlich mehr als nur 9494 Exemplare verkauft worden.

Auch die Heckansicht wirkt nun sehr viel moderner. Foto: Prins
Auch die Heckansicht wirkt nun sehr viel moderner. Foto: Prins

Aber nun ist ja nix mehr mit altbacken. Der Grandis hat seine Kittelschürze abgelegt. Grandios.