Hoffenheim  VfL Osnabrück: Keiner sticht heraus - aber gerade das macht diese Mannschaft so gut

Malte Artmeier, Susanne Fetter
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Von Malte Artmeier, Susanne Fetter
| 23.03.2026 06:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Symbol einer starken Gemeinschaft: Niklas Wiemann (rechts) und Jannik Müller hielten mit dem VfL Osnabrück wieder mal die Null - und jubelten gemeinsam über den 1:0-Sieg in Hoffenheim. Foto: www.imago-images.de
Symbol einer starken Gemeinschaft: Niklas Wiemann (rechts) und Jannik Müller hielten mit dem VfL Osnabrück wieder mal die Null - und jubelten gemeinsam über den 1:0-Sieg in Hoffenheim. Foto: www.imago-images.de
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1:0 bei der TSG Hoffenheim II: Der VfL Osnabrück gewinnt zum sechsten Mal in Serie in der 3. Fußball-Liga. Einen „Mann des Spiels“ gibt es diesmal nicht - aber wieder mal eine total geschlossene Mannschaftsleistung. Die Einzelkritik.

#3 Frederik Christensen: Spielte in Hoffenheim auf seiner linken Seite vor allem in der ersten Hälfte sehr offensiv und tauchte immer wieder im gegnerischen Strafraum auf. Brachte eine super Flanke auf Meißner (19.), die dieser allerdings nicht zum 2:0 verwertete. Bei seiner Schusschance in der 26. Minute hätte er platzierter abschließen können, wenige Sekunden danach bediente er aber Meißner erneut mit einer guten Ablage. Auch Kopaczs Großchance in der 35. Minute leitete er mit einem Ballgewinn und scharfen Pass nach vorne ein. Dass er keinen Scorerpunkt sammelte, darf er diesmal den Kollegen vorwerfen. In der zweiten Hälfte mehr als Verteidiger gefragt, löste aber auch diese Aufgaben solide.

#4 Yigit Karademir: Ersetzte den verletzten Fabinski als rechter Innenverteidiger und kam damit zu seinem ersten Startelfeinsatz seit dem Saarbrücken-Spiel Ende Januar. Zeigte sich stabil in den direkten Duellen mit den Hoffenheimer Angreifern und reihte sich damit in eine starke Abwehrleistung ein. Vor allem in der ersten Hälfte hatte er Gegenspieler Zeitler voll im Griff, sodass sich dieser nach der Pause vermehrt ins Zentrum verzog. Mit dem Ball meist nicht mit der feinsten Klinge, sondern eher resolut. Insgesamt ein guter Auftritt, der zeigte, dass auf ihn Verlass ist, wenn er gebraucht wird.

#24 Jannik Müller: Abermals ging der Kapitän als zentraler Mann der Abwehrkette voran: Mit Körperlichkeit in den Zweikämpfen, die de Hoffenheimer Talente teilweise beeindruckte, aber auch mit Geradlinigkeit im Passspiel. Spielte wie immer abgeklärt, unaufgeregt und souverän - ohne große Schnörkel, aber auch ohne Fehler.

#25 Niklas Wiemann: Hatte den pfeilschnellen Campbell als Gegenspieler und löste die Aufgabe, bis auf zwei Duelle, sehr gut. Eroberte früh im Spiel zwei Bälle, weil er aufmerksam und aggressiv nach vorne verteidigte, musste den Bundesliga-Profi aber auch zweimal ziehen lassen. Verlängerte Kammerbauers Einwurf vor dem 1:0 und verteidigte die Führung danach einmal mit einer starken Aktion gegen den zweiten TSG-Profi Max Moerstedt (32.). In der zweiten Hälfte weniger sichtbar, aber weiter stabil.

#26 Fridolin Wagner (bis 90.+1): In Abwesenheit des gesperrten Jacobsen war Wagner mehr als Staubsauger vor der Abwehr gebraucht und erledigte diesen Job vor allem vor der Pause richtig gut. War fast immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort, sammelte zweite Bälle auf und hielt die Position als Anker vor der Dreierkette. Nur gelegentlich schaltete er sich nach vorne ein, was ebenfalls gut gelang. Auch er war nach dem Seitenwechsel etwas weniger präsent, bewies aber einmal mehr seine Wichtigkeit für die Osnabrücker Stabilität. Sah kurz vor Schluss seine zehnte Gelbe Karte und verlängerte damit seine Länderspielpause.

#29 David Kopacz (bis 72.): Beim Deutsch-Polen läuft‘s: Zum vierten Mal in Folge traf er, zum dritten Mal erzielte er dabei das 1:0. Diesmal erwischte er den Abpraller von Kelvin Frees zwar nicht perfekt, platzierte den Ball aber aus zehn Metern sauber rechts neben den Pfosten. Spielte danach in Ko-Produktion mit Kehl und Christensen die Meißner-Großchance heraus - nur eine Aktion von vielen, in denen er seine Spielfreude demonstrierte. Hätte danach eigentlich noch ein Tor machen müssen, als er an der Strafraumlinie frei zum Abschluss kam und knapp verzog. Tauchte danach etwas ab und wurde 20 Minuten vor Ende ausgewechselt.

#21 Lukas Jonsson: Bei langen Bällen hatte der Torwart in Hoffenheim nur sehr wenig Genauigkeit - das blieb aber schon der einzige Makel. Zum sechzehnten Mal spielte er zu Null und hatte diesmal selbst einen größeren Anteil daran: War schnell im kurzen Eck, als Campbell abzog (15.) und bekam gegen Moerstedt (29.) die Beine gerade noch rechtzeitig zu. Sonst hatte er nicht allzu viel zu tun, fischte aber noch den ein oder anderen hohen Ball aus der Luft.

#11 Robin Meißner (bis 90.+1): Der Mittelstürmer hätte eigentlich mit zwei Treffern aus der Partie gehen können, ließ seine Möglichkeiten aber vielleicht auch zu seinem eigenen Erstaunen liegen: Traf nach eine Top-Flanke von Christensen den Ball nicht richtig (19.) und zielte in der 26. Minute zu unplatziert. In der zweiten Halbzeit prüfte er Petersson im kurzen Eck, als er vielleicht eher das lange hätte wählen sollen. Abseits der Chancenverwertung war es aber wieder mal ein starker Auftritt: Meißner war an jeder Offensivaktion beteiligt - mit guten Laufwegen, schönen Ablagen und gutem Körpereinsatz.

#18 Lars Kehl (bis 79.): Der Offensivspieler zeigte auch in Hoffenheim seine Spielfreude: Gerade das Zusammenspiel mit Meißner und Kopacz war teilweise zum Zungeschnalzen. Nur auch ihm fehlte der Ertrag. In torgefährliche Räume kam er selbst selten und die von ihm eingeleiteten Angriffe führten letztlich zu nichts. Rieb sich in der Arbeit gegen den Ball auf, sodass in der zweiten Halbzeit gelegentlich die Kraft fehlte, um an den Gegnern vorbeizukommen. Abgesehen von einem Distanzschuss, der drüberging, gab es keine Szene mehr, die hängenblieb.

#19 Kevin Wiethaup (bis 79.): Ersetzte im Mittelfeld den gesperrten Jacobsen. Der 20-Jährige brachte seine Dynamik immer wieder ein, verpasste aber mehrfach den richtigen Moment fürs Abspiel oder übersah die sinnvollste Option, um sich dann festzudribbeln. Sorgte dazu für den einzigen schweren Fehler im VfL-Spiel, als er mit einem technisch unsauberen Kontakt Moerstedts Torchance in der 29. Minute ermöglichte. Läuferisch mit hohem Aufwand, aber immer wieder auch mit etwas zu viel Leichtsinnigkeit im Positionsspiel gegen den Ball.

#31 Patrick Kammerbauer: Der rechte Außenbahnspieler zeigte sich giftig gegen den Ball und arbeitete intensiv, hatte nach vorne aber nicht ganz den Einfluss wie Gegenpart Christensen auf links. Spielte einen guten Ball auf Meißner (56.), war aber ansonsten offensiv relativ wirkungslos - abgesehen von seinem langen Einwurf, der letztlich zum 1:0 führte. Ansonsten ein unauffälliger, aber solider Auftritt, wie so oft. Kammerbauer ist einer der Spieler im VfL-Kader, die (fast) nie unter ein gewisses Basisniveau fallen - eine große Qualität.

Nicht zu bewerten: #37 Ismail Badjie (ab 72.), #8 Robert Tesche (ab 79.), #23 Tony Lesueur (ab 79.), #9 Julian Kania (ab 90.+1), #20 Theo Janotta (ab 90.+1)

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