Osnabrück Er lässt die Blueslawine zum letzten Mal nach Osnabrück rollen – was kommt danach?
Im zarten Alter von 14 Jahren hat Werner Hülsmann den Blues für sich entdeckt. Seitdem hat er den 66-Jährigen nicht mehr losgelassen. Dennoch endet am 28. März ein Kapitel. Dann findet zum letzten Mal die Blueslawine in Osnabrück statt. An der Organisation hat er etwa 30 Jahre lang mitgewirkt.
1994 rollte die erste Blueslawine ins Haus der Jugend in Osnabrück. Damals war Werner Hülsmann schon längst mit dem Blues-Virus infiziert. Aber er war nicht Mitglied der Bluesverstärker. Der Zusammenschluss Osnabrücker Blues-Enthusiasten organisiert nun zum 30. und letzten Mal das Festival. Doch dazu später mehr.
Eric Clapton und Duane Allman waren schuld, dass Werner Hülsmann sein Leben dem Blues gewidmet hat – aus musikalischer Sicht. Zum 14. Geburtstag schenkte ihm ein Schulfreund eine Platte, auf der das Stück „Key to the Highway“ enthalten war. „Das habe ich mir immer wieder angehört“, erzählt er. Seitdem hat der Blues für ihn Priorität.
„Blues drückt Emotionen aus, und er löst Emotionen aus“, sagt Werner Hülsmann. Das ist nicht nur Traurigkeit, wie das Klischee sagt. Der Blues tauge auch als Party-Musik, so Hülsmann weiter. In den Anfangsjahren dieser Stilrichtung habe die afro-amerikanische Musik zum Tanzen animieren müssen.
Ein weiteres Journalisten-Klischee, wie Werner Hülsmann sagt, sei der „Zwölftakter“. „Blues besteht nicht immer nur aus dem Schema mit dem Dutzend Takten.“ Gerade „Key to the Highway“ sei ein Paradebeispiel dafür, dass dem nicht so ist. Das Stück ist nur ein „Achttakter“. Oftmals bestehen Blues-Songs auch nicht aus den drei berühmten Akkorden, doziert Werner Hülsmann weiter. „Die Vielfalt des Blues wird von den meisten Konsumenten nicht wahrgenommen.“ Heutzutage wird er zudem mit verschiedenen Musikstilen wie Afro-Beat oder Zydeco gekreuzt.
Der Blues hat Werner Hülsmann gelehrt, nicht eingefahren zu sein und hochnäsig auf andere Genres zu schauen. Der amerikanische Gitarrist Big Bill Broonzy beeinflusste nicht nur Jimi Hendrix, ZZ Top und Eric Clapton, sondern auch Werner Hülsmann. „Er hat gesagt, dass alle Musik Musik des Volkes ist. Dieser Gedanke hat mich von meinem hohen Ross geholt.“ Broonzy hat Musik gemacht, die er spielen musste, um zu überleben. Aber er hat auch Musik gespielt, die er fühlte. „Man muss ein Gefühl für Musik haben, dann ist es egal, ob man präzise oder zwölf oder neun Takte spielt.“
Ursprünglich wollte Werner Hülsmann Lehrer werden. Er hat Politik und Religion studiert. Aber es kam anders. Er ist – noch – als Integrationsbeauftragter beim Landkreis Osnabrück tätig. Diese Tätigkeit endet dieses Jahr – so wie auch die Blueslawine in diesem Jahr endet. Vor einigen Jahren haben deren Macher, die Bluesverstärker, einen Verein gegründet. Blues und Verein? Wie passt das zusammen? „Durch die kontinuierliche Förderung war es möglich, dass Festival jedes Jahr stattfinden zu lassen“, antwortet Werner Hülsmann, der der 2. Vorsitzende des Vereins ist.
Dass diese Reihe nun endet, liege daran, dass die Vereinsmitglieder mittlerweile alle über 60 Jahre alt sind. Zudem komme der „Blei-Faktor“ ins Spiel. Viele angegraute Blues-Fans würden ihre Hintern schwer vom Sofa erheben können, um zu den Konzerten zu gehen, sagt Werner Hülsmann. Eine natürliche Entwicklung.
Werner Hülsmann erlebt also zwei Abschiede in diesem Jahr. „Ich empfinde Wehmut, aber auch ein anderes Gefühl: Es ist gut gewesen.“ Der Verein besteht weiter und wird kleinere Konzerte organisieren. Und auch beruflich wird es für Werner Hülsmann weitergehen. Er wird beratend tätig sein. „Es ist also nicht ganz zu Ende.“